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September 2008


Das Ende der Arroganz” glaubt die “ZEIT” sehen zu können, weil Peer Steinbrück nach dem Beinahe-Kollaps der Hypo Real Estate nicht mehr so großmäulig auftreten könne wie noch vor einer Woche. Fragt sich, wo der Autor, Philip Faigle, in den letzten Jahren war. Fragt sich alternativ, ob die Anbetung der Neoliberalen in der SPD so ernst gemeint war, daß man sie zwischenzeitlich wirklich für kluge Leute gehalten hat.
Ich muß zugestehen, daß ich selbst auf Steinbrück hereingefallen bin. Seine joviale Art, wenn er gerade eine Position vertritt, der man inhaltlich zustimmen möchte, hat etwas. Seine Rhetorik ist passabel, wenngleich etwas allgemein gehalten. Genau das aber treibt einem auf die Palme, wenn man es sich zu oft anhören muß. Steinbrück hat nämlich kein Problem damit, heute dies und morgen das zu vertreten und nervt mit den immer gleichen Versatzstücken, die am Ende exakt gar nichts sagen.
Erhöht er die Steuern, spart er an allem, so ist das gut, weil es “kommende Generationen nicht belastet”. Senkt er die Steuern, begünstigt er jemanden, will er “sich nicht totsparen”, “die Konjunktur nicht abwürgen” und daß “Leistung sich lohnt”.
Als Wahlkämpfer verspricht er alles Mögliche, als Finanzminister verkündet er mit Inbrunst das Gegenteil. Er hat also immer recht, egal, auf welche Seite er sich stellt. Und stets bescheinigt er sich selbst und denen, die mit ihm sind, “Augenmaß”. Er hat also nicht nur recht, sondern tut auch immer das Richtige im richtigen Maß.
Was er hingegen vermeidet, sind jedwede konkrete und auf Sachverstand fußende Äußerungen, die wirklich erklären könnten, worum es es ihm geht. Er ist völlig unberechenbar, weil er niemals seine Entscheidungsgrundlage erläutert. Er benennt eine Position und verziert sie mit Phrasen. Niemand weiß, ob er morgen eine völlig andere Meinung vertritt. Geschweige denn könnte jemand aus den Aussagen Steinbrücks eine Prognose für die Zukunft ableiten.
Damit niemand auf die Idee kommt, ihn mit seinem Geschwätz von gestern zu konfrontieren, trägt er das von heute eben mit Verve und der ihm eigenen Arroganz vor. Das ist sein Stil. Wer etwas anderes von ihm erwartet, hat den Steinbrück nicht verstanden. Wie er argumentiert, ist inzwischen deutlich geworden:
Wenn wir oder rot-grün die absolute Mehrheit geholt hätten, wäre auch die Mehrwertsteuererhöhung kein Thema. Aber sie ist eine Kernforderung der Union. Die kann und wird sie nicht auch noch aufgeben.
Die CDU ist schuld, daß Steinbrück als verantwortlicher Minister die Steuer noch weiter erhöhte, als die Union zuvor gefordert hatte. In keinem seiner selbstherrlichen Vorträge darf der Hinweis fehlen, daß jede andere Meinung ein “Kaputtreden” sei – der Märkte, der Wirtschaft und des Standorts. Zuletzt waren es die kerngesunden deutschen Banken, sicher wie die Rente, denen man keine Krise andichten durfte. Heute haut er Steuermilliarden zur Eindämmung der Krise raus. Das geht dann natürlich nicht zu Lasten der nachfolgenden Generationen. Nur zwei Beispiele einer beispiellosen Hybris.
Dummheit und Stolz sind die Mischung, der solche Auftritte entspringen. Diese Arroganz kennt keine Grenzen, und schon gar kein Ende.

Ich habe gerade nebenbei im Fernsehen eine wüst geschnittene Version von Star Wars “Episode III” gesehen. Interessant fand ich, daß der böse Imperator sich an die Macht putscht, indem er pausenlos vorgibt, die Republik und die Demokratie schützen zu wollen. Nach einem Anschlag auf ihn, den er überlebt, ruft er sich zum Imperator aus. Nette Parallelen, nicht wahr? Außerdem muß ich immer an Meister Yoda denken, wenn ich Heiner Geißler sehe. Auch er ein abtrünniger Republikaner, der als Rebell gegen die dunkle Seite kämpft. Das am Rande.
Was ist es doch dagegen fade, wenn man sich das Treiben der “Volksparteien”, insbesondere der bayrischen Ableger, anschaut. Franz Maget zum Beispiel. Was ist das für ein Männchen? Der Kerl hat eine Körperhaltung und eine Mimik, daß man glaubt, er will einem gleich die Schuhe putzen und sich dafür bedanken, wenn man ihm dabei auf den Kopf spuckt. Dieser Versager, der seine Partei schon bei den letzten Wahlen in eine historische Bedeutungslosigkeit geführt hat, unterbietet sich selbst und nennt das “Stabilisierung”. Er ließ lieber die Hartzer aus Berlin anrollen, als selbst Wahlkampf zu machen, weil er es noch weniger kann als die Müntesteiner. Hat ihn einmal wer gefragt, warum zur Hölle irgendwer diesen Schorsch wählen sollte? Kann mir jemand sagen, wie immerhin genug Stimmen zusammenkamen, um das “Projekt 18″ zu retten?
Und dann die Hubers, die Becksteinschen. Sie wollten es ja nicht glauben. 43% für die CSU, das ist, als ob jeder fünfte Katholik in Deutschland zum Islam konvertiert. 17% Verlust gegenüber Stoibers letztem Ergebnis, das ist phänomenal, das ist eine neue Ära der Mathematik. Äh-Äh war ja schon harter Tobak und hätte nirgends in Deutschland ein Bein auf die Erde bekommen. Als CSU-Chef aber war er Papst und konnte demgemäß sechs mal den Zehnten fordern, in der Gewissheit, ihn zu bekommen. Das folgte quasi einem Naturgesetz, weswegen ich im Februar schrieb:
Wahrlich ein Wunder, daß die CSU zwei (!) Kandidaten gefunden hat, die das Niveau von Ääh-ääh- Edmund noch unterbieten. Der rhetorische Limbo unter der Türkante, den die zwei da hingelegt haben, ist bislang einmalig in der Geschichte rednerischer Naturkatastrophen. In jedem anderen Bundesland wären diese Pfeifen die Lichthupe auf der Überholspur der Verliererstraße. Nicht so in Bayern. Da holen sie die absolute Mehrheit. Was gäbe ich dafür, wenn man mir jemand den Trick verriete!
Sie haben es nicht nur geschafft, es nicht zu schaffen, sie haben es geschafft, weit davon entfernt zu sein. Wie erklärt man sich dieses?
Dazu einen kleinen Schwenk zurück zur SPD. Man betrachtet sie in Bayern eh nicht als etwas, das je regieren könnte. Man betrachtet sie als eine nette Folkloregruppe, die halt auch dabei ist. Wer für die CSU war, war gegen die SPD. Das war schön und rustikal und gehörte sich so. Nachdem die SPD aber die Politik gänzlich eingestellt hatte und machte, was die Union machte, mußte niemand mehr gegen sie sein. Ergo war auch nemand mehr für sie. Sie ist überflüssig geworden.
Die CSU ihrerseits hat die Wähler ebenso bis aufs Blut gereizt wie die Sozen. Setzten sie dem Stimmvieh doch Dompteure vor die Nase, die nicht nur die standesgemäße Unfähigkeit ziert, sondern deren Charisma noch das von Pofalla und Hintze unterschreitet. Fatal, daß beide Phänomene zusammentreffen. CSU Wählen macht keinen Spaß mehr. Die CSU-Wähler hauen in alle Richtungen ab: Zu den Nichtwählern, der FDP und dieser Truppe, die sich “Freie Wähler” nennt. Das ist heillose Flucht, begleitet von tiefer Depression.
Wirklich spannend wird erst die nächste Wahl werden. Verliert die CSU ihren Nimbus und wird als politische Partei betrachtet, also nicht mehr als Religionsgemeinschaft, ist in Bayern alles möglich. Schaumermal.

Unfassbar, was Kerner, diese journalistische Doppelnull, sich da einlädt. Redet ein “Journalist”, der auch nur ein Minimum von seinem Beruf versteht, mit einem faschistischen Hetzer über das Wetter oder “Steuertricks”? Mir fehlen die Worte.

Der Herausgeber der “Zeit”, Josef Joffe, foltert seine meist unschuldigen Leser mit einer Gnadenlosigkeit, vor der ich in die Knie gehe. Hier einige Anmerkungen zu einem Meilenstein kreuzdämlicher Kapitalanbetung, abgelegt unter der Rubrik “Zeitgeist”:
Das eiserne Gesetz der Kapitalismuskritik besagt: Je weniger einer von diesem System versteht, desto lustvoller geißelt er es. Umgekehrt gilt: Je höher die Kenntnis, desto geringer die Lust, die Marktwirtschaft zu preisen.
Gehen wir souverän über die erbrochene Metapher “eisernes Gesetz” hinweg. Fragen wir also: Was ist ein “Gesetz der Kapitalismuskritik”? Was überhaupt ein “Gesetz” einer “Kritik”? “Kritik” bedeutet nichts anderes als Distanzierung, mithin das Gegenteil einer Gesetzmäßigkeit.
Der Unterschied zwischen Kenntnis und Unkenntnis des Kapitalimus ist also die Lust bzw. Unlust. Soll uns sagen was? Kenntnis macht keinen Spaß? Die einen haben Spaß an der Geißelung, die anderen keine Lust, sie zu preisen? Wo wäre da jetzt genau der Unterschied?
Die Ökonomie baut keine Luftschlösser der Erlösung, die erst zerbrechen und dann zum Kerker werden (wie im Realsozialismus)
Luftige Metaphern zu einem Kerker aus zerbrochenen Mauern. Dem mühsam Inhalt entnehmend, hieße das, die “Ökonomie” kenne keine Ideologie. Das Manuskript lag vermutlich schon Jahrzehnte in der Schublade und konnte daher das Phänomen “Neoliberalismus” bis zum Redaktionsschluß leider nicht berücksichtigen.
Und doch hat kein anderes System so viele Segnungen gezeugt wie der »Kapitalismus«, der heute längst eine hochregulierte Marktwirtschaft mit etwa hälftigem Staatsanteil ist. Adam Smith und David Ricardo waren die besseren Menschenfreunde als Stalin und Che. Dieses Urteil gilt selbst für den »Manchester-Kapitalismus«: Von 1750 bis 1900 haben sich die Reallöhne in England mehr als verdreifacht.
Was ist ein “hälftiger Staatsanteil”, was “hochreguliert”? Die Hälfte der Regulierung? Des Geldes? Gehört die Hälfte dem Staat? Und wo genau? Was genau? Ist da eine Hälfte reguliert? Der Finanzmärkte etwa?
Smith und Ricardo waren bessere Menschenfreunde als Stalin. Na immerhin.
Von 1750 bis 1900 haben sich die Reallöhne in England mehr als verdreifacht, ja leck mich fett, in 150 Jahren verdreifacht, einmal Industrialisierung dazwischen, und schon geht’s aufwärts. Schmerzen, schreckliche Schmerzen!
Arme Gesellschaften sind selten demokratisch, und reiche sind selten autoritär (Ausnahmen heute: Russland oder Arabien, wo die Bodenschätze Staatseigentum sind). Welche Rechte hatte denn der Knecht im Feudalismus, der Proletarier im Ständestaat? Was war denn demokratisch am Sowjetsystem, wo nicht der Mensch mit dem Rubel, sondern der Kommissar mit der Knute bestimmte, was zu produzieren sei?
Was ist ein reicher Staat? Gehört China dazu? die ganzen Ölbohrinseln im Nahen Osten mit einem Fähnchen darauf? Welche Staaten werden in 10 Jahren “reich” sein? Gibt es irgendeinen Zusammenhang zwischen Demokratie und Reichtum im 21. Jahrhundert? Ist es das beste Argument für den Kapitalismus, daß er besser ist als der Feudal- oder Ständestaat? Ist die kapitalistische “Demokratie” die aktuelle Alternative zum “Sowjetstaat”?
Tatsächlich sind die Exzesse dieses Jahrzehnts nichts im Vergleich zur Zivilisierung durch den Kapitalismus. Dass einer reich werden konnte, ohne zu rauben und zu morden, war der erste Schritt in die Zivilisation. Michelangelo ist ohne »Mehrwert« (im marxschen Sinne) genauso unvorstellbar wie die Met und das MIT.
Michelangelo war demnach eine Kulturleistung des demokratischen Kapitalismus? Immerhin, reich ohne zu rauben und zu morden. Da muß ich aber doch mutig widersprechen und feststellen, daß es schon immer einträglicher war, Rauben und Morden zu delegieren. Der Zusammenhang zwischen Raubmord, Michelangelo und Mehrwert erföffnet sich vermutlich nur Patienten, die unter demselben Syndrom leiden. Der technologische Fortschritt ist die Kulturleistung, von der Joffe eigentlich spricht. Diese schreibt er dem Kapitalismus zu. Merke: Geld macht schlau, und ohne Geld keine Evolution.
Dieser »Turbokapitalismus« konnte, welche Ironie, nur mit der Ermunterung durch den Staat entstehen. Dass der nun für die Folgen geradesteht, ist irgendwie folgerichtig.
So wir das denn gelten ließen, hieße das: Der Anstifter soll hängen, der Täter findet keine Erwähnung. “irgendwie folgerichtig”, ein bißchen schwanger und für den Rest Weingummi, bitte!
Regulieren, aber nicht regieren. Wie die blutenden Landesbanken zeigen, ist der Staat im Geldgeschäft noch dümmer als selbst der gierigste Spekulant.
Der Staat soll nicht regieren? Das ändert sich also nicht, immerhin. Dümmmer als der gierigste Spekulant ist der Staat, weil er als Anstifter haftet? Wie viele Banken müssen Konkurs anmelden, bis die Dummheit der Spekulanten für groß genug erachtet wird? Schwamm drüber!
Dies war nur der Schnelldurchlauf. Jemand, der sich wirklich Mühe gäbe, den Artikel zu zerpflücken, hätte noch viel mehr Arbeit mit diesem monströs depperten Machwerk, das sprachlich und inhaltlich eine preiswürdige Inkompetenz zelebriert. Ich weiß gar nicht, woher ich die Muße nehme, mich mit einem solchen journalistischen Sondermüll zu beschäftigen.

Feynsinn kommt ins Kindergartenalter. Die Windeln sind abgelegt, es spricht in ganzen Sätzen und hat ein wohlgewachsenes Gebiß. Ein Grund zu feiern? Es ist Wochenende, da ist es immer gut, wenn der Suff einen Anlaß findet. Zum Wohle!
Der Ausblick auf das nächste Jahr ist mit der beinahe sicheren Erkenntnis verbunden, daß die Zuwachsraten einen herben Dämpfer erhalten werden. Ich erwarte gar Stagnation. Da die Zahl meiner Leser im vergangenen Jahr wieder um 400% gewachsen ist, wäre ich bei einem weiteren derartigen Anstieg nächsten Herbst A-Blogger. Wie gut, daß ich das nicht wirklich fürchten muß!
Ich wünsche Euch ein weiteres Jahr mit vielen hübschen Fehlerchen in vielen kleinen Artikelchen und mir selbst mehr Inspiration und weniger Blues. May the Force be with us!

Es wird immer schlimmer. Sie kommen! Schläfer, Bomber, Taliban sind unterwegs und werden als “ausgebildete Märtyrer” (2. Bildungsweg in Afghanistan) unsere Schulen auf das Niveau von Finnland bomben. Häuser stürzen um, Bäume und Kühe. Die studierten Djihadisten werden jetzt steckbrieflich gesucht. Neueste Technik wie Handy und Stadtplan stehen ihnen ebenso zur Verfügung wie internationale Verbindungen zur Terrorzelle aus dem Sauerland (siehe Bild).

muente

Peer Sparstein warnt angesichts der Krise vor Hamsterkäufen: “Wer jetzt einen Hamster kauft, verschlimmert die Lage nur. Wir sollten der Heimtiertschutzbehörde und den Sicherheitsgesetzen vollstes Vertrauen schenken. Kaufen können wir uns eh nix dafür.
Der Terrorexperte Kodo Ulfnutte warnt: “Habe ich schon immer gewußt. Überall Kopftücher und Palästinenserschals. Gestern waren es nur die muslimischen Kulturzerstörer. Die neueste Entwicklung: EMOs und Putzfrauen stellen sich schützend vor Großmoscheen. Da wissen Sie gar nicht mehr, wer unter dem Kanakenfummel seinen Hartz-IV Bescheid versteckt.
Wie BND und BMW einhellig berichten, lagert in den gepanzerten Mehrtürern der Kabinettsmitglieder tonnenweise sozialer Sprengstoff, der nach der Bundestagswahl das Land ins Chaos stürzen soll. Aus gut bekoksten Kreisen wird verlautbart, daß der Demagoge und Linksfaschist Lafontaine dahinter steckt. Dazu der Demagoge und Linksfaschist:
“Was juckt’s die Eichel, wenn die Sau dran reibt?”
Lesen Sie morgen dazu, was Sie immer lesen, wenn Sie lesen, wo Sie so etwas lesen.

Barack Obama verweigert sich der großen nationalen Aufgabe. Anstatt den Flutopfern in den Banken zu helfen, will er diskutieren. Wahlkampf will er machen vor einer Wahl, und das mitten im Krieg!
McCain, präsidential wie bislang nur der große GW, weiß, worauf es ankommt:
«Lasst uns die Politik beiseite stellen», sagte McCain. Er verglich die derzeitige Finanzkrise mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Jetzt sei erneut Patriotismus und gemeinsames Handeln notwendig.
Und eigentlich immer. Patriotismus, das ist, wenn Republikaner mit Notstandsmacht regieren, wie Bush und seine Homeland Security oder Finanzminister Paulson und seine Billionen. Es ist eine böse Bedrohung! Sie ist da draußen, das heißt: Mitten unter uns. Wir müssen zusammenstehen und unseren Führern vertrauen. Es gibt nichts zu diskutieren, nichts zu wählen und nichts zu denken. Wir müssen die Demokratie retten, unsere Soldaten unterstützen, unsere Wirtschaft, unseren Wohlstand.
Derlei Sätze werden hundertfach aneinander gereihert, keine große Geste ist zu peinlich, keine Hymne zu laut gesungen, um die Republik in den Staub zu treten. Die res publica, die öffentliche Sache, ist der Feind dieser “Republikaner”, denn Öffentlichkeit, eine lebhafte Debatte, ist das Medium der demokratischen Wahrheit. Beides ist den planlosen Machthabern spinnefeind. Sie versuchen, mit aller Gewalt an einer Macht festzuhalten, die nicht nur obszön ist, sondern in ihrer orgiastischen Form offenbart, daß sie noch in der letzten Konsequenz eine Lüge ist: Diese Macht ist ohnmächtig im Angesicht ihres eigenen Treibens und will es nicht wahrhaben. Müßig zu erwähnen, daß der “Kampf gegen den Terror” nicht nur selbst Terror ist, sondern den Terror der anderen Seite vervielfacht, den sie angeblich beherrschen will. Daß es immer wieder, immer zuerst um Geld und Bereicherung geht, ist die Wahrheit, die nicht ans Licht kommen darf. Daß diese Wahrheit nunmehr für Jedermann greifbar ist und dennoch irrelvant, ist die historische Ironie. Beinahe wie in einem antiken Drama taumelt die Macht in den Abgrund, einem scheinbar unabwendbaren Schicksal folgend.
Die postmoderne Version des Dramas weicht freilich in einigen entscheidenden Aspekten von ihrem antiken Vorbild ab: Sie findet als Realität statt, ihre Könige sind unbeleckt von höheren Prinzipien. Sie haben keinerlei Respekt vor der Macht des nicht gar so göttlichen Schicksals. Die Hybris ist nicht menschliche Verfehlung, sondern der große Plan, der nicht aufgeht, und die Katarsis weicht mangels Einsicht gleich der nächsten irrsinnigen Hybris.
Eher antik gestaltet sich das Bewußtsein der Mächtigen. Die Rationalität, nach der sie handeln könnten, verhallt wie der warnende Chor. Taub gegen dessen Stimmen wird getan, was schon immer getan wurde. Am Ende verliert der König seinen Kopf und wundert sich. Wiederum postmodern ist die Variante, in der ein Heer kopfloser Könige die Realität des eigenen Todes ignoriert.
Diese Farce endet mit dem Absingen der Nationalhymne, ein anderes Lied steht ja nicht zur Verfügung. Das Volk, für dessen Befriedung dieses Theater veranstaltet wird, erhebt sich und singt mit. Das ganze Volk? Nein.
Es ist keine große Leistung von Barack Obama, sich diesem Schwachsinn nicht unkritisch hinzugeben. Wenn er auf die moderne Inszenierung des politischen Realtheaters in Form des anstehenden Rededuells besteht, kann ihm allerdings ein Lehrstück gelingen. Es ist ein Stück über Religionen, über Macht und Verantwortung. Es kann lehren, daß Religion, sei es die bigotte Schaumparty “christlicher” Moralapostel oder die neoliberale Erwerbslehre, nicht mehr zeitgemäß ist – schon gar nicht in Kombination. Es kann lehren, daß Macht wichtig ist. Und es kann lehren, daß Macht Verantwortung bedeutet, ohne die sie ins Chaos führt. Wenn Obama also fordert, daß wer nach Macht strebt, sich öffentlich verantworten muß, erweist er sich als wahrer demokratischer Republikaner.
Daß McCain und seine faden Laiendarsteller das Rennen machen würden, habe ich übrigens keine Sekunde lang auch nur in Erwägung gezogen, da kann die hiesige Journaille noch so durstig an jedem Strohhalm nuckeln, den ihr die Demoskopen hinhalten.

Ich bin müde. Diese Tage sind sehr anstrengend, was sich auf mein Blog lesbar auswirkt. Was ich mir in der letzten Woche so an Tippfehlern zusammengerumpelt habe, tat mir in den Augen weh – immer, wenn ich sie endlich wahrgenommen habe. Da ich ein tolles Plugin habe, das dafür sorgen soll, Korrekturen nicht in die Feedreader zu pingen (auch hierzu bitte ich um Meldung, falls es nicht funktioniert), korrigiere ich gern meine Artikel auch noch Tage später. Unschön nicht nur für mich, sondern auch für meine Leser, daß ich als Vielschreiber quasi mit einer Behinderung leben muß: Ich tippe nicht nur schlecht, ich sehe auch meist nicht, was ich da anstelle. Ich lese selbst Texte anderer so schnell, daß das Auge nicht wirklich mitkommt.
Kurzer Sinn: Ich wäre durchaus dankbar für Hinweise in den Kommentaren, was ich da dusselig getippt habe.
Wirklich schade, daß ich mich heute Nacht nicht ausreichend konzentrieren kann, um ein Streitgespräch zwischen Ottmar Schreiner und Karl Lauterbach zu zerpflücken. Was Lauterbach da liefert, ist neoliberale “Sozialdemokratie” at its best. Inspirierend immerhin für einen Artikel, den ich vielleicht einmal schreiben werde über schizoide Politiker und ein Syndrom, das selbst psychologisch kaum erklärbar ist. Solche Gedanken und potentielle Artikel schwirren mir zuhauf im Hirn herum. Mein Job saugt mir zuviel ab derzeit. Btw: Jobangebote sind mir auch willkommen. ;-)

Christoph Seils erweist in der “Zeit” seinem eigenen Geschwätz die letzte Ehre: Noch einmal reiht er die faden Floskeln neoliberalen Dummsprechs aneinander, stellt “Reform” gegen “Staat”, sieht einen “Linksrutsch” vor allem bei der SPD mit Steinmeier und Müntefering, nennt Oskar Lafontaine “vulgär-marxistisch” und sieht die Sozialdemokratisierung der Republik aufziehen. Gewohnt ahnungslos und frei von Schmerzen angesichts ächzendener Widersprüche betet er den Rosenkranz nieder und verzichtet endlich auf jeden Anflug einer Meinung. Er begrüßt nichts und verdammt nichts. Es bleibt sein abgedroschenes Vokabular auf der Oberfläche eines geschrumpelten Luftballons. Bitte nicht lesen!

Thomas Knüwer hat sich der traurigen Vorstellung angenommen, die Thomas Schuler in der Sueddeutschen gegeben hat. Der Google-Journalismus sei schuld am Kursrutsch der United Airlines, meint das freie SZ-Männlein. Tatsächlich war ein sogenannter “Analyst” so tumb, eine Meldung, die keine war, als latest News herumzuposaunen. Wunderbare Realsatire – lesen!

Was gern unterschlagen wird, ist der persönliche Hintergrund sogenannter “Politiker”, die merkwürdige Entscheidungen treffen.
Kenneth Rogoff erklärte im “Spiegel” (SpOn vom 16.09.):
2006 machte der Finanzsektor in den USA ein Drittel der Unternehmensgewinne, dabei steht er für nur drei oder vier Prozent des Bruttosozialprodukts. Allein Goldman Sachs verteilte 25 Milliarden Dollar Profit unter seinen 4000 Beschäftigten. Tut mir leid, ich finde das unglaublich. Etwas musste passieren. Man kann nicht einfach mit dünner Luft Geld verdienen – von den enormen Risiken, die dort eingegangen wurden, ganz zu schweigen.”
Henry Paulson, US-Finazminister, legt derzeit das Billionen-Dollar-Programm auf, dem alle Patrioten nur zustimmen können, weil sie mal wieder im Krieg sind. Paulson, “dessen Privatvermögen auf 600 Mio. $ geschätzt wird“, hat sich bis 2006 als Chef von Goldman+Sachs genau an den Geschäften bereichert, deren Scheitern jetzt mit gigantischen Steuermitteln verhindert werden soll. Das ist keine Korruption. Das bedarf ganz neuer Begrifflichkeiten.

[Zugabe:] Der Oeffinger Freidenker hat am 19.09. bereits auf einen weiteren Hintergrundartikel der FTD hingewiesen.

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