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Oktober 2008


Hans-Werner Sinn hält sich noch immer für berufen, dem Volk und der Welt zu erklären, was es zu denken habe. Es gibt keinen Bereich des öffentlichen Lebens, in den er sich nicht einmischt. Daß er als Hobbyhistoriker ein antisemitischer Propagandist ist, ist eine Sache. Daß er als Ökonom ein Totalausfall ist, eine andere. Jetzt geriert er sich auch noch als Umweltpolitiker.

Die “Prinzipien”, nach denen er vorgeht, sind recht einfach: Er spricht grundsätzlich aus Sicht eines neoliberalen Lobbyisten und biegt sich die Wirklichkeit so zurecht, wie sie ihm paßt. So will ausgerechnet er schon immer gewußt haben, wie gefährlich die “Öffnung der Finanzmärkte” war. Zwei Gründe nennt er dafür:

Schon 1977(!) habe er in seiner Dissertation “die Analyse der überhöhten Risikobereitschaft, die durch zu geringes Eigenkapital verursacht wird” geleistet. Damit war dann wohl alles gesagt, wir hätten nur vor, sagen wir, zehn Jahren, seine Arbeit lesen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen müssen. Im Gegensatz zu ihm.
Der zweite Beleg für seine Allwissenheit ist sein Schweigen. Er hat immer alles gewußt, nur nichts verraten:

Gedacht schon, aber keiner wollte die Krise herbeireden. Ich selbst bin seit langem überzeugt, dass die Regulierung zu lasch ist.

Wenn Sinn immer von dem schweigt, was er eigentlich denkt und dann das Gegenteil sagt, wird mir einiges klarer. Der Kampf gegen Windräder ist sein jüngstes und duchaus passendes Projekt. Kernkraft ist besser. Natürlich denkt er heute bereits an die unmögliche Endlagerung und die Risiken, sowie das nackte Grauen eines möglichen GAUs. Das wird er dann souverän offenlegen, wenn es dazu kommt.

Auch die Krise, die durch die Monopolisierung der Stromwirtschaft vorangetrieben wird, ist ihm völlig gewahr. Er weiß, daß nur die Großen der Branche AKWs betreiben können. Sein Setzen auf dieses tote Gleis der Energiegewinnung ist in Wirklichkeit die weise Einsicht, daß man aussteigen sollte. Dies teilt er dann mit, wenn keiner mehr seine Stromrechnung bezahlen kann.

Ganz auf der Höhe des verzweifelten Agendasettings der kapitalistischen Lohndrücker weiß er sich mit Karl Lauterbach in einem Boot: “Autos kaufen Autos”, wissen die beiden, und sind vermutlich schon bei der Mofaprüfung vor die Ampel gefahren. Da Sinn nicht links sein muß, kann er noch haltloser daherschwätzen:

Doch leider ist das Kaufkraftargument schon aus logischen Gründen falsch: Eine Lohnerhöhung ist eine Gewinnsenkung, und so wie Lohnerhöhungen die Kaufkraft der Arbeitnehmer erhöhen, senken sie jene der Arbeitgeber. Die bestehende Kaufkraft wird also nur anders verteilt. Zwar steigt der Konsum der Arbeitnehmer, wenn bei gegebener Beschäftigung mehr Lohn gezahlt wird. Doch nimmt die Investitionsneigung ab, weil die Lohnerhöhung viele potenzielle Investitionsprojekte unter die Rentabilitätsschwelle drückt, und das verringert die Nachfrage.”

- “Eine Lohnerhöhung ist eine Gewinnsenkung.”
Wer sich solcher Sätze erblödet, mag in einer Talkshow gern gesehen sein. Sich dann aber “Ökonom” zu nennen, zeugt von einer ungeheuren Chuzpe. Dieser Satz ist nur dann richtig, wenn man ihn so doof wie möglich interpretiert, im Sinne von “Was ich ausgebe, ist weg”. Jede andere Sichtweise, jede noch so kleine Differenzierung, führt zu anderen Schlüssen. Etwa zu dem, daß es auch noch ein Folgequartal gibt, in dem die Produktivität von der Qualität der Arbeit abhängt. Etwa von der Möglichkeit, Produkte nicht nur herzustellen, sondern sie auch abzusetzen.

Das folgende Lamento bezüglich “Konsum” versus “Investition” ist blanker Nonsens, Gefasel im Luftleeren Raum. Um letztendlich zu bestimmen, ob Lohnerhöhungen Investitionen verhindern, muß man Zahlen haben. Das ist allgemein nicht in gültiger Weise zu formulieren.
Man kann höchstens spekulieren, wogegen ich nichts habe. Dann aber kann man feststellen, daß Lohnerhöhungen auf breiter Basis, vor allem im unteren bis mittleren Einkommensbereich, unmittelbar zu höherem Konsum führen, der wiederum äußerst willkommen ist in einem ewig schwächelnden Binnenmarkt.

Investitionshemmend wirken sich höhere Löhne hingegen dann aus, wenn der Gewinn zu gering ist, um noch investieren zu können. In weiten Bereichen der deutschen Wirtschaft kann davon nicht die Rede sein. Die Kassen sind voll. Allerdings sind es meist die der Shareholder, die gar nicht investieren wollen. Ein wirkliches Investitionshemmnis besteht in den irrsinnigen Renditeversprechen der letzte Jahre. Wer so abkassieren will, ist an keiner Zukunft interessiert. “Investition” bedeutet dann nur das Abgrasen der nächsten Wiese. Es läuft aber immer auf dasselbe hinaus: Löhne runter, damit hier genau so große Gewinne möglich sind wie Ausland. Löhne runter, damit investiert werden kann. Gewinne nicht schmälern.

Eine Gesellschaft, die im Verhältnis zu ihrer gesamtwirtschaftlichen Produktivität niedrige Löhne hat und die dementsprechend dauerhaft einen höheren Prozentsatz ihres Sozialprodukts investiert und einen kleineren Prozentsatz konsumiert, baut ihre Produktionskapazität schneller auf und wächst deshalb schneller.”
Auch das ist blanker Unsinn, weil es den einbrechenden Absatz nicht berücksicht, ebensowenig wie die Tatsache, daß Gewinne eben nicht zu stabilen Investitionen geführt haben.

Einen noch, mir ist selbst schon schlecht:
Konsum ist schädlich für das wirtschaftliche Wachstum und unnötig für die Konjunktur. Der derzeitige Boom der deutschen Wirtschaft ist der beste Beweis dafür, dass es für eine gute Konjunktur auf eine sofortige Erhöhung der Konsumgüternachfrage gar nicht ankommt.

Dieser unfassbare Schwachsinn stammt von einem deutschen Wirtschaftsprofessor. Schon die Behauptung ist so abseitig, daß jeder Hirninhaber innegehalten hätte, anstatt dafür auch noch Gründe zu suchen. Sinn hingegen gelingt es, so zu argumentieren. Er glaubt tatsächlich, es gebe Konjunktur ohne Konsum. Der Gartenzwerg, der uns ewig das Lied der “Globalisierung” gesungen hat, damit hier die Löhne gesenkt werden, kapiert nicht, daß der Konsum im Ausland auch einer ist. Er kapiert nicht, daß sich diese Schuld just zu rächen beginnt. Ich bin inzwischen davon überzeugt, daß dieser Mann gar nicht der sinistre Ideologe ist, für den ihn viele halten. Er ist vielmehr von erschreckend schlichtem Gemüt.

Die SPD ist nicht mehr zu retten. Die Prinzengarde rings um die Stones, das Karriere-Nahles, Agenda-Münte, den ewigen Struck und ihre Hofnarren wie Hubertus Heil haben wir schon häufig angemessen begutachtet. Aber auch in der zweiten Reihe drängen sich Akrobaten des Zwiesprech, ideologische Blendgranaten und Rhetorikzombies dicht an dicht. Heute wollen wir uns mit einem beschäftigen, dem man schon ungern zuhört, weil seine Intonation eine Zumutung ist. Befasst man sich auch noch mit dem, was er an Inhalt zu bieten hat, wird es unerträglich.
Karl Lauterbach, die Fliege mit dem Mann, hat der TAZ ein Interview gegeben, das ihn unter anderen Umständen als schwachsinnig oder psychotisch qualifizieren würde. Für einen Sachbearbeiter sozialdemokratischer Restposten sind die Alternativen zu dem trüben Quark, den er anrührt, allerdings recht dünn gesät. Es mag sich also bei dem Stuß, den er da verzapft, um das Resultat der verzweifelten Bemühung handeln, die SPD als “sozialdemokratisch” darzustellen.
Lauterbach hat verinnerlicht, was führende Sozen gefälligst zu denken haben: Daß die SPD “links” ist und die Agenda 2010 ein Segen für die Menschheit. Die Verwüstungen, die diese Anstrengung hinterläßt, kommen einem schweren Schädel-Hirn-Trauma gleich. In medias res:

[TAZ:] Und wie haben die Hartz-Gesetze diese Jobvermehrung bewirkt? Durch erhöhten Druck auf Arbeitslose?

[Lauterbach:] Zum Teil – ja. Es gibt Arbeitslose, die erstens heute weit schlechter bezahlte Jobs annehmen. Zweitens: Weil die Aufstockung möglich ist, arbeiten viele Hartz IV Empfänger nebenher. So sind Niedriglohnjobs entstanden, die es vorher nicht gab. Es gibt also mehr Leute, die überhaupt Arbeit wollen und es gibt mehr niedrig bezahlte Jobs. Das zusammen hat, drittens, dazu geführt, dass die Löhne im unteren Bereich gesunken sind. Das wiederum hat dazu beigetragen, dass dort noch mehr Jobs entstanden sind.

Er beschreibt es beinahe richtig. Es werden immer mehr Menschen in Niedriglohnjobs gedrängt. Sie verdienen dort weniger als jemand, der gar nicht arbeitet. Sie werden schlicht ausgebeutet, und zwar in immer größerer Masse. Damit sie leben können, gehen sie nebenbei noch zur ARGE. Hier liegt der Fehler seines Berichts: “Nebenbei” wäre demnach ein Synonym für “effektiv unbezahlt”.

[TAZ:] Aber empirische Beweise, dass Arbeitslose angesichts von Sanktionen Jobs annehmen, fehlen…

[Lauterbach:] Wer Vermögen und Einkommen verliert, ist eher geneigt, auch schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen. Wenn dies anders wäre: Bitte, warum gab es denn so viel Protest gegen die Hartz-Reformen? Sie können schlecht behaupten, dass die Arbeitsmarktgesetze nicht wirken, der Protest gegen sie aber berechtigt ist. Das ist doch widersprüchlich.

Lauterbach versteht die Frage nicht. Der empirische Nachweis des Effekts wäre dann gegeben, wenn man nachweisen könnte, daß es Menschen gibt, die nicht arbeiten wollen, unter Druck aber doch Arbeit annehmen. Zunächst müßten beide Aspekte isoliert und dann der Zusammenhang nachgewiesen werden. Außerdem dürfte die “Wirkung” der Maßnahmen auf das Anwachsen prekärer Arbeitsverhältnisse zurückzuführen sein. Dies sind die neuen Jobs, in die “vermittelt” wird, und dagegen richtet sich vor allem der Protest.

[TAZ:]Nur eine Nebenwirkung? Die Löhne sind im Niedriglohnsektor um zehn Prozent gesunken.

[Lauterbach:]Ich will nichts beschönigen. Ich bestreite nicht, dass es wichtig ist, das Lohnniveau zu halten. Aber Arbeit zu schaffen, ist noch wichtiger. Denn was nützen dem, der keine Arbeit hat, hohe Löhne?

Welch eine Exkrementallogik! In der Folge sollte man zuerst die Gewerkschaften abschaffen. Es dürften dann kurzfristig deutlich mehr Arbeitsplätze entstehen, der Lohn allerdings womöglich nur noch in einem Teller Suppe pro Arbeitstag bestehen. Daß niedrige Löhne die Wirtschaft massiv gefährden, könnte ihm anhand dieses Beispiels deutlich werden. Nur, wer etwas übrig hat vom Lohn, kann auch etwas kaufen. Lauterbach aber kommt aus Schröders neuer Welt. Da kaufen Autos noch Autos, und Arbeit ist ein Wert an sich. Sie ist auch ohne Lohn gut. Das heißt aber nicht etwa, daß jede Tätigkeit, die etwa den Interessen der Menschen entspricht, “Arbeit” wäre. Nein, auch hier gilt, was dem Gewinn dient. Arbeit ist gut, wenn irgendwer davon einen wirtschaftlichen Gewinn hat. Das ist “links” nach Lauterbach:

Ja, ich glaube [...], dass sich der Wert von Politik daran bemisst, was sie für die erreicht, denen es am schlechtesten geht. Das sind, neben chronisch Kranken, die Langzeitarbeitslosen. Insofern sind die Hartz-Reformen linke Reformen.

Ob das diejenigen sind, denen es am schlechtesten geht, darf man schon bezweifeln. Für die Langzeitarbeitlosen ist also etwas erreicht worden: Sie dürfen bei Bezügen auf Sozialhilfeniveau evtl. arbeiten. Sie müssen alles verscherbeln, was sie sich erspart haben. Sie haben keine Aussicht auf eine Rente. Man verhetzt sie als “Schmarotzer”.
Was Lauterbach ganz bewußt außen vorläßt, ist die Situation der Familien mit Kindern. Dank der “linken” Reformen sind sie diejenigen, denen es am schlechtesten geht. Dank der grandiosen Reformen gibt es überdies eine wachsende Masse von Menschen, die nicht mit Arbeitslosigkeit in Berührung kommen und dennoch von “HartzIV” leben müssen. Denen aber geht es per definitionem gut.
Darin besteht nämlich die Hohe Kunst der Agenda-Politik: Was nicht paßt, wird passend gemacht. Auf historisch niedrigem Niveau machen SPDler damit den altbekannen Fehler: Daß sie sich kaum selbst überzeugen können, geschweige denn irgendwen außerhalb ihrer geschlossenen Station. Das hat einen ganz einfachen Grund: Diese Politik stinkt. Mit ihr kann man niemanden überzeugen.

Vorher werde ich neunundneunzig Neger erschießen und neunzehn köpfen. Ich kenne einen, der weiß, wo man eine Schießpistole kriegt und habe schon ein großes Köpfemesser.
Wenn mein Freund den Führerschein hat, fahren wir sofort nach Amerika und erschießen Barack Osama. Dann machen wir Pipi auf den.
Komm ich jetzt im Fernsehn?

Uns fällt der Himmel auf den Kopf. Wir Gallier stehen auf unserem Feldherrnhügel und sehen die einst überlegenen Truppen des Imperiums als Häuflein Elend um uns herum liegen. Anders aber als “Anno 52″ (v.Chr.) sind nicht wir es, die verbrannte Erde hinterlassen haben. Die Truppen des Imperiums werden auch nicht fliehen. Wir werden sie nicht vertreiben, im Gegenteil: Wir werden ihnen helfen, weiter stolz ihr Signum durch unsere Länder zu tragen. Haben wir doch glernt: Gallien wurde erst durch die Römer eine bühende Landschaft. Ohne sie gäbe es uns gar nicht.
Wir Gallier, das sind die die Staatsbürger und die Römer sind die Sturmtruppen der freien Marktwirtschaft. Historische Vergleiche haben ja Konjunktur, dieser ist meiner. Eat this!
Die Quintessenz stimmt jedenfalls: Uns fällt der Himmel auf den Kopf. “Hier geht nichts mehr”, meinte der tapfere Börsenerklärbär der Tagesschau heute, und die Restjournaille plakatiert unisono, der Dax sei “gerettet” – weil das strunzdumme Gezocke mit VW-Aktien einen Tageshype verursacht hat, dem in der Oper über diese Zeit sicher ein Akt gewidmet werden wird. Sollten Leerverkäufe nicht verboten werden? Nicht einmal das, und wenn’s der Indexrettung dient, ist doch alles im Lot.
Das Motto stimmt ebenfalls: Die spinnen, die Römer!
Immerhin haben sie jetzt Angst vor uns. Die Radikalgallier der Linken sind den römischen Barden viele Lieder wert, eines singt heute der Schirrmacher, der meint, die “LINKE” könne “über von ihr erzwungene Enthaltungen als Mitspieler in vier Landtagen den Bund in erstaunlichem Umfang kontrollieren“. Das nenne ich “Panik”.
Inzwischen wird sehr ernsthaft über feste Wechselkurse diskutiert, der Urgallier Sarkozy etwa fordert solche. Sollte er sich damit durchsetzen, hätte der radikalgallische Volkstribun auch noch im letzten Detail recht behalten. Eher überquert Hannibal mit Elefanten die Alpen!
Rom wird nicht fallen. Oder? In den Provinzen rumort es. Es heißt, Rom könne seinen Söldnern keine Beute mehr bieten. Noch fallen sie nicht scharenweise ab von der großen Macht. Zu viele Statthalter wissen, daß sie keine Zukunft haben, wenn Rom fällt. Zu viele Söldner haben ihre Familien gegen sich aufgebracht, und noch immer singen die Barden dieselben Lieder. Viele Kinder kennen nur noch deren Gesänge, und bislang haben nur die tapfersten Gallier ihre Barden geknebelt. Neue Lieder werden nur heimlich in Wald angestimmt.
Die Herden sind in Aufruhr. Sie wissen nicht, wohin. Die saftigen Wiesen, von denen die Barden singen, sind karges Land, das niemand mehr bewirtschaftet. Uns fällt der Himmel auf den Kopf. Wird dies das Ende sein? Die Gallier glauben es. Immer mehr Römer glauben es. In Rom macht sich ein neuer Kult breit, der Erlösung und Nächstenliebe verspricht. Unsere Druiden warnen uns, daß am Ende doch wieder Rom das Zentrum der Macht sei. “Erlösung” und “Nächstenliebe” seien nur die neuen Titel der alten Barden. Dann sei es doch besser, uns fiele der Himmel auf den Kopf.
Unser Dorfältester sagte heute zu mir: “Wenn du weißt, daß morgen die Erde untergeht, dann reiße noch heute einen Apfelbaum aus und schlage ihn dem nächsten dekadenten Römer in seine dämliche Hackfresse!”

Ein Artikel zu einem widerlichen Vergleich findet sich bei “ad sinistram”. Ich habe meinen Kommentar dort hinterlassen.

Es nervt. Da kommt ein Club daher, den keiner kennt, der keine Fans und keine Geschichte hat und spielt allererste Liga. Jeder weiß, daß es das Geld eines Milliardärs war, das dies ermöglichte. Geld kauft nämlich doch Tore, auch wenn das nicht immer funktioniert.
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob es nicht sogar begrüßenswert ist, wenn Vereinen wie den Bayern einmal gezeigt wird, daß mit ausreichendem Geld jeder Erfolg kaufen kann. Hoffenheim hat ja nicht einmal die teuersten Spieler der Welt eingekauft, sondern nur erstklassiges Spielermaterial, das von einem ebenfalls gekauften Trainer-Team hervorragend eingestellt wird. Wo ist das Problem?
Daß es noch immer nervt, zum Beispiel. Wer will derart dreist vor Augen geführt bekommen, daß man sich nach oben kaufen kann, wo andere sich jahrelang abmühen? Der Sport, zuallererst der Fußball, ist längst ein Geschäft, in dem einige den Hals nicht voll bekommen können. Längst haben sich in vielen traditionsreichen Clubs Strukturen breitgemacht, die dem Gewinn dienen und parasitär von einem Jahrhundert Fußballkultur zehren.
Ist es angesichts dessen wirklich schlimm, wenn ein Milliardär seinem Noname-Club einen Platz in der Bundesliga kauft?
Ja, es ist, denn es könnte ein Dammbruch werden. Ein Ausverkauf der Clubs könnte daraus entstehen, ein Hype, der den Sport als Geschäft durch das vollends unsportliche Geschäft ablöst. Hoffenheims Besitzer Hopp spielt sich dabei selbst noch als Retter auf vor dem, was er womöglich gerade lostritt:
Wenn irgendwann mal ausländischen Investoren die Tür geöffnet wird in der Bundesliga und Leute kommen wie der Scheich aus Abu Dhabi, dann wird man vielleicht sagen: Wäre schön gewesen, wenn wir noch den einen oder anderen Hopp hätten.
Wir sind ja so dankbar! Wohin das führt, was Hopp da treibt, konnte man jahrelang in der Eishockey-Bundesliga/DEL sehen: Meisterschaften wurden von Clubs gewonnen, die in den Folgejahren nicht mehr aus dem Quark kamen, weil sie ihre Schulden abzahlen mußten – oder sie sind gleich ganz bankrott gegangen. Dabei ist im Eishockey nicht ein Minimum dessen zu holen, was im Fußball durch die Kassen fließt. Die DEL hat zwischenzeitlich sogar den Auf-und Abstieg abgeschafft, der finanziellen Planung wegen. Gerade in Zeiten, da Großinvestoren nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, droht hier der totale Ausverkauf.
Von gekauften Siegen will Hopp freilich nichts wissen. Der Mann, der keine Betriebsräte braucht, ist ein Sympath ohne Vergleich und macht sich sogar Sorgen um seine Feinde: Die bösen Fans anderer Clubs. Er zeigt sie zwar an, zieht seine Anzeige aber mit großer Geste zurück, wenn sie sich “entschuldigen”. Er hat Verständnis für alle. Zum Beispiel für Leute, die ein Transparent mit der Aufschrift “Hoppe hoppe Reiter – wenn er fällt, dann schreit er” ins Stadion mitbringen wollen. Aber auch für den Club, der auf Hopps Drohgebärden gehorsam reagiert und die Leute damit nicht reinläßt:
Der DFB will wohl unterbinden, dass Leute im Stadion festgenommen werden müssen.”
Eine höchst interessante Ansicht von Strafrecht und Demokratie – und eine kaum verhohlene weitere Drohung.
Sein Pressesprecher läßt sich öffentliche Kritik schon gar nicht gefallen und boykottiert deswegen den “Tagesspiegel”.
So dreist ist nicht einmal Uli Hoeneß, und der hat Jahrzehnte gebraucht, um seine Arroganz auf den heutigen Stand zu bringen.
Nein, solche Privatclubs braucht kein Mensch, in keiner Liga der Welt. Es ist nur zu hoffen, daß der zu erwartende Niedergang des 1899 Hoffenheim sich ereignet, ehe das Beispiel Schule macht. Die zerstörerische Wirkung des Kapitalismus auf die Kultur muß gebremst werden – wahrlich nicht nur bei den Banken.

“SPIEGEL-ONLINE-Blogger Peter Ross Range” wird von SpOn stets “SPIEGEL-ONLINE-Blogger Peter Ross Range” genannt. Er darf unter dieser Flagge Artikel schreiben, die so etwas wie einen Header haben, ein nettes Bildchen mit dem Titel “The Lone Ranger”.
Was in Deutschland als pöbelnder Mob abgetan wird, ist im Kontext mit den US-Wahlen ein Aushängeschild: “Blogger”. Da wird allerdings herzlich wenig gebloggt. Es gibt, im Gegensatz zu anderen Artikeln bei SpOn, die man im Forum diskutieren kann, nicht einmal eine Kommentarfunktion.
Der Titel “Blogger” ist nicht anderes als ein Trojanisches Pferd. Einerseits eben Augenwischerei, Etikettenschwindel und ein parasitärer Gebrauch des Blogger-Ruchs, kann man so jemanden gern gehörten Unsinn verzapfen lassen, von dem der “Journalismus” nachher nichts mehr wissen muß. Peter Ross Range erklärt nämlich, warum Obama noch verlieren kann. Er scheint dies ebenso zu hoffen wie der Rest der Achse des Guten beim “Spiegel”. In 2004 hat er die Trommel für den Irak-Krieg gerührt, im vollen Bewußtsein der Lügen, die diesen ausgelöst haben. Statt “Massenvernichtungswaffen” waren ihm halt Saddams “Massengräber” die Rechtfertigung. Der Krieg gegen das Böse ist nämlich immer gut.
So einen kann man gut gebrauchen, wenn man sich eigentlich mit den Bush-Regime eingerichtet hatte – um nicht zu sagen: “angefreundet”. Andererseits ist es inzwischen zu peinlich, noch auf dieser Seite zu stehen, das mag selbst Broder zu einer gewissen Zurückhaltung zwingen.
Einen amerikanischen “Blogger” auszuleihen, dem von Kommentatoren der Hintern versohlt würde, ließe man die Leute nur kommentieren, ist also eine probate Lösung. Das Dumme ist nur, daß es echte Blogger gibt, und die wissen: Peter Ross-Range ist für die Dauer seines Engagements für SpOn ein SpOn-Journalist. Mit diesem Titel wird er sich zukünftig allerdings kaum bewerben wollen.

hilft ein Link: Don Pepone bloggt wieder.
Immer lesenswert.

Wer rettet uns vor den Kommunisten?

Ypsilanti will sich in Obamas Windschatten an die Macht schleichen

Neuer Anlauf in Hessen: Schon Anfang November will sich Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin küren lassen – zeitgleich mit den US-Wahlen. Ein Zufall? Wohl kaum. Die SPD-Chefin hofft, das öffentliche Interesse an ihrem umstrittenen Pakt mit der Linkspartei zu schmälern.

Diese wunderbare Verschwörungstheorie liefert die Online-Ausgabe des größten deutschen Boulevardmagazins “Der Spiegel”. Dafür natürlich keinen Link. Abtreten!

“Lesen” oder nicht lesen…

Selbstherrliche und Mimosen, wohin man sieht. Heidenreich schämt sich, wird vor die Tür gesetzt, mit Häme übergossen und dann doch betrauert – schließlich hat sie (sich) lange gut verkauft. That’s Business. Mit Kultur und Literatur hat dieser Komödienstadel freilich herzlich wenig zu tun. Besser ist das.

McCain gewinnt die Wahl

Kann er? Davon überzeugt ist als einer der Letzten der unermüdliche publizistische Geisterfahrer Josef Joffe. En passant erscheinen ihm die 12 millionen Dollar, die dem Republikaner für TV-Spots zur Verfügung stehen, als “HartzIV“. Jetzt weiß ich auch, warum die Sozialschmarotzer hierzulande so überschätzt werden. Josef Joffe ist übrigens der Namensgeber des Jojo-Effekts: Vor den Schrank laufen, zurücktaumeln, unterwegs alles vergessen und hurtig wieder vorpreschen. Anbetungswürdig!

Mal wieder dieser Prantl! Will sich nicht nackt zeigen, wenn’s der Staatssicherheit dient. Spießer!

Peer Sparstrick zeigt’s den Schweizern. Die sollen gefälligst Steuerflüchtlinge aufhalten. Wir können schließlich nicht unser Geld für Steuerfahnder ausgeben, wenn die das Geld horten. Nicht lange fackeln, den Jung anrufen und einmarschieren!

Der Bildungszipfel ist gezückt. Wir haben Großes vor, zum Beispiel Zahlen halbieren:
Auch die Zahl der Ausbildungsabbrecher soll im bundesweiten Durchschnitt von derzeit 17 Prozent auf 8,5 Prozent sinken.” Klasse, so hat der Hartz auch angefangen. “Halbierung” versprechen kommt immer gut. Oder Vollbeschäftigung. Oder Freibier für alle. Das hat gute Tradition:
Rund 15 Prozent der Schulen in Deutschland sind Ganztagsschulen. Diese Quote wollte man schon bis 1985 erreicht haben.” Na geht doch! Blühende Landschaften, wohin man schaut. Hauptsache, der Pöbel rennt weiter vor die Gebührenwand der Hoschulen. Schmerz spornt schließlich an.

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