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Januar 2008


Bereits gestern sind wir vor den Russen gewarnt worden. Heute legt Springer in kleineren Buchstaben nach: Die “Welt” erklärt uns die furchtbare Gefahr des Kommunismus. Hans Modrow kommt wieder, und mit ihm Mauer und Stacheldraht. Was der Blödsinn soll? Zum Beispiel den Finnen mit dem Russen austreiben: In der Frankfurter Rundschau macht sich Harald Dix, Ex-AEG-Betriebsrat, Gedanken über Nokia in Bochum und wie das Werk noch zu retten sei. Gutes Motiv, falscher Weg. Wie gefährlich linkes Gedankengut sein kann, könnte am Beispiel Nokia deutlich werden: Sie sollen gehen! Harald Dix hat recht, wenn er sagt: “Nokia braucht Deutschland als Markt”. Sollen sie das doch lernen! Das Tischtuch ist zerschnitten, es gibt kein Vertrauen mehr zwischen dem Konzern drüben und Mitarbeitern wie Kunden hüben. Da ist nichts zu retten. Anstatt sich den Gierhälsen jetzt vor die Füße zu werfen, sollte man sie ziehen lassen und ganz selbstbewußt die Tür hinter ihnen zuschlagen. Gewinne kann man hier machen. Die Infrastruktur ist Weltspitze. Die Leute sind hochqualifiziert, zuverlässig, flexibel und umsichtig. Es wird sich jemand finden, der das zu würdigen weiß. Und wer hier in Zukunft ein Bein auf den Boden kriegen will, muß etwas bieten. Es gibt so viele böse Instrumente, um die Heuschrecken das Fürchten zu lehren. Es gibt Steuern, Zölle und eine Öffentlichkeit, die ein Auge auf die Produktionsbedingungen hat. Es gibt Kritik und Wahrheit als Waffe. Es gibt Menschen, die nicht nur doof und geizig sind, sondern auch als Konsumenten gerecht entscheiden können. Wehe, wenn sie losgelassen!
Was das mit der Linkspartei zu tun hat? Seit sie durch die Nation huscht, wird wieder gesprochen von “Gerechtigkeit”. Zu den Zeiten des seligen schwarzgelbrotgrünen Neoliberalismus’ wäre der Fall Nokia nur für eines gut gewesen: Den Leuten weiszumachen, sie wären zu teuer, und man müßte ihnen bedauerlicherweise die Löhne wieder kürzen. Das traut sich heute niemand mehr. Von daher hat Günther Lachmann mit seiner Lachnummer recht: Diese Linken sind gefährlich. Wer vor ihnen Angst haben muß, das ist allerdings eine ganz andere Frage.

Habe ich gelacht! Döpfners Dumpfbrigade schürt heute die Angst vor dem “Links-Staat”. Vom Titel oben rechts herab lächeln die Top-Dämonen Lafontaine und Gysi. Der Links-Staat: Folterkeller für Leistungsträger, Waffenfreiheit für jugendliche Ausländer, alle Grenzen offen. Sicherheit wird vollständig angeschafft. Wer die meisten unbescholtenen Bürger hinterrücks niederschlägt, bekommt eine Rente. Vor allem brutale Attacken auf Alte, Kranke und Kleinkinder werden gefördert. Alles gehört allen. Die Industrie wird aus dem Land gejagt. Hyperinflation, Hunger, Cholera und Internet werden herrschen. Über all dem das diabolische Grinsen des Linksparteimanns und finstere Blicke aus sieben mal sieben Augen unter sieben mal sieben Hörnern.
Hättet ihr doch Roland Koch gewählt! Die Welt wäre voller Freude und Anmut, Zuversicht und Reinheit. Aber ihr mußtet es ja besser wissen! Was ab sofort Tag für Tag über euch ergehen wird: Sehet, ihre Rache wird furchtbar werden! Sie wird euch ins Mark treffen, und Eure Milz wird die Galle durch den Leib treiben, auf daß sie Euer Hirn aufschäumt.
Ihr könnt natürlich auch einfach ignorieren, was das Springergesocks da vor sich hin deliriert.

Roland Koch hat in der Hessen-Wahl dramatisch verloren. Und das ist gut so. Die Anti-Ausländer-Nummer zieht offenbar nicht mehr – und darauf können wir endlich mal richtig stolz sein.”
Dies läßt der Claus Christian sich bei SpOn sagen, unter dem Titel: “Brutalstmögliche Quittung für den Populisten”.
Da steckt alles drin, was Quäljournalismus braucht: Gut und Böse, Schuld und Sühne, Wir-Gefühl, akneartige Volksseelsorge, schlechter Stil, Lug, Trug und, ach: Es is halt Malzahn. Der Mann, der für den “Spiegel” zur Wahl Merkels aufrief. Der Mann an der Seite der USA. Der Typ, der alles anhimmelt, was ihm mächtig erscheint und als erster “hängt ihn” schreit, wenn jemand strauchelt. Einer der wenigen, deren Kritik selbst Roland Koch kaum verdient hat.
Malzahn hätte reichlich Gelegenheit gehabt, sich rechtzeitig zu positionieren. Zu erklären, welche Sauereien sich der Herr von Hessen da geleistet hat und vor allem: Wie peinlich es für eine Bundeskanzlerin ist, so etwas zu unterstützen. Er hat es nicht getan.
Nein, er wartet, bis der Mächtige die Macht nicht mehr in Händen hält. Er weiß scharf zu unterscheiden zwischen dem Verlierer und seiner nach wie vor mächtigen Unterstützerin. Letztere wäscht er natürlich rein:
Im Wahlkampf war sie, wie immer in schwieriger Lage, gewohnt zweideutig: Für Kochs Wahlkampf, und irgendwie auch ein bisschen gegen ihn“. Das ist schlicht gelogen. Merkel war es, die “keine Tabus” zulassen wollte. Und wenn sie denn immer so zweideutig ist, wenn es drauf ankommt, warum hechelt Malzahn sie sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit an?
“Wir dürfen” also “stolz sein”? Wer, “wir”? Ist Malzahn Konvertit? Ist er jetzt Hesse aus religiöser Überzeugung? Oder sind “wir alle” Hessen? Sind auch die Niedersachsen Hessen? Gott, das würde kompliziert!
Die Ablehung der “Anti-Ausländer-Nummer” soll uns stolz machen. Wo bei Herrn Malzahn (Zitate aus dem nämlichen Artikel) “goutiert” und “reüssiert” wird, ist auch der Slang ganz natürlich zuhaus. Diese stilitische Zumutung könnte man ertragen, wenn der Schaum der Attitüde wenigstens sporadisch von Inhalt angereichert würde. Wenn er nicht dem Wort Gewalt antäte, um den Guten und dem Bösen schon einen Klang zu verschaffen. Was aber da an blödem Unfug zusammen geschustert steht, mag ich gar nicht mehr kommentieren. Ich weiß, das ist ungerecht. Aber aus gesundheitlichen Gründen kann ich mich damit nicht auch noch herumschlagen.

Er hat doch noch gewonnen! Ein Arbeitssieg, aber schließlich mit einer eindeutigen Mehrheit von 0,1 % der Stimmen. Damit geht die Aufforderung zur Regierungsbildung an den amtierenden Ministerpräsidenten Koch. Er wird eine große Koalition anführen.
Wer das für Schwachsinn hält, mag zwar recht vernünftige Gründe haben, verkennt aber die Macht der Rituale in der deutschen Politik. Was wird am Ende wohl den Ausschlag geben: Vernunft oder Ritual?
Sie haben sich wie immer eingemauert: Die F.D.P. will nur schwarz, die Schwarzen nur bürgerlich, die SPD nicht mit den Linken. Letzteres ist schon ein trauriges Kapitel: Während überall in Europa solche Parteien, die sich explizit “kommunistisch” nennen, ganz normale Parlamentsarbeit machen dürfen, werden hier Gewerkschaftler und Ex-Sozialdemokraten behandelt wie blutrünsitge Stalinisten, weil sie in ihren Reihen ein paar windige Hobbymarxisten dulden und im Osten noch Karteileichen aus der SED sitzen. Die Partei der Altnazis und Blockflöten, CDU, sollte mal jemand über ihre Geschichte aufklären. Die SPD sollte so schnell wie möglich ihren Beißreflex nach links ablegen. Sie trifft eh nur das eigene Fleisch.
Ganz groß sind aber die “Freien” Demokraten. Leute, wer wählt denn sowas? Ein Verein, der jedem Hetzer hinterher kriecht, wenn er dafür mitregieren darf. Eine Partei, die “Freiheit” sagt und die Henker der Grundrechte hofiert. Leute, die seit Jahrzehnten “Bürokratieabbau” versprechen und in dreißig Regierungen aber auch gar nichts dazu beigetragen haben. Wenn die CDU ihre eigenen Wähler verprellt, reicht es schon mal für gut 9% bei der F.D.P.. So vielen Leuten geht es so gut, daß ihnen gegeben wird – genau von denen. Mit der F.D.P. ist weiterhin zu rechnen wie mit Überschwemmungen und Verkehrunfällen, darauf kann man setzen. Nur darf niemand erwarten, daß diese bornierte Truppe überflüssiger Krawattenträger je etwas Nützliches zustande bringen wird.
Alles wird also beim Alten bleiben, weil sich niemand bewegt. Das einzige, das mich stutzig macht, sind die Wähler. Wieso wählen die ein Parlament, wenn es gar keine Parlamentarier mehr gibt?

Ein stinknormales kleines Virus, keine Influenza, keine -itis, und ich liege seit Tagen auf der Schnauze. Nicht mal Appetit ist vor Ort, und den habe ich sonst immer. Das ist ungerecht! Ich will sofort einen Anwalt! Ich will auf den Aarm! *istdochwahrkannichnichleidennörgel*

Mehr Kontrolle tut not:
Die Bundesagentur für Arbeit wird nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung künftig [2005] mit einer elektronischen Rasterfahndung nach Betrügern forschen, die unberechtigt das neue Arbeitslosengeld II beziehen“.
“Kontrollen wie beim Zoll” nannte die Bundesregierung Anfang 2006 die Maßnahmen zur Enttarnung von Hartz-Parasiten. Ein eifriger Zoll, meine ich, wenn Miss Marple von der ARGE schon 2005 wußte, wo der Grauschleier saß:
Sie lässt sich das Schlafzimmer zeigen. Sie interessiert sich vor allem für Schränke und Kommoden. Wenn darin Herrenunterhosen und Damenunterwäsche nebeneinander liegen, könnte das auf ein Paar hindeuten“.
Mitte 2007 bezogen mehr als 7 Millionen Menschen Leistungen nach dem ALG II. Je nach Schönschreibe sind es mindestens 5 Millionen. Nimmt man also jedem dieser Betrüger 1000 Euro ab, die sie zu unrecht bezogen haben, kommt ein erklecklich Sümmchen zusammen: 5 Milliarden Euro.
Die kann man dann in den EU-Fonds für notleidende Banken einspeisen und die Société Générale retten. Die französische Bank wurde just um 4,9 Milliarden betrogen – von einem Mitarbeiter der unteren Ebene. Man kann die Tränen des Mitleids kaum unterdrücken: Den armen Banken, von Bürokratie und staatlichen Schikanen gebeutelt, fehlen die Mittel, um ihre eigenen Geschäfte zu kontrollieren. Wenn die freie Marktwirtschaft weiter so unterdrückt wird in Europa, muß man sich nicht wundern, wenn das Kapital abwandert.

Gelassenheit hat sich die SPD verschrieben in ihrer Reaktion auf die Messerattacke von Wolfgang Clement auf die Genossin Ypsilanti. Das ist erstaunlich weise, und es ist richtig, denn jugendlichen Rüpeln oder ähnlich motivierten unreifen Marodeuren sollte man nicht mehr Aufmerksamkeit schenken als nötig.
Zu den Ursachen für das parteischädigende Verhalten des immer schon nur angeblichen Sozialdemokraten gehört in vorderster Linie sicher die Lobbyarbeit für RWE, da sind sich die Beobachter einig. Nun sagt Clement obendrein:
Ich habe die Positionen beschrieben, für die ich ein Leben lang gekämpft habe, und dabei bleibt es“. Wer nicht richtig hinhört oder die zugrunde liegenden Zusammenhänge übersieht, verpaßt hier das Beste. Die Frage ist doch: Wäre die (mögliche) Energiepolitik von Frau Ypsilanti ein hinreichender Grund, für die Wahl Roland Kochs einzutreten? Und: Kann ein SPD-Mitglied die mindestens tendenziell rassistsiche Politik Kochs unterstützen? Wir wissen nicht, was die SPD kann, aber Clement kann das definitiv. Hier sei an “Ibrahim” erinnert, den Hartz-IV-Parasiten: Clement hat schon als verantwortlicher Wirtschafts- und Arbeitsminister mit fremdenfeindlicher Propaganda aufgetrumpft, die in seinem Namen Menschen mit Parasiten gleichsetzte. Seinerzeit verwendete er diesen Begriff auch in der Bildzeitung gegenüber ALG-II- Empfängern. Clement hat nichts gegen übelste Diskriminierung einzuwenden. Er betreibt sie selbst. Von daher findet er nicht nur einen Grund, Koch zu unterstützen, sondern ihm fehlt auch jede Hemmung oder Berührungsangst gegenüber der Hetze, die von der CDU derzeit betrieben wird.
Daß “Bild” sie dabei unterstützt, wurde bereits besprochen. Das unbestrittene rhetorische und intellektuelle Großgenie Ronald Pofalla zeigt sich jetzt dafür erkenntlich. Mit seinem erbärmlichen Versuch, dem Gegner eins auszuwischen, betätigt er sich routiniert als nützlicher Idiot und läßt verlauten:
Wolfgang Clement ist der erste Mutige, der die Wahrheit ausspricht.
An diesen Satz ist nicht Wahres, Richtiges oder Relevantes, aber er ist nun einmal fast wörtlich der Slogan der Bildzeitung. Der Brei aus Ressentiment, Vetternwirtschaft, PR, Schmierenjournalismus und einer “Politik”, die noch imstande ist, ihr eigenes Niveau zu unterbieten, stinkt unerträglich. Wer sich das noch als Menü seiner Wahl vorsetzen läßt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

gollum

Kein Grundrecht ist absolut.  
 

Darf man ihn jetzt also erschießen?

Die “Zeitung” von Doofen für Doofe macht heute mit einem Schlager auf: Udo Jürgens will kriminelle ausländische Jugendliche abschieben. Jeder Durchfall braucht halt einen mutigen, der ihn löffelt. Daß Ronald Koch durch weitere Haßtiraden auch nicht mehr zu retten ist, haben die Herren wohl noch nicht geblickt. Traurig ist nicht nur das, sondern auch die Methoden, derer sie sich bedienen. Wollen sie wirklich, daß ein Österreicher uns erzählt, wer in den Volkskörper gehört und wer nicht? Und woran erinnert mich das?

Er hilft uns. Er macht uns besser. It’s just “boom” “blasting”.
Tom Cruise, dessen Filme ich schon scheiße fand, ehe ich sie scheiße fand, weil Tom Cruise mitspielt, erklärt Scientology. Diese Gehirnwäscheanstalt zur Finanzierung notleidender Milliardäre ist eine gute Alternative zu Selbstmordattentätern und dem Humor islamistischer Analphabeten. Etwas teurer freilich, aber dafür friedlich. Ein paar Zichmilliarden für Koraninterpreten, und schon ist die Welt besser. Oder wenigstens ein paar Milliönchen für jeden Schlagerinterpreten des Jihad. Ich werde bei der nächsten al-Qaida-Sammlung das kleine Schwarze von Chanel für den Weltfrieden opfern. Merke: Fanatismus macht Spaß, wenn die Kasse stimmt.
Was mich stutzig macht, ist allerdings die Behauptung, Scientology mache drogenfrei. Wenn Cruise diese Nummer drogenfrei hingelegt hat, mache ich mir ernsthaft Gedanken, ob ich nicht doch die Fronten wechsle.

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