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April 2009


Er bleibt, der Kampf geht weiter, und das ackerdämliche Viertel ist auch wieder da: 25 % Eigenkapitalrendite verspricht Victory-Ikone Joe Ackermann von der Deutschen Bank. Was dahinter steckt und was der Journaille dazu alles nicht einfällt, stellen Don Alphonso und Kommentatoren fest.

Diese magischen fünfundzwanzig Prozent, was wollen sie uns nur sagen? Ist dies die Grenze, die selbst ein unverschämter Zocker nicht übertreten darf, damit ihm die gierigsten Anleger noch glauben? Es ist ja nur ein Viertel, so wie ein Viertelstündchen oder ein Viertel Weinchen. Andererseits sind die fünfundzwanzig ein fetter Profit, ein ganz dickes Ding, ein Riesenschwanz, der Fünfundzwanziger!

Zu Zeiten, da ich den Banken noch solche Gewinne zugetraut habe, amüsierte ich mich schon über einen Medienkonzern, der eine Gewinnmarge in dieser Höhe versprach. Ich nannte das seinerzeit eine “Aufforderung zur Bilanzfälschung”, die dem Joe übrigens schon heute nicht ganz zu Unrecht unterstellt wird. Allerdings mußte ich kurz darauf widerrufen und mit dem “NAIV”-Schild um den Block wanken. Die Gewinnsteigerung blieb zwar ganz selbstverständlich aus, Dividende gab’s aber dennoch üppig, und es wurde deutlich: Das Geschwätz war von vornherein nicht ernst gemeint. Es sollten halt Deppen ermutigt werden, ihre Kohlen in eine brennende Lok zu werfen, in dem Glauben, es ginge dann schneller vorwärts.

Der Joe wird schon einen Kniff finden, wie er jedes Jahr blendende Bilanzen vorlegt. Das mit der Eigenkapitalrendite von 25% kriegt er auch hin, er sitzt nämlich immer am längeren Hebel, da ist die Rendite entsprechend größer und das Eigenkapital schön knapp. Wenn’s dann schief geht, kommt der Peer mit dem Koffer. Das haben wir ja jetzt gelernt. Und im Grunde, so hat es uns Joes Freund Hilmar ganz wunderbar ins Sparbuch geschrieben, reden wir doch von Peanuts.

sotp

Wer glaubt, es gehe bei der wahnwitzigen Stoppschild-Aktion der Bundesregierung um “Zensur”, hat nicht ganz begriffen, was da wirklich läuft. Es läuft nämlich darauf hinaus, dem BKA zu gestatten, fröhlich Nutzerdaten abzugreifen, um so am laufenden Band “Verdächtige” zu produzieren.

Wie irrsinnig das Vorhaben ist, muß man sich einmal deutlich machen: Da sollen die IPs von Nutzern registriert werden, die versuchen, eine Seite aufzurufen, von der sie dank des Stoppschildes gar nicht wissen, was sie beinhaltet. Werden diese Sperren umgangen, ist es zwar unwahrscheinlicher, “erwischt” zu werden, es wird aber unterstellt, daß wer so etwas tue, ja ganz sicher höchst verdächtig sei. Geht man also etwa davon aus, daß eine gesperrte Seite versehentlich gesperrt wurde (das dürften teschnisch bedingt die meisten sein) und will sich dessen vergewissern, macht man sich strafbar.

Das ist eben keine Zensur, denn die funktioniert ja gar nicht. Es ist viemehr ein gigantisches Droh-und Erpressungspotential des BKA gegen die Bürger. Es kann jeden treffen, und der Verdacht allein wirkt wie ein Fallbeil: Das ist ein Pädophiler!
Ganz selbstverständlich geschieht dies alles im Dunkeln, kein Richter muß die Speicherung privater IPs genehmigen, kein Nutzer wird davon informiert. Die Stasi hätte sich die Finger geleckt nach solchen Möglichkeiten. Daß die Technik, einmal installiert, ganz sicher auch in bezug auf andere Delikte genutzt werden wird, sei bei dieser Gelegenheit noch einmal am Rande bemerkt.

Die zu erwartenden Zuwiderhandlungen vieler Internetnutzer und die riesige Zahl von Nutzern, die unfreiwillig solche Seiten aufrufen, werden überdies vor allem einen Effekt haben: Der Verdacht, Kinderpornographie zu konsumieren, trifft zukünftig nicht mehr erstrangig diejenigen, die sich diesen Dreck mit Vergnügen reinziehen. Diese werden gut geschützt in einem Heer unschuldig Verdächtiger verschwinden und nur mit noch mehr Aufwand zu überführen sein als ohne diese Schwachsinnsmaßnahme.

So weit, so schlecht. Wie immer wird aber auch dieser Stuß vor dem BVerfG scheitern. Diese Instanz ist längst der Gradmesser für die Restdemokratie in der großkoalitionären Bananenrepublik. Sollte sie eine Kehrtwende in ihrer Rechtsprechung vollziehen oder durch Schäuble und Co. entmachtet werden, ist es an der Zeit, die Koffer zu packen.

Hatte ich sie neulich noch gelobt, wartet Susanne Gaschke nun mit einem Leitartikel in der Zeit auf, den man ihr nur um die Ohren hauen kann. Es ist traurig: Wenn deutsche Journalisten über das Internet schreiben, haben sie meist Schaum vor dem Mund und schalten ihren Verstand vollständig ab.
Schon in der Einleitung macht Frau Gaschke deutlich, was “Pirate Bay” für sie ist: Die

weltgrößte Anleitungsbörse für Film- und Musikdiebstahl im Internet“.

Das ist inhaltlich zunächst unzutreffend, was aber nicht so sehr ins Gewicht fällt. Gaschke ist der Meinung, daß hier organisiert geklaut wird. So kann man das sehen, es sollte sich dann aber freilich eine Begründung für diese Sichtweise einstellen. Darauf warten wir vergeblich.

Nun ist es mit dem Diebstahl so: Die einen meinen, alles gehöre irgendwem, und wenn man es ihm wegnimmt, sei das Diebstahl. Auch das kann man so sehen, muß man aber nicht. Vor allem wird die Sache deutlich komplizierter, wenn ein Gut nicht den Besitzer wechselt, sondern vervielfältigt wird. Wer würde von “Diebstahl” sprechen, wenn der Apfel nach dem pflücken noch am Baum hinge? Es ist schlicht Unfug, hier von “Diebstahl” zu sprechen. Es wird auch niemand wegen Diebstahls angezeigt oder verurteilt, selbst bei nachgewiesenen Urheberrechtsverletzungen. Aber es klingt so klar und einfach: “Diebstahl”. Genau deshalb führen auch diejenigen den Begriff im Munde, die nicht die Absicht haben zu diskutieren.

Wer seinen Gewinn geschmälert sieht, mag sich dazu berufen fühlen, so zu reden, für Journalisten hingegen ist diese Schreibweise nur peinlich. Worum geht es wirklich?
Es fallen ja nicht die Hunnen ins Dorf ein und rauben und plündern. Es werden Daten kopiert, deren Urheber einen Anspruch darauf erheben, daß sie für solche Verfielfältigung kassieren dürfen. Die Frage ist nun: Haben Sie ein Recht darauf, bekommen sie es, und warum?

Sie bekommen kein Recht bei denen, die sich einfach einen runterladen und nicht zahlen. Die das tun, sind Millionen. Sind sie alle Diebe? Dann ist Diebstahl wohl etwas, das nicht mehr als Unrecht gilt. Man sollte dem Rechnung tragen.
Sind sie gar im Recht? Haben die Rechteinhaber, die übrigens selten die “Urheber” sind, womöglich kein Recht auf ihre Tantiemen? Werden vielmehr sie als Diebe betrachtet, denen man nicht auch noch obendrein gibt?
Auch so kann man das sehen, und offenbar sehen allzuviele das so. Wenn man das Problem also lösen will, hilft es nicht, die Ketzter zu verbrennen, denn die Sünde wird fortbestehen.

Ausgerechnet Joanne Rowling zum Opfer der Diebe zu stilisieren, ist ein gelungener Witz. Sie hat Milliarden mit ihren Produkten gemacht. Muß man sie wirklich schützen vor Leuten, die sich die Werke ihres Konzerns nicht leisten können oder wollen? Ist das Kopieren der Daten, von denen sie so unvorstellbar profitiert hat, wirklich ein größeres Unrecht als “Eigentum” in solchen Dimensionen?
Eine derartige Auffassung von Recht und der ihr zugrundeliegenden Moral ist nicht zu vermitteln. Hier wird niemand geschädigt, und deshalb sind die Menschen auch völlig schamlos bei der Verletzung der Rechte dieser Inhaber.
Dasselbe gilt für die großen Hollywood-Produktionen. Wer wissen will, wie diese finanziert wurden und wer davon profitiert, geht den Leuten nicht mehr mit dem Argument auf den Wecker, hier würden arme Künstler um ihr Brot gebracht. Das ist lächerlich.

Nicht zuletzt durch die Ignoranz auf Seiten der Rechteinhaber und ihrer Verteidiger fühlen sich diejenigen bestätigt, die sich einfach bedienen. Es wird niemand ein schlechtes Gewissen haben, der hier und da sein Geld für Medien ausgibt und sich noch ein bißchen zusätzlich saugt, was er nicht mehr bezahlen kann. Der Schaden dürfte in etwa bei Null liegen.
Und weil das eben so ist, können sich sogar diejenigen hinter der großen Masse der Hobbysauger verstecken, die im ganz großen Stil produzieren und selbst noch Geld daran verdienen. Diese sind aber der extreme Ausnahmefall, und sie haben mit keiner Gnade zu rechnen. Nicht vor Gericht, und nicht einmal beim Gelegeneheits-Downloader von nebenan.

Die Pauke, auf die Frau Gaschke haut, ist schließlich so groß, daß ihr Lärm unerträglich wird. Die Opfer der Diebe, die sie am Boden liegen sieht, sind nicht weniger als Kunst, Literatur, Wissenschaft und Journalismus:

Die Ideologen eines »befreiten Wissens« mögen der Meinung sein, die elitäre »etablierte« Kunst könne so leicht durch das unlektorierte Mitteilungsbedürfnis der Nutzermassen ersetzt werden wie der professionelle Journalismus durch Jedermann-Reporter; YouTube-Filmchen seien ohnehin kurzweiliger als großes Kino [...].
Die Freiheit von Literatur, Kunst und Wissenschaft ist ein hohes Verfassungsgut. Zu dieser Freiheit gehört das Recht des Urhebers, nicht im Internet enteignet zu werden.

Freiheit ist das Eigentum der Eigentümer, da haben wir’s mal wieder. Wer enteignet denn die Urheber? Das sind doch in aller Regel die Verlage, Filmgesellschaften und Großkonzerne. Wer regelt denn den Zugang zum Markt? Wie viele Schriftsteller werden nicht veröffentlicht, weil sie keine prominenten Eltern haben oder Modelmaße? Wie viele hervorragende Wissenschaftler werden ausgebeutet, von ihren Professoren oder den Konzernen, für die sie forschen? Wie viele Musiker haben ihre Plattenfirma und Manager reich gemacht und sind dabei selbst arm geblieben? Angesichts der Profite, die mit den Werken gemacht werden, kann man die Entlohnung der Urheber oft bestenfalls als Entschädigung betrachten. Und Frau Gaschke macht sich Sorgen um Enteignung im Internet.

Man kann die Sache ganz trocken juristisch betrachten. Da ist Recht, was aufgeschrieben und gesprochen wurde. Kommentare dazu fallen recht nüchtern aus und machen nicht viel her in der Presse.
Man kann aber auch darüber räsonieren, was recht sein sollte und was gerecht wäre. Die Diskussion über das sogenannte “Urheberrecht” weist dabei mitten hinein in die Verwerfungen einer Eigentumsgesellschaft, in der Gerechtigkeit nur mehr eine Floskel ist. Daß der Richter, der das Urteil im Pirate-Bay Fall gesprochen hat, selbst organisierter Urheberrechtschützer ist, setzt dem das Sahnehäubchen auf. Davon wußte Frau Gaschke freilich nichts, und das ist das andere Problem:

Qualität hat sich noch meist bezahlt gemacht, ganz egal, ob einige Schmarotzer daran ihren Anteil haben oder nicht. Was aber nicht geht, das ist Kassieren, weil man schon immer an der Kasse saß und glauben, man hätte für jeden Mist einen Anspruch auf das Geld der Leute. Ob ich mir die Druckausgabe der “ZEIT” noch einmal kaufe, werde ich mir angesichts dieses kuhjournalistischen Auftritts jedenfalls gut überlegen.

Wie soll ich mir das vorstellen? Nach einem wochenlangen politischen Generalstreik greifen wütende Bürger die Institutionen an? In Deutschland? Wieso überhaupt in Deutschland?
Zwei prägnante Sätze dazu lese ich in der TAZ. Der eine ist von Klaus Dörre, der richtig feststellt:

Aber auch die Unruhen im Mai 1968 sind von Paris nach Deutschland herübergeschwappt.

Welch ein Unsinn, in der aktuellen Situation bei “Unruhen” in nationalen Grenzen zu denken! Für die Entwicklung hierzulande muß man mindestens ganz Europa im Auge haben. Sollte es so etwas wie eine relevante Masse Unzufriedener geben, die einen Zusammenhang herstellen zwischen ihrer Lage und dem politischen Ganzen, wird sie nicht national begrenzt sein. Man darf wohl davon ausgehen, daß in Deutschland nicht der Anfang gemacht werden wird. Im Westen wabert noch immer ein bewußtloser Konsens, daß es schon irgendwie gut gehen wird, im Osten wissen sie, was es bringt, das System zu stürzen. Der Frust ist auf Depression gepolt.

Der andere Satz kommt von Hans Olaf Henkel, einem der Chefideologen des Neoliberalismus:

Es gibt kein Land vergleichbarer Größenordnung, in dem das soziale Netz so engmaschig gespannt ist.

Er fürchtet nur, daß es böse Hetzer gibt, die die Atmosphäre aufladen könnten. Daß sie längst ihr Werk vollbracht haben, sieht er nicht. Wo diese Leute zu suchen sind, ahnt er nicht. Vor dem Spiegel fällt es ihm jedenfalls ganz sicher nicht auf.
Daß das “soziale Netz” nicht zu einem als menschenwürdig empfundenen Dasein führt, entzieht sich dem Universum, in dem er lebt. Daß es vor allem nicht nur ums Brot geht, von dem allein er selbst nicht würde leben wollen, kann er gar nicht begreifen.

Die Wut, die mehr als nur ein paar Radikale oder gut Informierte packt, ist eine andere. Es ist die Wut auf den großen Wortbruch der selbsternannten “Demokraten”. Die Selbstgerechtigkeit der Eliten, die beinahe alle Instanzen vergiftet hat, ist unerträglich. Menschen, die bespitzelt und ausgebeutet werden, die für ein paar Cent von einem Gericht ihren Arbeitsplatz gestohlen bekommen, andere, die sich schamlos bereichern und dafür belohnt werden. Schon wie in Vorbereitung des Schlimmsten werden mit fadenscheinigen Begründungen Rechte beschnitten und der Generalverdacht installiert.

Der größte Feind der Demokratie, Lobbyismus, überwuchert die zivilisierte Welt und tritt mit grenzenlosem Herrenmenschen-Zynismus auf. Von staatstragenden Medien bejubelt, scheint das Unrecht die Oberhand zu gewinnen, und die Menschen wissen nicht, an wen oder was sich sie sich wenden sollen mit ihrem berechtigten Unmut. Die meisten wissen ja nicht einmal, was sich hinter den Kulissen abspielt.

Ein weiterer Fall skandalösen Unrechts firmiert noch als Kampf gegen die Bösen aus dem Internet, die als Banditen dargestellt werden, welche Porno, Diebstahl und Verwerflichkeit verkörpern. Daß sie von einem Richter zu Gefängnisstrafen und finanziellem Ruin verurteilt wurden, der selbst heimlicher Kläger war, sollte eigentlich niemand wissen. Einzig die Arroganz dieses Eliterichters sorgt nun dafür, daß das Bild wieder schief hängt. Man darf sich allerdings darauf verlassen, daß das Auffliegen dieses Halbgottes nicht zu mehr Gerechtigkeit führt. Im Gegenteil wird man feststellen dürfen, daß die Moral der “Anständigen” einmal mehr die neue Klassengesellschaft kitten wird. Das “Volk” wird sich nicht betroffen fühlen. Es trifft ja nur die “Piraten”, die aus dem Internet sogar. Man gehört ja nicht dazu.

Die “Wirtschaftkrise” ist eine Krise der Demokratie, die vollends vergessen hat, daß die Rechte und das Wohl aller ihr Fundament sein müssen. Ein “Individualismus”, der “Freiheit” sagt und Ungerechtigkeit zementiert, ist antidemokratisch. Diese schlichte Weisheit ist noch lange nicht angekommen im Bewußtsein der “Völker”. Die Eliten setzen sich darüber hinweg, weil sie keine Idee davon haben. Das Resultat ist in allen Varianten brandgefährlich.
Einige flüchten sich in Verschwörungstheorien, andere in einfache Lösungen. Bedient wird beides vom Establishment und tumben Extremisten zur Genüge. Letztere werden die sein, die zündeln, und es werden vor allem Rechtsradikale sein.

Die Etablierten werden sich mehr und mehr in eine Paranoia steigern. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Obama mag ein temporärer Glücksfall sein, Bush, Berlusconi und andere gewählte Diktatoren werden unter diesen Umständen mittelfristig die Szene bestimmen. Wer hält dagegen? Die Stimme der Vernunft ist schwach und leise, wo die Arroganz der Macht und das Geschrei der Besserwisser die Bühne erobert haben.
Die Zeit ist günstig für Diktaturen. Soziale Unruhen werden daran nichts ändern.

Ein “Psychoanalytiker Schmidbauer” hat herausgefunden, daß Terroristen Terroristen sind, weil sie neidisch auf andere sind. Sie haben eine Persönlichkeitsstörung, eine Frühstörung, angespannte Mütter und keine Frau, die sie dazu bringen, normal zu funktionieren. Daher schlägt der Psychoanalytiker Schmidbauer vor, zur Vermeidung von Terrorismus Erlebnispädagogik zu fördern.
Daß der Terror nichts mit Ideologie oder Einstellung zu tun hat, belegt er mit Horst Mahler. Der war ja erst links und dann rechts.
Terror ist also eine Persönlichkeitsstörung, die Morbus Schmidbauer quasi. Sie ist bei allen gleich: Separatisten von der ETA oder IRA, Linksextreme von RAF, Action Directe oder Brigade Rosse, Rechtsextreme Unabomber, Arabisch-Islamistische wie Al Qaida, Hamas oder Hisbolla, sie sind alle gleich gestört. So weit Terrorexperte Psychoanalytiker Schmidbauer.
Wir haben nachgehakt und unseren devianten Pathognostiker flatter befragt, um dies näher zu erläutern.

Feynsinn: Guten Tag, Herr flatter.

flatter: Glotzen Sie nicht so notgeil, sie Lüstling!

Feynsinn: Sie haben die Thesen von Psychoanalytiker Schmidbauer überprüft und sind zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Wie das?

flatter: Glasklar. Das sind Weicheier. Perverse abartige Weicheier.

Feynsinn: Können Sie das genauer erläutern?

flatter: Da können Sie jeden einzelnen nehmen. Fangen wir mal mit Baader an. Der hatte eine Dauerlatte, die er nicht mehr kontrollieren konnte. Anfangs hat er Speed gefressen, weil er das geil fand, nachher war er dauernd geil, weil er Speed fraß. Wobei er noch der Gesündeste war.

Feynsinn: Sie kennen also schlimmere Fälle?

flatter: Blöde Frage, sonst hätten Sie mich ja nicht eingeladen. Bleiben wir mal bei der Clique. Mahler zum Beispiel, die Sau. Der hatte ständig eine Knarre unterm Sack. Das wußte sogar der Aust. Glauben Sie, in Stammheim hätte das keiner gewußt? Die hatten bloß keine Lust, dem Bock am Gemächt rumzufummeln. Ist ja widerlich.

Feynsinn: Aber sie werden doch religiös motivierten Attentätern nicht unterstellen, sie seien aus sexuellen Gründen Terroristen?

flatter: Nicht? Na hören Sie mal, Sie Simpel, haben Sie sich mal angeguckt, wie die rumrennen? Federboa um den Kopf, Frauenkleider und so weiter? Und warum träumen die wohl von Jungfrauen, hä? Sie und ich, wir wissen, wie lange ein Mädchen heute noch Jungfrau ist. Das sind Pädophile. Ach was, die gehen auf alles. Und wenn die letzte verschnarchte Kröte schon bei drei auf dem Baum ist, rubbeln die sich einen am Stamm.

Feynsinn: Aha, so. Und was emfehlen Sie gegen Terrorismus? Auch Erlebnispädagogik?

flatter: Aber Hallo, die sollen was erleben. Diese ganzen Tunten und Gummizofen, diese Fetischisten und Kinderschänder, die brauchen ein Erlebniscamp. Mit Wasserspielplatz, sehr eigenem Stromanschluß und pädagogischen Förderhunden.

Feynsinn: Gibt es sonst noch etwas, was man tun kann, um die Karrieren von Terroristen im Keim zu ersticken?

flatter: Logo. Verbieten. Vor allem dieses Internet, wo die Perversen sich mit allem Möglichen eindecken. Turban von Ebay, Elektronik von Conrad, Sprengstoff aus der Online-Drogerie. Und zum Warmwerden erstmal was Perverses aus der Schmuddelecke. Ich hatte mal einen in Behandlung, der hatte Bilder von der von der Leyen im Spind. So eine Drecksau!

Feynsinn: Ähm, wie meinen?

flatter: Der Kerl natürlich auch. Mir wird schlecht. So, jetzt habe ich noch eine Frage an Sie.

Feynsinn: Ja bitte?

flatter: Wann kriege ich nun die Kohle für den Job hier?

Feynsinn: Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Die „giftigen Papiere“ werden die Steuerzahler nicht belasten” läßt er heute via FAZ das Wahlvolk wissen, und alle atmen auf. Ganz Gallien? Nein. Ein kleiner unbeugsamer von Heusinger macht den ganzen schönen Optimismus kaputt und nörgelt, der Krisenverweser im Bundesfinanzamt wähle die schlechtere Lösung. Als täte der Retter der deutschen Finanzwelt seinen Job nicht quasi ehrenamtlich, sondern gar mit Absichten, versteigt sich Heusinger zu der Frage:

Gibt er die Bundestagswahl verloren und sucht nach einem lukrativen Job in der Finanzbranche?

Pfui, pfui und dreimal pfui! Hat es so etwas schon gegeben? Daß ein Bundesminister in die Branche wechselt, für die er zuvor zuständig war?
Erstaunlicherweise liest man sehr wenig über diese Karrieren in den täglichen und wöchentlichen Kiosk-Chroniken. Ich mußte laut lachen, als ich bei Springers heute las:

Sollten sich in Taposiris Magna tatsächlich Beweise für Antonius und Kleopatra finden, wären die Alternativen zwei und drei fatal. Denn sie würden zum einen zeigen, wie sehr ein römischer Kaiser seine Geschichtsschreiber korrumpieren konnte, und zum anderen, dass diese keineswegs dem Ruf gerecht werden, in dem sie stehen.

Na sowas, korrumpierte Chronisten, die ihrem Ruf nicht gerecht werden? Gab es in der Antike womöglich schon Qualitätsjournalismus?

Die “Mitte”, na klar! So läßt die FDP auf ihrer Homepage heute einen “Westerwelle” feststellen, dies übrigens strikt in indirekter Rede – man könnte meinen, die Partei versichere sich vorab, daß sie im Zweifelsfall mit sich selbst nichts zu tun haben muß.
Was das für eine Mitte ist, erklärt weißgarnix bei der FAZ: Die oberen 1,6% der Einkommensbezieher. Lassen wir das getrost noch ein paar mehr sein, aber reicht das, um in den Bundestag zu kommen, oder auch nur im Fernsehn?

Die Steuer- und Staatsquotensenker, die in gefühlten 200 Jahren Regierungsbeteiligung stets Steuern und Abgaben erhöht haben und es den Kommunisten von Rotgrün überlassen mußten, den großen Binnenmarktkiller und Steuersenker zu geben, sind immer noch da. Und wie! Sie gröhlen mit im großen Chor der Befangenen und schreiben dem Wahlvolk vor, von wem sie sich gefälligst regieren lassen sollen: Von ihnen. Achja, die sozialdemokratische CDU darf dann auch mitmachen. Aber keine Grünen, keine SPD und schon gar nicht beide zusammen.

Mit den rororoten Kommunisten und Kinderschändern der “Linken” darf überhaupt keiner, und die Zankzauseln der Groko zerlegen sich derweil derart, daß sie noch vor der Wahl dazu übergehen werden, getrennte Fahrspuren zur Hölle zu benutzen. Es ist eigentlich ganz einfach: Es wird nach der Wahl keine Koalition geben, wenn es keine Mehrheit für Schwarzgelb gibt. Letzteres prognostiziere ich mit großer Überzeugung und bin bereit, damit jede Wette gegen Güllner zu halten.

Was wird uns bleiben? Ganz einfach: Ein aalglatter und allseits abgenickter “Wortbruch”, über den sich niemand aufregen wird – es sei denn, der Bus mit dem versammelten SPD-Präsidium brennt ab und es kommt zum Unmöglichen.
Wie es auch ausgehen mag, ich poliere schon einmal den Andrea-Ypsilanti-Orden ohne Band und mit extra langer Nadel, um ihn der nächsten Kanzlerin auf unappetitlichste Weise anzuheften. Und Ullalala kriegt eine goldene Oscar-Tonne für ihr immer noch unvollendetes Lebenswerk: Mögen die Krankenkassenbeiträge dann die Rentenversicherung überragen und der Spitzensteuersatz unterhalb der Mehrwertsteuer liegen. Die “Mitte” wird’s goutieren.

Arno Widmann hat für die FR ein Interview mit Wilhelm von Sternburg geführt, von dessen Ausführungen ich sehr beeindruckt bin. Ich habe den Namen zwar schon gehört oder gelesen, hätte ihn aber nicht einsortieren können.
Von Sternburg spricht mir teils aus der Seele, eine Kostprobe:

“Inzwischen bilden Wirtschaft, Medien, Politik und Gewerkschaft eine Einheit. Es gibt Konflikte zwischen ihnen, aber keinen grundsätzlichen Dissens mehr darüber, wie unsere Gesellschaft auszusehen hat. Das ist jetzt wieder in besonderem Maße in der Wirtschaftskrise deutlich geworden. Es ist niemand da, der eine Alternative hat. Jedenfalls keine gewichtige gesellschaftliche Kraft, die sagen könnte: Seht ihr, es ist so gekommen, wie wir gesagt hatten, dass es kommen musste
.”

Insbesondere ein Leitmotiv von Sternburgs ist es immer wieder wert erwähnt zu werden: Die Notwendigkeit eines Geschichtsbewußstseins, um die Gegenwart zu verstehen und überhaupt sinnvoll politisch zu denken. Darin liegt nicht zuletzt das Drama des Neoliberalismus, daß er eben geschichtlos “denkt”, was hier bereits erwähnt wurde.
Eine recht denkwürdige Rolle, nämlich gar keine, spielt solches Geschichtsbewußtsein auch quasi folgerichtig in den gestanzten aktuellen Debatten um “Bildung”. Hier wird regelmäßig alles Mögliche gefordert, was deutsche Schüler und Studenten so können sollten, eine Einordnung ihrer Welt in einen gewachsenen Zusammenhang ist nicht dabei. Was aber wäre Bildung ohne die Fähigkeit dazu? “Erziehung zur Mündigkeit” steht nicht auf dem Programm, und “Geschichte”, das ist Hitler seine Omma ihre Küche, vorgekaut von Guido Knopp.

Der Hang zum Totalen, sei er nun ein deutscher oder nicht, resultiert auch aus dem fehlenden Bewußtsein dafür, daß die Ordnung und die Dinge geworden sind, daß sie so oder eingeordnet werden und morgen schon “in den Irrtum taumeln” kann, was heute als wahr gilt oder “einfach nur da” ist.
Von Sternburg:

Sechzig Jahre mehr oder weniger Frieden – da entstehen neue Eliten, neue Machtklüngel. Das ist nun mal so. Heißt das etwa, dass wir es auch noch benicken sollen? Nein, wir sollen anschreiben dagegen. Sie sollen anschreiben dagegen.

Dagegen und gegen alle anderen Selbstverständlichkeiten, die sich so leicht von den Agenturen abschreiben lassen. Kritischer Geist, Aufklärung, Geschichtsbewußtsein, das wäre etwas, das man gern von der ehemals “fünften Gewalt” erwarten würde. Inzwischen sagt uns die große Suchmaschine, daß sie abgelöst wurde: Vom Lobbyismus.

Die Sueddeutsche hat Neues vom Spocht:

Von sich selbst umzingelt: Die Münchner werden bedrängt von Profis wie Misimovic, Trochowski oder Jansen, die sie selbst ausgebildet oder besessen haben.”

Manchmal ist das Banale recht tiefsinnig. Im zitierten Satz, der vom ihm folgenden Artikel nur illustriert wird, steckt die ganze Welt von Eigentum, Besitz und Erfolg, die Essenz des Größenwahns der zeitgenössichen Ideolgie. Wer etwas werden will, glaubt an sich. Wer an sich glaubt, glaubt an den Erfolg. Erfolg ist, was man ist und was man ist, ist was man hat. Wer an sich glaubt, dem ist der Himmel zu nah, seine Ziele gehen weiter. Die Welt ist nicht genug, alles ist eins, alles ist dreizweieins Meins!

Der große Fußballkonzern aus München ist so ein Konglomerat von Besitzern und Teilhabern, die gemeinsam ihren vermeintlichen Besitz und damit sich selbst vergöttern und vergöttern lassen. Sie werden immer Deutscher Meister, und der Meister aus Deutschland ist ein Welt-Meister. Es gehört alles ihnen. Christof Kneer ist einer von ihnen, es stößt ihm daher auch nicht auf, wenn er völlig ironiefrei von Spielern spricht, die Bayern “besessen” hat. Es fällt ihm als Spochtjournalist auch nicht auf, wovon er da redet, nämlich von der ganzen Bundesliga, dem ganzen deutschen Fußball. Bayern kauft seit Jahrzehnten jedes Jahr Spieler anderer Vereine, um sie zum großen Teil auf der Bank oder der Tribüne zu patinieren, Hauptsache, sie spielen nicht für den Gegner. Derart wird jedes Talent, das nicht die Größe hat, ihnen vor die Füße zu spucken, irgendwann im “Besitz” der Bayern landen.

Den Fan ficht’s nicht an, im Gegenteil: Daß alle anderen die Bayern hassen, liegt ja nicht daran, daß irgendetwas nicht so ganz richtig wäre an der Vereinspolitik oder daß sie einfach denkwürdig grottentief unsympathisch sind. Nein, das ist der pure Neid der Besitzlosen, Erfolgsneid, Sozialneid. Das balltechnische Fußvolk, das nur von den Einschaltquoten der Münchner lebt, lohnt die Almosen mit Undank. Es ist wie im echten Leben, wo der Schmarotzer dem Leistungsträger seine Boni madig macht.

Die Neider, die Sozialdemokraten, Sozialhilfeempfänger und sozial Solidarischen haben das Prinzip nicht verstanden. Es kann nur einen geben. The Winner Takes It All. Entweder man ist für sie oder man sie gegen sie. Am Ende aber gilt für alle, Freund und Feind, Sieger und Neider, Leistende und Empfänger: Sie sind frei und gleich im Eigentum. Und einige sind eben Eigentümer.

screen

Alsoo… obiger Screenshot ist für diejenigen, die das Experiment verpaßt haben. Zwar war meine Seite noch aufrufbar und lesbar, leider konnten die Artikel aber nicht mehr, wie eigentlich beabichtigt, kommentiert werden, da wohl doch die “Index.php” dazu noch gebraucht wird. Mal sehen, ob ich jemals durchblicke durch die holde Architektur ;-).
Sei’s drum, Hauptsache einer hat Spaß.

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