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September 2007


atomerkel

Die bislang beste Verschwörungstheorie, der ich je begegnet bin, wird derzeit im Politblog diskutiert. Sie ist deshalb so gut, weil sie eine Theorie ist. Es fragt sich allerdings, warum die Story nicht auch von anderen an die ganz große Glocke gehängt wird – denn dort gehört sie hin.
Daß man die Geschichte für wahr halten kann, spricht Bände: Verlorengegangene Atomsprengköpfe, eine Revolte in der US Air Force, ein gescheiterter Angriffsplan gegen Iran. Diese filmreife Geschichte kann man für wahr halten, weil es seit Bush Junior keine Politik mehr gibt im Westen, geschweige denn Diplomatie. Den verheerenden Umgang mit einer Demokratie, politischen Gegnern, den Mitbürgern, ehemals befreundeten Regierungen und Journalisten illustriert aufs Deutlichste und sehr bedrückend Seymor M. Hersh in der ZEIT. Nichts ist unmöglich unter dem Bush-Regime. Nichts, außer Vertrauen. Selbst die fundamentalen Grundzüge menschlichen und politischen Anstands sind ausgelöscht. Deshalb muß man aufhorchen, wenn es Fakten gibt, die auf den nächsten Coup hindeuten.
Die kürzlich vor der UN und in der westlichen Öffentlichkeit angeleierte Kampagne gegen Iran ist beunruhigend, nicht zuletzt, weil gleichzeitig Israel gegen Syrien in Stellung geht.
Politisch dürfte kein Zweifel daran bestehen, daß Bush die Entscheidung im Nahen Osten sucht. Das war die Vorgabe für den Irakkrieg, und nach dessen scheitern kann sie nur noch durch den ganz großen Schlag erreicht werden. Bush hat nicht mehr allzuviel Zeit, um seine desaströse Amtszeit noch zu wenden. Cheney und die anderen Profiteure haben nicht mehr viel Zeit, sich mit Steuergeldern einzudecken. Der Krieg ist in ihrem Interesse.
Die israelische Regierung unter dem unsicheren Hampelmann Olmert wird sich keiner Aggression entgegenstellen, die in Washington geplant wird. Sie wird ihren strategischen Vorteil suchen und nutzen, sollte es soweit kommen.
Zwei Faktoren bleiben übrig, die den Krieg verhindern können: Die Öffentlichkeit, worunter auch befreundete Regierungen zu verstehen sind, und das US-Militär.
Auch dieser Gedanke macht die Verschwörungstheorie plausibel: Die Generäle haben keine Lust, den Plänen eines Wahnsinnigen zu folgen, und das letzte Aufgebot in Gestalt des Operettengenerals Petraeus repräsentiert nicht die US-Armee. Das sinnlose Sterben für irrwitzige Ziele aufgrund haarsträubender Vorstellungen macht Generäle und Privates nicht länger stolz. Sie ahnen, daß sie für ein Verbrechen verheizt werden. Die Verbündeten haben nicht mehr als Häme für die Bush-Administration übrig.
Bush hat alles entzweit und zertrampelt, was eine westliche Kultur und Zivilisation war. Darum muß heute mit allem gerechnet werden. Das hat auch damit zu tun, daß er auf zuwenig Widerstand der westlichen Regierungen gestoßen ist. Und selbst nachdem die Welt genau weiß, mit wem sie es zu tun hat, nachdem Bush sogar seine konservativen Wähler laufen gehen, nachdem die US-Armee offenbar meutert, die treuen Verbündeten aus London den Fedehandschuh werfen, gibt es eine, die den Knall noch immer nicht gehört hat: Angela Merkel. Ihr Innenminister läßt sich in Washington von den neuesten Waffen einer Diktatur begeistern, und sie selbst läßt sich für jeden außenpolitischen Mist gebrauchen, den die Bushmänner aushecken. Ihr Außenminister scheint derweil übrigens keine Meinung zu haben. Seinen Job hat sie ja längst übernommen.
So würde es mich dieser Tage nicht wundern, wenn Dinge passierten, die man noch vor einigen Jahren nicht zu denken gewagt hätte. Und daß man in Deutschland davon vollkommen überrascht wird.

Hilfe, SpOn betreibt kommunistische Gewerkschaftspropaganda! Hätten sie doch nur Henkel, Stihl oder Westerwelle gefragt, ehe sie den Standort Deutschland schon wieder kaputtmachen. Eine “Rolle rückwärts”, so stellt der Spiegel nämlich fest, machen viele mittelständische Betriebe, die zunächst der Propaganda ihrer Verbände auf dem Leim gegangen waren und Produktionszweige ins Auslang verlagert hatten. Schließlich ist Deutschland zu teuer, und niedrige Kosten sind der einzig seligmachende Faktor im betriebswirtschaftlichen Credo des Neoliberalismus’. Pustekuchen! Daß Qualität nicht für nen Appel und ein Ei zu haben ist, hätte man schon vorher wissen können. Daß es Sinn macht, an einem Standort zu bleiben, den man kennt, ebenfalls. Aber es gibt Irrtümer, die lange nicht kommunizierbar waren, weil es eben der Wirtschaftsreligion hiesiger Lautsprecher und ihrer naiven Büttel in den Parteien widersprochen hätte.
Dazu gehört zuallererst der Unterschied zwischen Propaganda und Wirklichkeit. Die Behauptung, “die Wirtschaft” müsse nachgerade ins Ausland fliehen, weil dort alles besser sei, war schlicht falsch. Grundfalsch. Sie diente einzig dem Drücken von Löhnen hier, in dem Glauben, derart die Margen steigern zu können und damit keinen weiteren Schaden anzurichten. Tatsächlich aber hatte das Ganze böse Nebeneffekte. Es wurden nämlich nur noch sogenannte Ökonomen und Manager gehört und gefördert, die tumb auf die Kostenseite schielten und hysterisch den Untergang heraufbeschworen, wenn irgendwer vermeintlich einen Euro zuviel investierte. Sie hatten immer recht, denn was man nicht ausgibt, spart man ja. Wer hält schon mit Visionen dagegen und vertritt die völlig richtige Auffassung, daß höhere Investitionskosten sich nicht nur rechnen können, sondern zu stabileren Gewinnen führen? Einer solchen Prognose fehlt nämlich oft eine Kalkulation in Euro und Cent. Sie ist reine Überzeugungsarbeit, die nichts zählt(e) in diesem Land.
Immerhin gibt es jetzt durch die Rückkehrer und ihre Erfahrungen einige Argumente mehr gegen Lohndumping, hektisches Outsourcing und die begleitende Propaganda. Nicht nur massive Qualitätseinbußen stellten sich ein, sondern auch logistische Probleme und solche, die völlig vor die Tür gekehrt worden sind: Soziale Aspekte des Wirtschaftens. SpOn versteckt diesen Aspekt in dem Satz: “Zudem wirken ganz profane Dinge wie mangelnde Loyalität zum Unternehmen oder hohe Krankenstände nachhaltig negativ“. Die Loyalität zum Unternehmen, die hierzulande seit den 80ern mit aller Macht vor die Wand gefahren wurde, ist kein mickriger Kostenfaktor. Nicht nur, daß niedrigere Krankenstände ein gewaltiger Kostenfaktor sein können – sie werden nur erwähnt, weil sie bezifferbar sind und so vermeintlich die “Loyalität” zu einer berechenbaren Größe machen. Nein, ein sozial vernetzter Standort, Schnittstellen zwischen Unternehmen und der Lebenswelt ihrer Mitarbeiter und Kunden sind ein Stabilitätsfaktor, der schändlich unterschätzt wird. Weil er eben nicht bezifferbar ist. Die Religion des Shareholder Value zeigt erste wirtschaftliche Symptome des Versagens. Es ist jetzt an der Zeit, den Leuten zu Erklären, was “Stakeholder Value” bedeutet und endlich umzudenken.

…heißt von Peking lernen. Oder so. Die Russen sind knochentrocken in der Formulierung ihrer außenpolitischen Ansichten und zeigen den Amis, was es heißt, sich wie eine Großmacht zu verhalten. Nachdem schon die Chinesen die abgedroschene Phrase von der “Einmischung in innere Angelegenheiten” in Anschlag gebracht haben, weil Merkel den Dalai Lama hofierte, holen die Russen diesen Holzhammer hervor, damit niemand auf die Idee kommt, die widerliche Militätjunta von Myanmar zu derbe zu kritisieren. Zwar ist das beides komplett durch den Wind, aber es verzichtet dankenswerterweise auf PR-Offensiven und Lügentürme nach Art der Bush-Administration. China und Russland argumentieren nicht, sie diktieren. Das ist übersichtlich.
Sie können sich dann zwar über jede Argumentation hinwegsetzen, aber sie können sie nicht ungesagt machen. Im Falle Russland/Myanmar hat die Sache etwas regulär Komisches. Die “inneren Angelegenheiten” Myanmars nämlich sind also die Sache Russlands?

punk Konfetti!

Vor genau 2 Jahren schrub ich den ersten Artikel, nachdem ich mir aus einer Laune heraus bei Blogg.de einen Account zugelegt hatte. Eigentlich wollte ich schon in 2002 so etwas wie ein Blog aufmachen, aber ich wußte damals noch nicht, da es so etwas gab. Ich besorgte mir also eine Domain, stelle drei Artikel online und ließ sie dort drei Jahre stehen.
Dann kam Blogg.de. Das ging erst einmal ganz bequem, es gab ein wenig Resonanz, und das war gut so. Schon bald aber mochte ich das doofe Banner nicht mehr, die doofe url nicht mehr, und daß plötzlich sämtliche Kommentare verschwunden waren, fand ich auch nicht so prickelnd. Außerdem hatte ich einiges vor, das bei Blogg.de schlicht nicht ging.
Also kopierte ich sämtliche gut 300 Artikel von Hand auf meine neue Domain, weil man die Datenbank nicht importieren konnte.
Seitdem hat sich einiges getan. Zum Beispiel findet mich die Google blogsearch seit Januar nicht mehr. Was lehrt uns das? Es geht auch ohne Google blog search. Und obwohl feynsinn nach wie vor nicht besonders fleißig verlinkt wird, steigt die Resonanz langsam, aber stetig. Seit dem Umzug im letzten November hat sich die Zahl der Besucher versechsfacht. Ich strebe also für das kommende Jahr eine Steigerung um 1000% an und erwäge einen Verkauf an Holtzbrinck. Ein kleiner Betrag im zweistelligen Millionenbereich sollte dafür reichen.
Und auch wenn alle derzeit den Blogblues haben und sich berechtigterweise vorkommen wie in einem gigantischen Irrenhaus, seid vesichert: Isch geh nitt! Bis hierhin also vielen Dank an die Freunde des feynsinn, und bleiben Sie mir gewogen!

Das war ja eine turbulente Woche am Medienmarkt für innere Sicherheit, und ich habe es genießen können, dazu einmal quasi nichts zu sagen. Quasi nur, weil ich stattdessen woanders kommentiert habe, was auch mal Spaß macht. In diesem Zusammenhang fiel mir auf, daß die tolle Idee, Schiffe abzuschießen, nicht von Jung ist und nicht von Schäuble, sondern von mir. Bin ich jetzt Terrorexperte?
Lustig auch die Diskussion bei Anne Will, die ich nicht angesehen habe. Die paar Worte von Avi Primor, die ich hörte, waren mir schon genug für einen Brechreiz. Allerdings hat er schön herausgearbeitet, wie jemand denkt, der denkt wie Jung und Schäuble: So jemand ist “im Krieg”. Immer. Überall.
Letzteres führt derzeit zu einem gewissen Rumpeln, und es macht mir Sorgen, wenn Lachmichtot Achmadinedschad derzeit publizistisch vorgeführt wird. Die werden doch wohl nicht?
Schließlich noch einmal zurück zur Abschußdebatte: Ein Flugzeug startet, vollbetankt, am Rhein-Main-Airport und wird nach dem Start gekapert. Die Bösen fliegen eine Schleife und halten auf den Messeturm oder den Commerzbank-Tower zu. Welche Abfangjäger werden das verhindern? Richtig! Also plädiere ich dafür, konsequenterweise um hohe Gebäude herum Boden-Luft Raketen zu stationieren, die alles abschießen, was sich ihnen nähert. Ja, auch Spatzen, denn der Terrorist kennt viele Verkleidungen!

Statt Insi© heute einen Auszug aus einem Text zur äußeren Sicherheit, enstanden in den frühen 90ern. Wer den Rest auch noch lesen will, kann das ja kundtun.

Guten Abend! Man muß sich zwar fast entschuldigen, wenn man noch grüßt, aber das soll mich nicht davon abhalten. Die meisten Leute müssen auch nicht gegrüßt werden, im Grunde genommen, weil Sie eigentlich gar nicht existieren. Sie brauchen keinen Namen, sie haben nämlich eine Identitätskrise, und solange sie die nicht überwunden haben, sollte man durch sie durchlaufen. Schuld sind übrigens die “Unübersichtlichkeit”, die “Wertevielfalt” und die “Postmoderne”! Das ich nicht lache! Tun wir etwas Ungewöhnliches, etwas, was solche Jammergestalten nicht können, reden wir von mir! Ich habe meine Identität. Bin nicht irgend so ein dahergelaufener Trottel, dem man ansieht, daß er etwas darstellen will, was er nicht ist. Und das hat alles seine Gründe. Naja, ich war zum Beispiel bei der Bundeswehr, das macht schon hart. Das möchte ich gar nicht missen. Habe mich von Leuten, die sich im Metier auskennen, zum Killer ausbilden lassen, aber ordentlich. Im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich.
Hand aufs Herz: So demokratisch geht das gar nicht zu bei den Staatsbürgern in Uniform. Daß die Unteroffiziere zu vier Dritteln waschechte Neonazis waren, hat mich gar nicht gewundert. Was sollen wir an der Front auch mit Demokraten? “Liebe Wehrgenossen und Wehrgenossinnen! Heute so gegen Acht machen wir ein Plenum, auf dem basisdemokratisch abgestimmt wird, ob wir Raketenwerfer oder Panzer einsetzen. Der Generalausschuß läßt lieb bitten, nach Möglichkeit doch die Raketenwerfer zu nehmen, weil die so schöne Löcher ins Hinterland machen. Bedenkt: Dann sparen wir uns das eklige Gräberausheben!” Unsinn. In der Generaloberst-Dietl-Kaserne wäre das auch sehr unpassend gewesen.
Bei der Gelegenheit: Der Dietl war ein Bluthund in Uniform, aber: Was soll denn sonst das Massenkrepieren befehligen? Was stellen die Leute sich heute eigentlich unter “Verteidigungsfall” vor? Frauenkarate? Wattepusten? Sollen wir die Kasernen nach Mutter Theresa benennen oder Pfarrer Schorlemmer? Wenn wir den Russen die Scheiße aus den Stiefeln schießen wollen, müssen wir zusehen, daß wir sie hassen. Oder wie soll ich mir das vorstellen? “Verzeihung, Herr Ivan, würde es Sie betroffen machen, wenn ich Ihnen die Gedärme zerfetzte? Mögen Sie eigentlich Möhrensaft? Ich habe ihn eben frisch gepreßt.” Vegetarierscheiße! Aber zurück zu mir! “Mir” meint übrigens meine Person, nicht etwa den russischen ‘Frieden’. Der Russe kennt erst ‘Frieden’, wenn der amerikanische Präsident “Vladimir Iljitsch” heißt. Oder, alternativ, nach vier Flaschen Wodka.
Meine Person also: Mein Vater hat mir gut was auf die Fresse gehauen, solange ich klein genug war. Das hat mir, wie das Dichterwort sagt, nicht geschadet. Wenn man sich die Bälger heute anguckt… Füße auf dem Tisch, Kippe im Maul – da hätte mein Alter mir schon das Freßbrett auf die Tischkante gehauen. Bei uns wurden keine großen Töne gespuckt, sondern kleine Zähne. Und das war gut so. Zu unserer Zeit gab es keine Arbeitslosigkeit. Jedenfalls gab es nicht sechs Millionen faule Penner, die schon bei Muttern gelernt haben, wie man sich durchschnorrt. Und dann wundern die sich, wenn ihnen irgendwann keiner mehr den Arsch nachträgt, weil sie eine Identitätskrise haben! Ernähren sich vom Abfall anderer und wollen nicht daran erinnert werden. “Menschenwürde”! “Die Würde des Menschen ist unantastbar”! Aber für mein Portemonnaie soll das nicht gelten, was ?! Immerhin, bei uns wird nicht mehr gefoltert. Das würde zwar Arbeitsplätze schaffen, aber so weit denkt ja heute keiner mehr. Ja, denken Sie an Saudi-Arabien! Die wissen, wie man Tradition mit Fortschritt verbindet. Wenn da heute einer so blöd ist, sich beim Klauen erwischen zu lassen, werden ihm die Klauen chirurgisch entfernt. Von Spitzenärzten! Das sieht aus, als wäre da nie eine Hand gewesen. Besser als neu![...]

Ausgerechnet in der insifreien Woche muß ich versehentlich bei “Anne Will” hinein zappen und sehe Gollum, wie er in die Kamera hechelt. Nein, ich werde meinem Vorsatz nicht zuwiederhandeln, aber ihr ahnt, wie ich leide.
Knapp an den Insirand führt mich als nächstes der Vorschlag von Jutta Limbach, die Schnarre zur Verfassungsrichterin zu machen. Finde ich gut, nicht zuletzt die Begründung. Drum wird auch nix daraus werden. Mehr darf ich dazu nicht sagen, sonst müßte doch wieder darüber spekulieren, was Golum wohl davon hält…
…und überhaupt frage ich mich ja, obes nicht auch etwas zu regieren gäbe dieser Tage. Gesundheitsreform? Armut? Bildunsgnotstand? Alles schon erledigt oder wie? Nein, aber Sie-kann-es-nicht hat Wichtigeres zu tun und muß sich mit einem tibetischen Popmönch treffen, um die Chinesen zu ärgern. Alles für die Menschenrechte, die findet sie nämlich gut – im Ausland.
Zu guter Letzt unser Schädel-Hirn-Trauma von der Wilhelmstraße: Ein neues Programm wollen sie sich geben, die modrigen Reste der Spezialdemokraten. Außer einem lauwarmen Passepartoutgeschwätz findet sich dort auch eine bemerkenswerte Floskel: Man beruft sich auf den “demokratischen Sozialismus”. Wenn das der Oskar hört! Nein wirklich, ich bin gerührt. Allerdings sollte man das Werk nach Vollendung nicht von Hubertus Heil vorstellen lassen. Der sieht schon so deprimierend aus! Warum nicht Hubertus Albers fragen? Der dürfte die Zielgruppe noch am besten ansprechen und findet sicher den passenden Ton.

Sie sind sich für keinen Schwachsinn zu schade: Die UCI erklärt Oscar Pereiro zum Sieger der Tour de France 2006. Sehr witzig. Ähnlich wie Ullrich wurde Pereiro von einer italienischen Zeitung in Verbindung zu dem Dopingmeister Fuentes gebracht. Er drohte der Zeitung daraufhin mit einer Klage und erklärte, er sei zu einer DNA-Probe bereit, würde aber seine Karriere sofort beenden, wenn er eine abgeben müßte. Solcher Unfug reicht in Spanien aus, um reingewaschen zu werden. In Deutschland und der Schweiz führt ein solcher Verdacht zum Ausschluß von allen Wettbewerben – ohne Verfahren, versteht sich.
Wie sehr der Sport durch die großartigen Ideen und Maßnahmen der Funktionäre gewinnt, zeigt sich jetzt daran, daß Pereiro Toursieger wird. Ihn hatte 2006 nämlich niemand ernstgenommen, und man ließ ihm bei einer Etappe eine halbe Stunde Vorsprung vor dem Feld mit den Favoriten. Davon nahm er ganze 32 Sekunden mit nach Paris – sein Vorsprung vor Andreas Klöden. Damit steht jetzt schon einer in der Siegerliste, den man mit Recht als “übriggeblieben” bezeichnen darf.
Aber auch das wird womöglich nicht lange halten, denn Pereiro steht selbst unter Verdacht. Als nächster wäre dann Andreas Klöden Toursieger, während Jan Ullrich womöglich mehr als 10 Jahre nach seinem Toursieg ebenfalls gestrichen wird. Selbst in die Vergangenheit hinein wirkt die Farce: Wer nicht verdächtigt wird, bleibt übrig. Am Ende werden wir einen 58-fachen Toursieger Lance Armstrong feiern, und Scharping läßt sich auch mal eintragen.

Mehr Feynsinn zum Thema gibt es hier.

kinderarm
Schöne Nachrichten gibt es heute. Zum Beispiel sind “Kinder” nicht etwa Schokoladenprodukte, sondern minderjährige Menschen, wie der BGH festgestellt hat.
Das ist auch gut so, denn die lieben Kleinen kann man mit Sachleistungen beglücken, sagt der Münte. Ein Päckchen zu Weihnachten, ein paar Schuhe für die kalte Jahreszeit, das ist besser als den Eltern vom FaulesPack© mehr Sozialleistungen zu zahlen. Die kaufen eh nur Kippen dafür.
Und wenn es dann immer noch nicht reicht, gibt es ja die “Tafeln”, die auch nix mit Schokolade zu tun haben. Ob die auch die Reste aus Tim Mälzers Restaurant bekommen? Der betreibt nämlich ein “Feinschmeckerrestaurant”, meldet die RP. Das hat mich sehr überrascht. Ich hätte gewettet, er betreibt eine Frittenbude für Zungenamputierte.
Last, not least, erklärt Bin Laden Pakistan den Krieg. Das ist mutig von ihm, aber keine Meldung wert. Mich würde vielmehr interessieren, wem er derart noch nicht den Krieg erklärt hat. Jemand, dem nicht mal Bin Laden den Krieg erklärt, muß ja wohl so furzlangweilig sein, daß man ihm auch mit Sachleistungen nicht mehr helfen kann. Oder tot. Aber auch damit ist sicher zu rechnen: Daß Bin Laden nach erfolgreichem Dschihad und der Vernichtung aller Gottlosen auch noch den Toten den Krieg erklärt. Da komme ich ihm jetzt aber mal ganz fix zuvor (erster alles!): Hiermit erkläre ich den Toten den Krieg. Wer es wagen sollte, einfach dahinzusterben, kriegt es ab sofort mit mir zu tun. Freiwillige Kämpfer meiner unchristlichen Respirationsbrigaden mögen sich per Fax, Film oder Fernsehen bewerben.
War sonst noch was los?

Während sich anderswo Alphablogger mit lautem Getöse von ihren Lesern verabschieden, weil ihnen die verfickten Linkhuren und spermarülpsenden Clickjazzer mit ihrem verschissenen Gecheate die Rankings versauen und dieser Satz sich allmählich der Grenze nähert, wo die Luft fürs laute Lesen nicht mehr ausreicht…
…atme ich durch. Ich habe vorgestern beschlossen, eine Insifreie Woche einzulegen. “Insi”, das werde ich mir noch schützen lassen, ist der ein wenig aufgesexte neue Kurzbegriff für “innere Sicherheit”. Viel smoother, hype, hip und übelst cool kommuniziert er, daß man die Sache nicht ganz so ernst nehmen soll. It’s only Politics, Stupid! Nu laßt die da mal machen, holt euch ein Bier und relaxt!
Im Ernst: Ich habe den Namen von Ihr-wißt-schon-wer in meine Archivsuche eingegeben, und es wurden 64 Artikel aus den letzten knapp zwei Jahren ausgespuckt, in denen der Herr Innenminister erwähnt wird. Da frage ich mich langsam, ob es nicht für eine Weile reicht. Ich kann es selbst nicht mehr lesen. Derzeit stürzen die Publizisten sich ja eh wie die Geier auf das Thema. Da lehne ich mich doch genüßlich zurück und bilde mir ein, ich hätte etwas damit zu tun. War ich doch einer von denen, die nie lockergelassen haben. Das ist zwar lächerlich, aber es reicht für ein gewisses autoerotisches Gammabloggervergnügen.

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