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Mai 2009


INSM-Games präsentieren den neuesten Freizeitspaß aus der Gido-Knopf-Edition ihrer geschichtshypothetischen Spiele zur Förderung der demokratischen Gesinnung.

urest

Ein brutaler linker Diktator regiert mit Schießbefehl und Stacheldraht. Sie sind ein Freiheitskämpfer, der das Volk aufrüttelt und es zum Aufbau einer Zivilgesellschaft führen will. Aber es ist noch ein weiter Weg zur Freiheit der Sozialen Marktwirtschaft. Ihnen drohen Schikanen, Gefängnis und willkürliche staatliche Auflagen.

Retten Sie Deutschland vor Stasi und Linksruck! Entlarven Sie die Maulwürfe der Rotfaschisten, gehen Sie Koalitionen mit den demokratischen Parteien ein, knüpfen Sie ein Netzwerk für freien Handel. Lassen Sie sich von den Geheimdiensten der westlichen Demokratien helfen – oder spielen sie auf der dunklen Seite als kommunistischer Spitzel oder Terrorist! Wie wird die Geschichte verlaufen? Verhindern Sie die Morde an Dutschke, Schleyer und Ohnesorg oder töten Sie Frauen und Kinder, um die Diktatur zu stützen.

“Unrechtsstaat” ist ein unterhaltsames Spiel für die ganze Familie, bei dem Kinder wie Erwachsene auf spannende Art Geschichte erleben.

 

Für Deutschland in Europa.

Wums.

Wir in Europa.

Wums.

Für ein soziales Europa.

Wums.

Millionäre zur Kasse.

Wums.

Für Bayerns Mittelstand.

Ouchn.

Tage wie dieser. Nach fünfzehn Kilometern beinahe von Rad gefallen, ein Wadenkranpf schickte sich an, die zweite Hälfte der Strecke zur Tortur werden zu lassen. Dabei hatte ich mich fit gefühlt, und dreißig lausige Kilometer sind eigentlich nicht wirklich der Rede wert.

“Das bißchen kriegen wir hin”, dachte sich wohl auch die gebügelte Botox-Birne zu Guttenberg. Zuerst mal den Job, den er von dem Minister für Garnichts übernommen hatte, um sich dann selbst zu übernehmen, anstatt genau das mit Opel zu tun, wenn denn schon wieder etwas zu retten wäre. Jetzt ist der Mann schon Opel-Minister, tut erkennbar nichts, als sich mit der Totgeburt dieser Wrackbergung ins Rampenlicht zu rücken und versemmelt alles, aber auch alles, was er anpackt. Natürlich sind’s die Amis schuld, die warens aber schon immer – mit Ausnahme des Restuniversums, das bekanntlich die Borg (Deltaquadrant) und die Stasi/Lafontaine (das Böse/Erde) unter sich aufgeteilt haben.

Sich zu zu Guttenberg zu äußern, ist ja regulär müßig, beinahe, denn der Mann ist andererseits sowas von boulevardtauglich, daß ich gar nicht zögern will, ihn von der Stirn auf die Füße zu stellen. Da sein Gequatsche und Getue schon in wenigen Monaten im Lachsack der Geschichte verschnürt sein wird, verlegen wir uns doch besser auf das, was er kann: Posieren und dabei blöd geliftet aussehen.
Sicher sagt er sich: “Das bin ich mir wert”, so wie die Ohovens mit den Fickpuppenlippen es sich wert sind, ihre schon von Kindesfratzen an ausdruckslosen Augen in immer skurrilere Formen einrahmen zu lassen, die sie “es sich wert” sein lassen. Ich finde, diese Liftgirls und -Boys haben alle was von Chucky, der Mörderpuppe, und entsprechend sympathisch wirken sie dann auch.

Und weil heute alles nicht so recht zusammenpassen will, gleich noch ein launischer Tempo- und Themenwechsel, wie ihn Charlie Parker in seinen letzten Zügen nicht schräger hätte tröten können:
Da labert sich Julian Heißler im “Freitag” um Kopf und Kragen in einem Arrangement, gegen das dieses mein Artikelchen nicht nur vor Belesenheit, sondern auch nachgerade kantischer Akribie nur so strotzt – und fordert einen “Blogger-Rat”, weil die Deutsche Bahn einige Hanseln dafür bezahlt hat, “im Internet”, als “Blogger” billige PR zu verdummposten. Die arme Blogsphäre verlöre dadurch noch mehr an Glaubwürdigkeit, und der “Blogger-Rat” soll dies alles zu Guttenberg zum Guten wenden.

Ich hatte ja viele Sympathien für das Projekt des neuen “freitag” und dessen Versuch, Blogger einzubinden. Davon hat schon so manches den Limbo unter der Türkante geschafft. Die Orgie der Inkompetenz in Sachen Blogs, die Herr Heißler ausgerechnet dort hingelegt hat, wo man völlig anderes erwarten wollte, ist aber “ein neuer Tiefpunkt”, um es mit Delling und Netzer zu sagen.
Da nehme ich auch lieber die “drei Weizen”.

DIW-Zimmermann weiß, wie man die Banken retten und weder Vermögen noch hohe Einkommen belasten muß: Eine Mehrwertsteuererhöhung auf 25% schlägt der Experte für Prekariatsbekämpfung und Wohlhabenswachstum vor.
Das sei mit ihm nicht zu machen, so Finanzminister Peer Steinrbück, eine Erhöhung um sechs Prozent mache die SPD nicht mit.
Es werden also sieben oder acht. Zieht euch warm an!

Sie werden mir ohnehin auf die Schliche aufkommen, daher sehe ich mich genötigt, dem Druck der demokratischen Destasifizierung nachzugeben. Ja, auch ich habe für die allgegenwärtigen Machthaber über das geteilte Gesamtdeutschland gearbeitet.

Meine Karriere begann als gedungerner Unterzeichner des Krefelder Appells. Ich habe Helmut Schmidt gestürzt. Unsere Aufgabe war die Destabilisierung der Bundesrepublik, und so habe ich keine Gelegenheit ausgelassen, meine Regierungen und unser Land in Not zu bringen. Nachdem wir zwei Kanzler gestürtzt und damit die SPD in eine heillose Lage gebracht hatten, strebten wir dasselbe mit dem nächsten Kanzler der nächsten Partei an. Sechzehn Jahre und eine Wiedervereinigung haben wir gebraucht, um auch Helmut Kohl zu stürzen. Erst der Geldkoffer aus alten Stasibeständen brachte uns den Erfolg.

Das Reslutat war eine Regierung aus SPD und Grünen. Die schon völlig marode “Sozialdemokratie” war das beste Mittel im Kampf gegen den Klassenfeind. Unsere Strategie, sie mit dem U-Boot Lafontaine an die Macht zu bringen, um sie dem tödlichen Würgegriff Gerhard Schröders auszuliefern, ging vollends auf, in dessen Sog zog es auch die Grünen, die sich freilich überraschend schnell davon erholten.
Mit der Großen Koalition und durch die Initiierung der Wirtschaftskrise wollten wir unser Werk vollenden. Unsere Agenten setzten den Hebel im amerikanischen Immobilienmarkt an, und alles lief perfekt, bis unser Topagent Kurras enttarnt wurde. Jetzt aber schlägt die Demokratie zurück.

Allen voran die SPD führt einen gnadenlosen und höchst effizienten Kampf gegen uns, dem wir nicht gewachsen sind. Der scharfsinnigste Schützer der Verfassung seit Hans Filbinger, der große Demokrat Dieter Wiefelspütz, weist uns in die Schranken: Die Birthler Behörde soll nun unsere Akten nicht mehr nur ordnen, sondern sie auch lesen und jeden Verdacht sofort zur Anzeige bringen. Jedes historische Ereignis, von der Museumseröffnung bis zur Bürgermeisterwahl, soll auf unser Mitwirken hin überprüft werden.

Als einer der ersten, die erkennen, daß sie erkannt wurden, gestehe ich hiermit öffentlich: Ja, wir waren es. Alles. Immer. Bitte verbietet uns das in Zukunft! Wir unterstützen alle demokratischen Parteien, die Soziale Marktwirtschaft, Internetsperren und alle notwendigen Maßnahmen zur Abschaffung der Unfreiheit durch falsche Freiheiten. Wir lieben und bewundern die demokratischen Parteien und ihren ehrlichen Kampf für das Gute.

Aus Anlaß dieser meiner Läuterung möchte ich heute ein besonderes Lob nicht nur dem Genossen ehrenwerten Herrn Wiefelspütz aussprechen, sondern auch der Genossin lieben gutmütigen Herrin Zypries, die uns ein Musterbesipiel der neuen Freiheit ist. Sie spricht zu uns die Worte:

Sie sollten nicht vergessen, dass ich einsam auf europäischer Ebene sehr darum gekämpft habe, die Eingriffe ins Internet so gering wie möglich zu halten.

Wir wollen sie nach Kräften und in Demut auch weiterhin darin unterstützen, daß die Würde des Menschen nicht mehr als im unbedingt erforderlichen Maße angetastet wird.
Dazu sind wir noch

immer bereit!

Ein paar schöne Zahlen hat tagesschau.de heute parat, betreffend den Bodensatz der Gesellschaft. Demnach sind 40% der Alleinerziehenden auf Hartz-IV angewiesen und davon 95% Frauen. Wer jetzt noch weiß, daß man Kinder vom Regelsatz nicht durchbringen kann, bekommt eine vage Vorstellung davon, welch ein Risiko eine Frau eingeht, die sich schwängern läßt und noch nicht ausgesorgt hat.

Das Leben dieser Frauen und ihrer Kinder interessiert offenbar niemanden so recht. Hier zeigt sich sehr deutlich, was von der Worthülse “Fördern und Fordern” zu halten ist. Denn es werden zwar drei Jahre nach der Geburt eines Kindes wieder Forderungen gestellt, mit der Förderung ist das aber etwas völlig Anderes. Nichts wird gefördert. Es werden Gesetze erlassen, durch die Probleme von einer Gruppe auf eine andere abgewälzt werden. So führte etwa die Garantie eines Kita-Platzes zu Mehrbelastung der Einrichtungen und ihrer Mitarbeiterinnen. In der Folge zur Schließlung von circa 100% der Horte, die wiederum durch Ganztags-”Beschulung” ersetzt wurden, welche allerdings nicht im Geringsten ihrer Bezeichnung würdig ist.

Das Resultat: Eine überforderte Betreuung, die ohnehin nicht ausreicht, Alleinerziehenden eine nennenswerte berufliche Karriere zu ermöglichen. Da deren Kinder nämlich häufig durchgängig eine Betreuung brauchen, werden sie nirgends landen, wo ständige Ausfälle am Arbeitsplatz nicht geduldet werden.
Aber das Problem beginnt schon bei der Ausbildung. Zu meiner Zeit war ein Studium zumindest für Abiturienten eine Möglichkeit, sich ausbilden zu lassen. Es brauchte halt länger, aber es ging. In Zeiten des Bachelor ist auch das Schnee von gestern. Mit Kindern in einen nichtakademischen Beruf wieder einzusteigen, ist angesichts des real existierenden Arbeitsmarktes nicht wirklich aussichtsreich.
Der schöne Slogan vom lebenslangen Lernen entpuppt sich als Sprechblase, es gibt keinerlei Infrastruktur für eine lebensbegleitende Bildung und Ausbildung. Im Grunde ist dieser “Markt” noch immer auf “Ehe und Familie” ausgerichtet.

Am schlimmsten trifft es die Kinder. Sie haben habe im Sinne ihrer geistigen Gesundheit eigentlich nur die Möglichkeit, Berufswünsche wie Feuerwehrmann oder Astronaut anderen zu überlassen und sich selbst für “Hartzer” zu entscheiden – was tatsächlich auch sehr im Trend ist. Hier gehören sie dazu, sind nicht zu arm und schämen sich auch nicht mehr. Dabei wissen sie noch gar nicht, daß ihre Bildungschancen ohnehin so miserabel sind, daß selbst Fleiß kaum hilft.

Eine liberale offene Gesellschaft will selbstverständlich niemandem vorwerfen, wie er zu leben hat. Und wer eben feststellt, daß die Partnerin und die Kinder dem Lebensentwurf nicht entsprechen, zieht weiter. Was da zurückbleibt, ist chronisch unterversorgt, chancenlos und abgehängt. Zu vierzig Prozent!
Auch hier stellt sich die Frage, wo der Protest bleibt gegen diesen Dauerskandal. Auch hier sind es die Frauen, die still leiden und keinen Ausweg sehen.
Vor allem aber zeigt die Gesellschaft einmal mehr ihre häßliche Fratze, die so etwas lächelnd duldet und deren Credo und ceterum censeo lautet: Sparen wir noch mehr im sozialen Bereich!

Der Markt regelt hier gar nichts. Es ist ja nicht seine Aufgabe. Der Staat soll höchstens das Nötigste tun, und ihm werden nicht die Kompetenzen zugesprochen, das ganz große Rad zu drehen, um die soziale Wirklichkeit einmal vom Kopf auf die Füße zu stellen.
Das Problem würde nicht einmal wahrgenommen, gäbe es da nicht diese häßliche demographische Kurve. Aber auch dafür gibt es ja die Lösung: Kürzen wir einfach bei den Renten und der Pflege, dann können wir uns auch das noch leisten – und die nächste Steuersenkung für den Mittelstand.

Als hätte es einer Illustration meines gestrigen Artikels bedurft, hat Dieter Bednarz bei SpOn einen derart dümmlich-jovialen Artikel über den Beruf der Erzieherin ins Netz gestellt, daß einem der Kragen rotiert. Das Geschwafel von Ohrstöpseln und Baldrian, die er braucht, um seine “Goldstücke” länger als ein paar Minuten an der “Wickelfront” zu ertragen, mag ja ein schmerzhafter Versuch sein, witzig zu erscheinen. Es verstärkt aber bedauerlicherweise die Wirkung eines inkompetenten Großkotzes, der seiner Minna ein Almosen zukommen läßt und ihr dafür regelmäßig auf den Arsch haut.

Als ginge es bei den aktuellen Protesten und Streiks der Erzieherinnen um Wickelkommoden! Zwar ist der Aufhänger, für eine bessere Gesundheitsversorgung der Mitarbeiterinnen zu sorgen, ein wichtiger Aspekt, dies aber aus juristischen Gründen, da so die Friedenspflicht umgangen werden kann. Tatsächlich ist beides allerdings auch inhaltlich wichtig: Es geht nicht nur um mehr Geld, sondern auch darum zu zeigen, welchen Belastungen Erzieherinnen ausgesetzt sind.

Genau das interessiert Bednarz aber überhaupt nicht. Er formuliert das so:

“Toll, denke ich dann, Petra und Co. dürfen den Vormittag mit unseren Kindern verbringen, während ich mich ins Büro schleppen muss. Wie gerne würde ich dann tauschen.
Aber sagen darf man ihnen nicht, dass man sie beneidet. Da kann selbst die gelassene Petra ganz wuschig werden. Richtig grimmig hat sie mich angesehen, als ich mal geseufzt habe: ‘Ihr dürft mit unseren Kindern zusammensein, und wir müssen arbeiten gehen.’

Dieser infantile Schwachsinn über wuschige ganz grimmig guckende Petras ist ein Schlag ins Gesicht der Angestellten, die er mit seinem naiven Oberschichtsgelaber zuvor beleidigt hat. Hätte sie ihm das Nasenbein gebrochen und ihn ein Arschloch genannt, ich hätte es verstanden. Aber auch die Selbstbeherrschung angesichts unerträglich dummer und arroganter Klienten gehört zu den Belastungen in dieser Branche.

Die Wirklichkeit des Berufs sieht übrigens auch noch ganz anders aus. Es sind nicht immer die verwöhnten Kinder von FDP-Wählern, mit denen sich das pädagogische Personal herumschlagen muß. Jenseits der Kitas, in der Kinder-und Jugendhilfe zum Beispiel, kommen alle denkbaren und für andere unvorstellbaren menschlichen Abgründe dazu. Auch hier werden Erzieherinnen gnadenlos ausgebeutet. Häufig arbeiten sie auf Stellen für Sozialpädagogen und manchmal sind sie auch noch besser als diese. Mehr Geld gibt es dafür trotzdem nicht. Auch keine gesellschaftliche Anerkennung. Sie bleiben “nur” Erzieherinnen.

Ich denke, wenn man ihnen wirklich sagte, was auf sie zukommt, würden sie sich gar nicht erst für diesen Drecksjob ausbilden lassen. Immerhin ist der Druck inzwischen so groß, daß er sich langsam Bahn bricht. Viele haben schon lange die Nase voll, aber es wie so oft halten sie still: Es ist ihr Job, sie haben oder sehen keine Alternative, und wenn es jahrzehntelang alles schon so war, kann es jetzt ja nicht plötzlich falsch sein. Und immer mal ist eine von ihnen so unvorsichtig zu äußern, daß sie ihren Beruf mag. Das schreiben Leute wie Bednarz natürlich gern mit.

Sie sind nicht allein. Pflegepersonal ist mindestens genauso schlecht dran. Der ganze “soziale Bereich” und “Gesundheitsbereich” lebt von der Ausbeutung seiner Mitarbeiter, vor allem der nicht studierten und vor allem der weiblichen. Und was fällt den Krawattenträgern in den Parlamenten, Instituten und Vorständen ein? Richtig: Den Gürtel enger schnallen und im sozialen Bereich sparen. Der Idealismus der dort beschäftigten Sklaven wird das schon tragen.
Leute wie Bednarz sehen das so: Ihr dürft etwas sinnvolles tun und werdet mies bezahlt, ich muß etwas Überflüssiges tun und bekomme ein sattes Gehalt. Was fühle ich mich schlecht, was seid ihr zu beneiden!
Müssen Menschen, die ein solches Karma ihr eigen nennen dürfen, auch noch gut bezahlt werden?

Natürlich ist es wurscht, ob jemand ein Schwänzchen in der Hose hat oder nicht. Ich will sie alle auf der Straße sehen, Männer und Frauen, je mehr und je länger desto besser. Die Altenheime, Krankenhäuser, Kitas und Sozialeinrichtungen sollen so lange dicht machen, bis sich wirklich etwas ändert in dieser Republik. Dazu brauchen wir allerdings vor allem mutige Frauen, die sich nicht auch noch für die letzte Konsequenz der untragbaren Zustände verantwortlich machen lassen.
Laßt euch nicht suggerieren, die Leidtragenden solcher Streiks seien eure “Opfer”. Sie sind wie ihr einfach Kostenfaktoren, die klein gehalten oder eliminiert werden müssen.

Wenn sich in diesen Tagen viele die Frage stellen, warum nicht bloß innere Unruhen ausbleiben, sondern die Ruhe an Grabesstille grenzt, kommt eine entscheidende andere Frage gar nicht auf: Warum diejenigen so stoisch stillhalten, die von den Verhältnissen am schlimmsten betroffen sind. Dabei spreche ich nicht von einer unterdrückten Minderheit, die ohnehin kein Gehör fände, sondern von der absoluten Mehrheit der Bürger. Die Rede ist von den Frauen.

Was ist los mit dem Feminismus? Gibt es ihn überhaupt? Hat er irgendeine sinnvolle Funktion?
“Feminismus”, das ist hierzulande eine Zeitschrift namens “Emma”, die schon Frauen nicht lesen, und das ist Alice Schwarzer, die als Ikone der Frauen-Repräsentation auf ganzer Linie versagt hat. Wenn der Deutsche “Feminismus” hört, und das gilt auch für die Deutsche, dann schalten sie ab. Feminismus ist entweder völlig übertrieben oder irrelevant. Heute diskutiert nicht mal mehr jemand über die “Quote”. Frauen haben doch dieselben Rechte wie Männer, und eine von ihnen ist gar Bundeskanzlerin.

In der Ära des Neoliberalismus sind Frauen das Ende der ökonomischen Nahrungskette. Sie haben die niedriger dotierten Jobs, werden für dieselben noch niedriger bezahlt als ihre männlichen Kollegen und sind als Mütter die Leidtragenden einer gnadenlos kinderfeindlichen Gesellschaft. Sie sind damit ganz nebenbei ein leuchtendes Beispiel für die papierne “Chancengleichheit”. Sie könnten doch auch anders, sie wollen es scheinbar nicht besser. Die echte Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft wäre nur durch etwas zu bewerkstelligen, was die verbreitete Ideologie als “Ergebnisgerechtigleit” diffarmiert. Diese ist ja leistungsfeindlich und fällt unter “Gleichmacherei”, wie sie die linken Populisten predigen.

Was es so an organisiertem “Protest” gegen diese untragbaren Zustände gibt, klopft mir den Taft aus den Haaren. Nicht, daß es keinen gäbe. Nein, es ist viel schlimmer.
Da ist nämlich der “Equal Pay Day“, ein Trojanisches Pferd erster Güte. Eigentlich eine gute Idee, weil er verdeutlicht, daß Frauen einige Monate im Jahr mehr arbeiten müssen als ihre “gleichgestelltern” Kollegen, gerät er er zur Farce, weil die übelsten Böcke hier Gärtner spielen.
Mit dem Arbeitgeberverband BDA und Familienministerin von der Leyen sind u.a. herausragende ideologische Kräfte dabei, denen alles am Herzen liegen mag, aber nicht die Veränderung der gegebenen Strukturen.

In diesem Zusammenhang drängt sich das Thema “Mindestlohn” auf. Nicht nur die Genannten wehren sich verhement dagegen. Man fragt sich, wie es möglich ist, daß nicht die Frauen aller Parteien, Verbände und Regionen einen Aufstand machen, um für Mindestlöhne zu kämpfen. Wer, wenn nicht sie leidet unter Dumpinglöhnen und katastrophalen Arbeitsbedingungen? Wer, wenn nicht die Frauen, sind die Armen in dieser Gesellschaft, weil sie sich Kinder leisten? Mädels, was zur Hölle ist los mit euch?

Was mir auch nicht zum ersten Mal auffällt, ist die völlig ungenügende Repräsentation von Frauen in der Blogsphäre. Kaum ein Blog hat eine Autorin, und der Blick in meine Statistiken ist deprimierend: Ihr erkennbarer Anteil an der Leserschaft liegt tief im einstelligen Pozentbereich.
Woran liegt das alles? Sind sie alle so zufrieden mit der Welt, in der sie leben? Sind sie völlig resigniert? Oder sind sie zu dämlich, den Zusammenhang zwischen Macht und Wirklichkeit herzustellen?

Ich muß derzeit eine Blümchentapete von der Wand kratzen, die in der untersten Schicht der Pappe an meiner Badwand ans Tageslicht kam. Daher heute nur ein Link zum Kollegen Jens Berger, der mit einer Realsatire unter dem Label “Jugendschutz” aufwartet. Dieses Blog ist demnach übrigens jugendgefährdend.
Na endlich bemerkt das mal jemand, womöglich gehen die Kids sonst mit 18 schon wählen und wissen, was sie tun. Dagegen sind Bombenbauanleitungen doch regulär harmlos!

98% der Deutschen sind für eine Sperrung des hiesigen Schmuddelblogs. Auf die Frage: “Soll das Schmuddelblog ‘Feynsinn’ gesperrt werden, weil es gegen die Menschenwürde verstößt und Kinderpornographie im Internet nicht verhindern will?” antworteten 98% der Befragten mit “Ja”.
Befragt wurden repräsentativ ausgewählte Doggen, Schäferhunde, Drahthaar, Langhaar und Boxer. Alle Halter verfügten über einen Sachkunde- und Ariernachweis.

Allerdings waren 99% der Deutschen der Meinung, das herausragende liberale Blog “Feynsinn” solle eine wichtigere Rolle in den Nachrichten der 20 Uhr-Tagesschau spielen.
Auf die Frage: “Soll das herausragende und verdiente liberale Blog “Feynsinn”, dessen politische Analysen Weltrang genießen, eine wichtigere Rolle in den Nachrichten der 20 Uhr-Tagesschau spielen?” antworteten 99% der Befragten mit “Aber hallo!”.
Befragt wurden repräsentativ ausgewählte Tagesschauzuschauer, die über repräsentative Kenntnisse der Blogsphäre und ihrer Kategorisierungen verfügen – allerdings ohne Sachkundenachweis.

Zugegeben, das ist zu blöd. Eigentlich satt zu peinlich für einen Beitrag an dieser Stelle. Andererseits bewegt es sich damit exakt auf dem Niveau der “Demoskopie” und der Rechtfertigungen für deren Versagen.

Tja, liebe Gartenfreunde, es wird gegüllnert, was das Zeug hält im Wahljahr. Und alle alle kamen sie, um die Seriosität selbst, die Zahl und ihre Erhebung, ins Blatt zu hieven, auf daß sie Nachricht werde.
Manchmal denke ich, ich bin komplett auf dem Holzweg mit meinen biersauren Artikeln hier, die suggerieren, es gäbe eine politische Realität. Dabei machen die alle nur Spaß. Wirtschaftskrise? Hey, ein Gag! Arbeitslose? Ein Wii-hitz! Wahlen? Muuhaha!

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