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Juli 2008


Während eine gnadenlose Hatz auf deutsche Manager betrieben wird, die nur das Beste für ihre Konzerne wollten, baut sich im Schatten des Linksrucks eine Mafia auf, die Deutschland wirtschaftlich vernichten will.
Frankfurt. Beppo Bloom* (Name von der Redaktion geändert) steht zusammengesunken vor “seiner” A 310 und raucht mit zitternden Händen eine Gitane Mais. Eigentlich ist hier Rauchen verboten, aber was bleibt ihm? Zuhause warten drei durstige Kinder auf ihre Alkopops, er aber hält die Stellung. “Bis nichts mehr geht”, erklärt Bloom, und resignierend fügt er hinzu: “Im Grunde ist es schon soweit. Wir haben hier alle keine Zukunft mehr.”
Was ist geschehen?
Es ging ihnen allen gut, die Lufthansa hat ihre Mitarbeiter immer pünktlich bezahlt. Das könnte bald vorbei sein, wenn “ver.di” mit seinem brutalen “Arbeitskampf” ihr Ziel erreicht und alle ihre Jobs verlieren. “Streik” nennen sie die neue Methode, ein Wortungetüm aus dem Englischen. Dort bedeutet “strike” schlagen bzw. streichen. Sie wollen alles zerschlagen, bis am Ende der Arbeitgeber gezwungen ist, die Stellen zu streichen. Um dies zu erreichen, rotten sich Mitglieder der ver.di-Bande, die sich “Gewerkschaft” nennt, zusammen, um die Lufthansa zu boikottieren.
“Sie wollen, daß wir nicht fliegen. Warum tun sie das?”, fragt Bloom verzweifelt und fügt kaum hörbar hinzu: “Aber dazu sind Flugzeuge doch da – zum Fliegen!”
Es ist kaum zu fassen, aber das Treiben der ver.di-Bande ist völlig legal!
Wie schon zuvor die Bahn, bei denen sich eine ähnliche Organisation eingenistet hat wie ein Krebsgeschwür, droht jetzt auch den Fluglinien die Zersetzung von innen. Sie stehen vor einem ausweglosen Dilemma: Zahlen sie nicht die geforderte Summe, können sie nicht mehr fliegen. Zahlen sie, droht ihnen der finanzielle Ruin. Viele Mitarbeiter haben sich der Bande angeschlossen, zu viele. Die anderen haben das Nachsehen. Die Belegschaft ist tief gespalten. Immerhin besteht Hoffnung, denn nicht alle stehen hinter den Saboteuren und ihren zerstörersichen Methoden. Unglaublich: “Da wird man übelst ausgebuht“, gibt eine loyale Mitarbeiterin zu protokoll. Übelst ausgebuht, ganz legal!
Die größte Hoffnung legen Kenner der Szene auf Gegengewerkschaften, die sich inzwischen ebenfalls bilden. So könnte es zu einem glücklichen Ende kommen, wenn jemand wie bei der Bahn der verdiente Transnet-Held Hansen in den Ring steigt und die Fluglinie rettet. Hansen, ein Sozialdemokrat, konnte die Lokführerbande immerhin so weit schwächen, daß die Bahn finanziell überleben konnte. Wir brauchen einen Lufthansen, einen, der auf der richtigen Seite steht und sich auf der anderen die Hände schmutzig macht. Für Deutschland, für den Standort, für millionen Kollegen am Boden und am Himmel.

Das ganz große Berliner Theater sondert in der Sommerpause Plattitüden ab, wo eine vernünftige Diskussion dringend vonnöten wäre. Die Frage wäre: Ist es sinnvoll, daß der Staat ein Konnjukturprogramm auflegt, um die drohende Wirtschaftskrise abzufedern? Der Oeffinger Freidenker weist auf zwei Artikel in der FR hin, die ein Ende des Sparwahns fordern. Es gibt offensichtlich gute Argumente dafür.
Michel Glos denkt laut darüber nach, Steinbrück und Merkel stehen auf der Bremse.
Was Glos im einzlenen vorschlägt, ist nicht das Gelbe vom Ei, aber selbst das Nachdenken möchte Steinbrück ihm gern verbieten.
“Krisengerede” wirft er dem Kollegen vor, das nur “verstärkt” werde, wenn man die Krise nicht ignoriert. Daß hohe Zinsen und Steuern bei steigenden Preisen und mieser Kauflaune selbst die Krise herbeiführen können, paßt nicht ins neoliberale Kampfkonzept. Niedrige Steuern gefallen den Herren nur in bezug auf Unternehmen. Die Bürger erholen sich derweil nicht von der höheren Mehrwertsteuer und ächzen unter explodierenden Energiepreisen. Was vom Monat übrigbleibt am Ende des Geldes, ist erbärmlich – ein gewaltiger Hemmschuh für den Binnenmarkt.
Die Wirkungen von Konjunkturprogrammen, höheren Investitionen des Staates, sind höchst umstritten und äußerst komplex. Daß von Neoliberalen allerdings behauptet wird, sie sie hätten bessere Mittel zur Beherrschung einer Konsumflaute, ist ein Witz.
Die Kernidee der Konjunkturprogramme oder Nachfragestimulierung ist eine sich selbst tragende Konsumbelebung. Wenn es funktioniert, wovon immer mehr unabhängige Ökonomen ausgehen, würden die steigenden Staatsausgaben durch mehr Konsum und entsprechenden Geldfluß die höheren Schulden kompensieren. Es wäre wichtig, diese Diskussion intelligent zu führen. Kluge Investitionen sind gefragt, solche, die eben den Markt beleben und das fatale Angstsparen beenden. Darüberhinaus können Investitionen, die arbeitsintensiven Betrieben nützen, verhindern, daß die Spirale aus Konsumverzicht und Entlassungen wieder in Gang kommt.
Das Thema kann hier nicht erschöpfend behandelt werden. Daher möchte ich auf einen Umstand aufmerksam machen, der den Bundesfinanzminister ins rechte Licht rückt. Daß er sich in die Riege der Finanzgenies von Waigel bis Eichel nahtlos einreiht, ist nur ein Aspekt seiner Eindimensionalität. Hochzinspolitik in Kombination mit Sparwahn hat uns die schönsten Reformen der Arbeitsmarktstatistiken beschert und immer wieder hohe Arbeitslosigkeit sowie niedrige Löhne. Das Lambsdorff-Papier war der neoliberale Sündenfall. Seitdem betätigt sich jeder Finanzminister als Hohepriester dieser Religion. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn auch Steinbrück keinen Jota vom Credo abrückt. Im Gegenteil: Er betätigt sich als Tugendwächter der Wirtschaftspolitik und verhindert jede Debatte über Alternativen.
Die Ironie in bezug auf die Diskussion über eine mögliche Nachfragestimulierung besteht nun darin, daß er ein wichtiges Argument gegen ein Konjunkturprogramm ebenfalls verhindert. Es ist ein Gedanke, der darauf hinweist, daß klassische Konjunkturprogramme nicht ausreichen. Das Problem besteht nämlich darin, daß eine einfache Nachfragestimulierung deshalb verpuffen muß, weil das Geld in einer Sackgasse landet. Wenn die bessere Konsumlaune dazu führt, daß nur wieder die Großkonzerne davon profitieren, kann man die Euros auch gleich verbrennen. Die “Geiz ist Geil” – Mentalität hat längst zu einem Konsumverhalten geführt, das ebendies befürchten ließe.
Es ist müßig, Herrn Steinbrück mit solchen oder überhaupt mit Argumenten zu kommen. Er ist der falsche Ansprechpartner. Man darf jetzt aber nicht den Fehler machen, einfach lautstark Konjunkturprogramme zu fordern. Der Neoliberalismus ist am Ende, um ihn zu überwinden, bedarf es allerdings mehr, als nur in eine andere Richtung zu marschieren.

Der Libysche Staatschef Gaddafi hat seine ganz eigene Art der Diplomatie: Blanke Erpressung. Nachdem er schon bulgarische Krankenschwestern als Geiseln genommen hatte, sind aktuell zwei Schweizer reif, die für die Verhaftung des Gaddafi-Sohns bluten müssen. Der Junior hatte gemeinsam mit seiner Gattin zwei Hotelangestellte “mißhandelt” und war deshalb festgenommen worden. Ganz nebenebei hat Papa auch alle Öllieferungen an die Schweiz gestoppt.
Wie wird die Welt darauf reagieren? Für seine letzte Erpressung war der große Revolutionsführer von Sarkozy mit dem Versprechen belohnt worden, er bekomme ein Atomkraftwerk. Vielleicht gibt’s jetzt von Bush noch ein paar Zentrifugen dazu. Immerhin hat sich Gaddafi vom Terror und von Massenvernichtungswaffen losgesagt. Beides hatte er zuvor zugegeben: Daß Libyen in Terroranschläge verwickelt war und daß es ABC-Bomben bauen wollte. Wer so ehrlich ist, dem vertraut man doch!
Mit großem Ernst wird derzeit die Möglichkeit eines Angriffs auf Iran erörtert, weil dieser Atomwaffen herstellen könnte. Von Libyen spricht derweil niemand. Hier wird in aller Stille ein wirrer Despot gehätschelt, der (ich wiederhole mich) alles hat, was man Saddam einst vorwarf. Es ist höchste Zeit, ihm kräftig auf die Finger zu hauen und über Sanktionen nachzudenken, mit denen man kurzfristig auf seine erpressersichen Eskapaden reagieren kann. Wenn wieder einmal nichts passiert, nährt das den Verdacht, man warte nur darauf, in einer geeignet scheinenden Sitaution auch in Libyen einzumarschieren. Verdient hat er’s ja längst, und er ist demnächst dank Sarko vielleicht auch wirklich gefährlich.

Einhundert millionen Euro, das ist doch ein angemessenes Gehalt. Er hat ja auch etwas geschafft: Der Gewinn von Porsche ist größer als der Umsatz, jubelt SpOn. Nur nicht drüber nachdenken! Die Sternschnuppen des Q-Journalismus bemühen sich auch nicht, das zu erklären, es würde nur die tolle Nachricht verwässern. Daß Gewinne aus Dividenden, Beteiligungen und Optionen nämlich quasi kostenfrei erzielt werden, ist das Geheimnis des großen Zaubers. Würde das Geld, das darin investiert ist, dem Umsatz zugeschlagen, stiege dieser entsprechend, und das Wunder wäre keins mehr. Setzt man “Gewinn” in Beziehung zum “Umsatz”, wäre das größte Wunder dadurch zu erreichen, daß gar nichts mehr produziert und der Konzern von der Substanz und dem Glück am Markt leben würde. Ich kenne den Vertrag von Herrn Wiedeking nicht, aber es könnte seinem persönlichen Einkommen durchaus zuträglich sein, genau das zu tun: Die gesamte Produktion verhökern und in den folgenden Jahren nur noch kassieren, was unter Lizenz von anderen erwirtschaftet wird.
Tendenziell ist Porsche also kein “Autobauer” mehr, sondern ein Finanzbetrieb, eine Bank. Ob dieser Sachverhalt die Beteiligungen wiederum zum “Umsatz” machen würden, entzieht sich meiner laienhaften Kenntnis. Es ist ohnehin eine akademische Frage.
Porsche hat ca. 11400 Mitarbeiter. Porsche.com nennt eine ähnliche Zahl für 2006 für den “Porsche Konzern”, während die “Porsche AG” gut 8200 hatte. Ich bin zu faul, um den Unterschied zu recherchieren. Nehmen wir die größere Zahl, dann bedeutet dies, daß jeder einzelne jährlich ca. 8800 Euro für den Chef erwirtschaftet. Nun kann man einwenden, daß die Mitarbeiter nur für den Umsatz sorgen, nicht für den Gewinn (aus der Substanz). Dies aber gilt ebenso für den Chef. Der dialektisch geschulte Wirtschaftsexperte oder wahlweise der ausgebildete Journalist wird dem entgegnen, daß die Mitarbeiter nicht für den Gewinn verantwortlich sind. Im Gegenteil: Sie sind so verzichtbar, daß sie sich jederzeit einen anderen Arbeitgeber suchen dürfen, wenn man sie nicht mehr braucht.
Was die Bezahlung der Mitarbeiter anbelangt, ist Porsche allerdings zu loben. Sogar nicht vereinbarte Sonderzahlungen kommen vor. Ganz ohne Hohn sehe ich darin ein gutes Zeichen. Andere Konzerne könnten sich davon eine gute Scheibe abschneiden.
Ich gönne Herrn Wiedeking ein hohes Gehalt, meinetwegen auch ein zu hohes. Aber 100000000 Euro sind schon nicht mehr obszön. Sie sind ein Fanal der Ungerechtigkeit.

Nachdem ich gestern das Thema bereits angekratzt hatte, drängt es sich heute auf: Wie viele Milliarden braucht man, um Fußball zu spielen? Die Rummenigges und Rauballs laufen Amok, weil das Kartellamt sich erdreistet hat, die Zuschauer nicht auszuplündern zu lassen, damit sie noch samstags zu einer akzeptablen Zeit in Bild und Ton über den Spieltag informiert werden. Fußball im Fernsehen mag ein schrecklich profanes Thema sein, aber es kreuzen sich hier alle Linien, die den Konflikt zwischen einem losgelassenen Markt und den Interessen der Menschen aufzeichnen.
Es geht um zusätzliche Einnahmen aus dem exklusiven Recht des Pay-TVs, über die Spiele zu berichten. Bereits jetzt zahlt “Premiere” 220 millionen Euro für Live-Berichte und andere Exklusivrechte. Es sollte noch mehr werden, unter der Bedingung, daß jeder, der vor 22 Uhr Spielberichte sehen will, dafür zahlt. Daß vor allem die Chefsympathen von Bayern München jetzt schäumen, ist so durchsichtig wie albern. Die Bayern haben Jahr für Jahr etwa das doppelte Budget von Werder Bremen (60/30 Millionen) zur Verfügung. Der Gesamtumsatz der Bayern liegt bei knapp 190 Millionen.
Die reichsten europäischen Vereine setzen über 250 Millionen um. Die Bayern, die gern das eine oder andere Milliönchen investieren, um Talente anderer Vereine auf der Tribüne versauern zu lassen, geifern nicht nur ihre Überzeugung heraus, man könne durch Geld – und nur durch Geld – guten Fußball zustande bringen, sie beschwören auch noch den Untergang des deutschen Fußballs, weil sie nicht mit Clubs mithalten können, die ein paar Prozent mehr in teure Superstars investieren. Von Gewinnen ist in dem Zusammenhang natürlich keine Rede, das ganze Geld dient nur der Ehre von Volk, Fußball und Vaterland.
Daß Geld allein nicht zum Erfolg führt, haben Clubs wie Schalke, Berlin, Wolfsburg, Dortmund, Stuttgart und andere in den letzten Jahren eindrucksvoll demonstriert. Selbst Bayern und Madrid haben übles Gekicke für massig Kohle abgeliefert. Der Unterschied liegt darin, daß sie seit Jahrzehnten kaufen wie blöde und damit die Statistik aufpolieren.
Es ist wie im richtigen Leben: Diejenigen, die den Hals schon voll haben, wollen sich ein Recht darauf sichern, so viel Geld zu drucken, daß die Underdogs ihnen nicht mehr in die Suppe spucken. Das blöde Argument, daß irgendwo auf der Welt irgendwer noch mehr “Money for Nothing” einheimst, wird zum “Standortfaktor” erklärt, der Deutschland in den Ruin treibt. Wörtlich:
- “Es wird immer schwieriger, international wettbewerbsfähig zu sein” (Rummennige)
- “Das könnte den deutschen Profi-Fußball um Jahre zurückwerfen” (Rauball)
- “Wir sind auf dem besten Weg, den Standort Deutschland für den Profifußball massiv zu gefährden” (Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga)
Derselbe Sermon, der jedesmal daher geleiert wird, wenn hohe Gewinne nicht hoch nicht genug sind.
Es ist nie die Rede davon, daß jemand davon profitiert, wer davon profitiert und welche Substanz dahinter steht. Mehr als hundert Jahre Vereinsfußball, zigmillionen Fans und Aktive haben dafür gesorgt, daß es “diesen Fußball” gibt. Sie haben nichts dafür verlangt, sondern einfach ihre Leidenschaft investiert. Die aktuelle Generation dieser Zuträger soll jetzt die Klappe halten und zahlen. Sie sind Rechtlose und Untertanen.
Aktiengesellschaften und andere Geschäftemacher, die den ganzen Zirkus gekauft haben, halten sich ernsthaft für die Eigentümer dieser Welt, woraus sie aggressiv das Recht ableiten, immer mehr davon zu haben. Kein “Argument” ist dafür zu dumm. Die dümmsten werden Tag für Tag in die Öffentlichkeit geblasen.
Daß es überhaupt noch staatliche Instanzen gibt, die diesem Alptraum entgegentreten, ist den nimmersatten Idelogen der Raffgier ein rostiger Nagel in ihren kalten Augen. Wie so oft, gibt es keinen Aufschrei der Massen, geschweige denn einen Aufstand. Im Gegenteil: So lange es “Fans” der FC Bayern AG gibt, dürfen sich die grauen Herren beinahe bestätigt fühlen.

Dritter Arbeitstag, mir ist übel und ich habe überiridische Kopfschmerzen. Als tapferes Lohnviech gehe ich natürlich trotzden malochen. Mache mir vor, ich würde gebraucht. Die lieben Kollegen haben aber alles im Griff, und ich gehe eine Stunde früher. Wenn ich das nächste Mal arbeitslos werde, wird mir meine faule Überflüssigkeit aber sowas von Spaß machen!
Anmerkung vom Admin: Dat war Migräne!
Quatsch! Dann hätte ich das ja öfter.
Admin: Dat kann ja noch kommen!
Sei still, meine Eltern kommen beide vom Niederrhein!
Admin: Äh, wat??
Ich habe keinen Migrationshintergrund.
Admin: Sehr witzich. Bisse sicher, dat dat enn Argument is?
Mist, jetzt, wo du’s sagst – mein Opa kam aus Schlesien. Meinst du, es könnte daran liegen?
Admin: /logoff.

Es tut mir leid, das Sommerloch scheint sich tief in mein Hirn gebrannt zu haben. Vielleicht sollte ich demnächst mehr Selbstreferenzielles bloggen, das geht ja immer.
Einen hätte ich allerdings noch, vom Spocht: Wenn nichts mehr geht, geht bei mir immer TV-Sport. Heute ganz nett Dortmund gegen Bayern. Es war zu erkennen, daß Jürgen Klopp die Weisheiten offenbar umzusetzen weiß, die er in seinen Kommentaren stets von sich gab. Vor allem die Arbeit im defensiven Mittelfeld, doppeln vor dem Strafraum etc., sahen gut aus. Bayern hat verloren, ein schöner Tag.
Der Grund, das Ereignis zu erwähnen, ist freilich ein anderer. Das Fußballspiel war das des Deutschen Meisters gegen den “Pokalsieger”. Da die Hoenesse nicht gegen sich selbst spielen wollten, mußte halt der Finalgegner noch einmal ran. Und wie hieß die Veranstaltung?
“T-Home-Supercup im Signal-Iduna-Park”. Kapitalismus ist so bescheuert, daß man ihn manchmal herzen und knuddeln möchte. Die Trophäe (ein Bild von dem Ding kann man hier bewundern) paßt übrigens hervorragend zum Titel. “Scream” fällt mir dazu ein. Nur nicht ganz so laut, bitte!

Nachgerade rührend illustriert Dr. Dean den Unterschied zwischen dem, was Politk wäre, wenn sie Politik wäre und dem was sie ist: Funktion einer Marktideologie.
Wie weit sich der Mehltau über die gesellschaftlichen Bereiche Wirtschaft, Poltitik, Information und Bildung gelegt hat, kommentiert Jochen Hoff: Wenn die Uni Frankfurt, einst Hauptsitz der Kritischen Theorie, Josef Ackermann mit bemerkenswert destruktiver Energie eine Honorarprofessur zum Opfer bringen will, kann niemand mehr sagen, es laufe etwas falsch in diesem Land. Es ist vielmehr eine Orgie des “falschen Zustands”, die da stattfindet. Wäre Politik Religion, dürfte man adäquat auf den Altar scheißen und anschließend im Taufbecken vögeln.
Die Franzosen sind schon weiter und haben die Majestätsbeleidigung wieder eingeführt. Wer den Sohn des Sonnenkönigs kritisert, verliert seinen Job. Während Sarko sein Bumsgestell vorführt, um davon abzulenken, daß er ein politischer Versager ersten Ranges ist, lenkt sein Sohn wiederum davon ab, weil er schon als partyjugendlicher Politerbe noch unerträglicher ist. Ausgerechnet mit vorgeblichem “Anstisemitismus” wird da argumentiert. Es finden sich immer nützliche Idioten, es ist immer nützlich, idiotische religiöse Ressentiments zu bedienen, um dumpfe Empörung zu schüren. Wehe aber, es empört sich jemand über soziale Ungerechtigkeit oder Machtstrukturen.
Italien zeigt sich einmal mehr richtungsweisend: Berlusconi ist immun. Wer glaubt, das sei halt so im mafiösen Rom und gelte nicht für Resteuropa, soll einmal ein paar Jahre warten. Wir halten derweil still und glauben an das Gute.
Die Financial Times Deutschland mausert sich derweil zu einer Piste verborgener Kritik. Ironie vom Feinsten: Während politische Dilettanten es für ihre Bestimmung halten, kapitalistischer zu sein als der Kapitalismus, gönnt sich die Wirtschaftspresse mehr politisches Denken als jene:
Wenn wichtige Sozialdemokraten nun eine Neuauflage der Großen Koalition einer denkbaren Ampelkoalition vorziehen, bedeutet das auch: Angesichts der geringen Aussichten, 2009 stärkste Partei zu werden, würde die SPD de facto erstmals in ihrer Geschichte antreten, um eine Wahl zu verlieren. Was das mit politischer Verantwortung zu tun hat, muss einem erst einmal einer erklären.
Wolfgang Münchau weist in die richtige Richtung. Man kann ihm nicht wirklich abverlangen, Werbung für ein Linksbündnis zu machen, seine Konsequenz bleibt daher auf halbem Wege stecken. Seine Analyse ist immerhin weitsichtig:
In Deutschland wird die Linke weiter an Zulauf gewinnen, die SPD weiter schrumpfen und die Größendifferenz der drei linken Parteien immer kleiner. Wenn sich die SPD irgendwann zu einer Partnerschaft mit der Linken durchringt, wird das wahrscheinlich auf Augenhöhe passieren.”
Die sogenannten “Aufklärer” des 18. Jahrhunderts, seien es fehlinterpretierte Monarchen oder halbkritische Philosophen, hatten auch nie die Absicht, bestehende Machtstrukturen zu verändern. Immerhin gelang es ihnen, sich vom religiösen Wahn und den Lügengebäuden zeitgenössischer Dummheit entschieden zu lösen. Wir schreiben das Jahr 2008. Es ist “Demokratie“, gern übersetzt als “Volksherrschaft”. Die Welt ist informell vernetzt. Was hat sich geändert?
Weise formuliert der Wikipedia- Artikel:
Heute wird Demokratie zumeist als allgemeiner Sammelbegriff für Herrschaftsformen gebraucht, deren Herrschaftsgrundlage aus dem Volk abgeleitet wird“.
“Abgeleitet”, fürwahr. Die Herrschaft und ihre Formen werden immer weiter von den Völkern abgeleitet, und es sieht nicht so aus, als kehre sie auf absehbare Zeit dorthin zurück.

Erster Arbeitstag nach dem Urlaub. Schmeckt wie Schluckimpfung.

Der Winter ist mild. Socken und zwei Pullover müssen reichen, Heizung bleibt erst mal aus.

Journaille lallt sich einen ab über Blogger. Fazit: Es gibt mehr Chinesen als Liechtensteiner, letzteren geht es im Durchschnitt aber besser.

Blogger regen sich auf über Journaille. Fazit: Es ist gar nicht bewiesen, daß es den Liechtensteinern besser geht.

Karadzic gefaßt. Abgebrüht der Mann, hätte allen Grund, sich aufzuregen.

Toter Schauspieler macht großes Kino und soll für Oscar nominiert werden. Gute Idee, die SPD frohlockt und wählt Willy Brandt zum Kanzlerkandidaten.

Bergsteiger werden gerettet. Die PKK bekommt im Gegenzug die Erstentführungsrechte am Nanga Parbat.

Noam Chomsky lebt und schreibt. Lesen!

Nase läuft. Ich deliriere. Wo zur Hölle ist mein Bett?

Die Berliner Republik weiß sich zu wehren gegen die Vereinnahmung durch fremde Agitatoren. Nachem schon das Brandenburger Tor nicht infrage kam für eine Rede des US-Senators Obama, da es “kein geeigneter Ort für einen Wahlkämpfer” sei (A. Merkel), ist die Siegessäule auch keine Alternative. Grund: Die Nazis verbanden damit die falschen Siege. Warum will Obama eigentlich unbedingt in Berlin sprechen? “Die Hauptstadt” ist voller gefährlicher Symbole. Berlin war jahrzehntelang die Kapitale zweier brutaler Diktaturen. Muß man ausgerechnet dort reden? Dann könnte Obama ja gleich den Reichstag für seine Rede auswählen, jenen furchtbaren Ort, an dem Adolf Hitler und die Nationalsozialisten die Demokratie abschafften!
Warum also Berlin? Es gäbe so viele besser geeignete Plätze für unseren farbigen amerikanischen Freund. Braunschweig zum Beispiel. Die Pommes frites – Fabrik in Eschborn zum Beispiel oder den Friedhof von Bitburg. Man sieht’s mal wieder: Obama ist außenpolitisch ein blutiger Anfänger. Sonst wüßte er, daß die Deutschen sehr sensibel reagieren auf braune Redner vor belasteten Symbolen. Wir sind ja tolerant, aber wenn wir das einmal zulassen, wird es nur immer extremer.
Man kann CDU und FDP in ihrer ablehnenden Haltung nur zustimmen. Deutschlands politische Elite tut gut daran, ihre Prinzipien nicht zugunsten irgend eines Lokalpolitikers aus Illinois aufzugeben.

Wir hatten bereits eine Diskussion darüber: Die Armen werden aus den Städten verdrängt. Beim Interview mit SpOn macht Hartmut Häußermann Vorschläge, wie man die Bevölkerung nicht völlig auseinander fallen läßt. Wenn es schon nicht aufzuhalten ist, daß eine soziale Säuberung der Städte durch hohe Kosten stattfindet, will er wenigstens die Möglichkeit erhalten, daß Kinder unterschiedlicher Schichten gemeinsam unterrichtet werden. Gemeinsamer Unterricht für die Unterschicht, Teilhabe by bus, sozusagen. Dies wird auf wenig Gegenliebe stoßen, es wäre ein doppelter Affront gegen das Volk der Innenstädte. Wenn schon Kinder, dann all inclusive, erklärt Häußermann:
Heute haben in jüngeren Haushalten oft beide studiert, der Akademikeranteil bei Frauen ist rasant gestiegen – und die wollen ihre Qualifikationen auch einsetzen. Also fahren zwei Leute ins Büro. Kommen Kinder dazu, wird die Logistik komplizierter: Die Kleinen müssen zur Schule, dann zur Nachhilfe oder zum Ballett. Wenn kein Personal da ist, das das organisiert, ist die Innenstadt der Wohnort der Wahl – deshalb entstehen überall diese familienfreundlichen Townhouses.
Diese “familienfreundliche” Infrastruktur will er auch dem Prekariat zugänglich machen, freilich nur den Pflichtteil. Beim Ballett werden die hamburgergeschwängerten HartzIV-Würstchen außen vor bleiben. Immerhin dürften sie so ein bißchen nicht ganz so unheile Welt schnuppern.
“Familienfreundlich” ist in diesem Sinne natürlich weit ausgelegt. Double income no kids dürfte die Regel bleiben, ggf. ein Stammhalter oder zwei gut gebürstete Reithof- und Tennisclubsteppkes sind Familie genug, und man muß es auch nicht übertreiben mit dem fortgepflanzten Teil der Städter, sonst wird es nur laut und lästig.
In Potsdam hat das Volk dem ausufernden Kinderwahn just aktiv einen Riegel vorgeschoben. Eine Schule in bester Lage, dazu noch Unterricht in unverständlichen ausländischen Sprachen, das paßt nun einmal nicht zwischen die ehrenwerten Häuser. Ganz konsequent wurde die Schule also abgefackelt – wie schon zuvor der Jugendclub an derselben Stelle. Das Volk greift zu revolutionären Mitteln, die Solidarität ist beispielhaft: Niemand hat etwas gesehen oder gehört. Daß es schon so weit kommt, ist alarmierend, die Innere Sicherheit in Gefahr. Die kulturelle Notwehr der Leistungsträger unterstreicht die Forderung nach mehr Schutz für die Innenstädter. Man muß auf der Hut sein, denn der Pöbel könnte glauben, er hätte nun auch ein Recht auf außergesetzliche Maßnahmen.

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