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ures

Nachtdienst essen Gehirn auf. Daher aus immer aktuellem Anlass eine Rezyklung aus 2008. Als wäre es gestern gewesen …

Im folgenden ein Auszug der Rede des Abgeordneten Püfelswitz (SPD):

Herr Präsident, meine Damen und Herren!

[Applaus von CDU/CSU und SPD]

Das BKA-Gesetz ist die Antwort der freiheitlich demokratischen Grundordnung auf die aktuelle Bedrohung durch den internationalen Terrorismus. Gerade der nationale Terrorisus zeigt uns, dass wir den internationalen bekämpfen müssen. Die Demokratie muss wehrhaft bleiben, damit nicht Kräfte rechts von der Mitte unsere Schwächen im Kampf gegen den Terror für ihre Zwecke missbrauchen.

[Zwischenruf des Abgeordneten Schieble (CDU): Ischlamischtisch, ischlamischtisch!]

Wie der Bundesminster des Innersten bereits ausführte, ist der Gesetzentwurf ausgewogen und maßvoll. Dies ist kein Staat, der seine Bürger überwacht, ganz im Gegenteil! Der Bürger überwacht vielmehr den Staat. Der “Bürger in Uniform” wird dafür sogar diese seine Uniform ablegen und ganz unauffällig als Bürger unter Bürgern auftreten. Der Staat, das sind wir alle. Wir alle haben ein Grundrecht auf Schutz und Sicherheit.

[Stehender Applaus von CDU/CSU und SPD]

Meine Aufgabe und die Aufgabe der sozialdemokratischen Partei Deutschlands besteht in diesen Tagen darin, dafür zu sorgen, dass die Ausstattung des BKA mit mehr Kompetenzen als ein Meilenstein der Bürgerrechte und des Datenschutzes angesehen wird. Wir waren es, die den Bundestrojaner erfolgreich bekämpft und stattdessen die ausgewogene und unauffällige Online-Durchsuchung durchgesetzt haben.

[Tränenreiches Gelächter bei Linken, Grünen, FDP, CDU/CSU und A. Nales.
Zwischenruf A. Nales: Richtig! Pfui! Bravo!]

Wir haben dafür gesorgt, daß die Vorratsdatenspeicherung vom Tisch ist und dafür alle Verbindungsdaten mindestens sechs Monate gespeichert werden. Wir haben für die Trennung von Polizei und Geheimdiensten gekämpft und durchgesetzt, dass eine reibungslose Zusammenarbeit aller Sicherheitsdienste in einer gemeinsamen Behörde gewährleistet ist. Alle Büros dieser Behörde werden durch stabile Rigipswände voneinander getrennt sein.

[Zwischenruf A. Nales: Hört, hört!]

Es waren Sozialdemokraten, die die Einhaltung der Bürgerrechte in aller Welt immer wieder eingefordert haben, sogar vom Kollegen Schieble, der ein Lied davon singen kann.

[Zwischenruf des Abgeordneten Schieble (CDU): Ischlamischtisch, ischlamischtisch!]

Dabei haben wir uns immer wieder gegen jede Einschränkung der Grundrechte ausgesprochen und waren am Ende dennoch immer ein zuverlässiger Koalitionspartner.
Wenn wir jetzt dem Gesetz zustimmen, das das BKA mit allen allen notwendigen und denkbaren Mitteln ausstatten wird, so ist darin keine Resignation oder Kapitulation zu sehen. Es ist vielmehr ein gelungener und ausgewogener Mix aus beidem, und zwar aus Überzeugung.
Mehr kann man von uns Sozialdemokraten in diesen schweren Zeiten wohl nicht verlangen. Wir können stolz auf uns sein. Ich danke Ihnen.

[Applaus von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen.]

Eine Replik auf ad sinistram

Puentes, Sie Ausländer, was lesen sie die B***, wenn Sie das nicht richtig gelernt haben (und verlinken die dann auch noch)?
Was der Mann sagen will, ist: Er erkennt in uns den Geist des 18. oder 19. Jahrhunderts, als selbst die muffigen Definitionsakrobaten in Opposition zur höfischen Autorität gerieten. Als andererseits selbst “Aufklärer” der Majestät das Wort sprachen und demokratische Revolutionen abscheulich fanden (weil sie demokratisch waren).

Thomas Mann darf dabei sein, wenn die großen Deutschen aufgezählt werden, wissen Sie warum? Klaus und Heinrich wurden verbrannt, die sind raus, aber weil wir tolerant sind, nennen wir den Thomas halt einen Großen und ersparen ihm die Sippenhaft. Wir sind ja keine Unmenschen. Einige von uns haben sogar Abschlüsse in nahezu humanistischen Studiengängen. Das hat auch Herr Özkök erkannt respektive die Redaktion, die ihm zur Hand ging. Warum Sie nicht?

Was denn sonst?

Wir sind eine große Fußballnation und werden sicher bald wieder Weltmeister werden. Einige von uns prügeln sich regelmäßig mit den Gästen, das gehört einfach dazu und schlägt manchmal eben übern Strang. Ist das jetzt ein Grund, den Gegner anzufeuern? Sollen wir uns freuen, wenn Spanien gewinnt? Die kennen wir doch kaum, deren Namen können wir nicht mal richtig schreiben oder aussprechen. Integration hin oder her, aber selbst unser schwuler Außenminister, den zu tolerieren wir die ungemeine Größe haben, hat es ganz schnell kapiert: Das ist Deutschland hier.

Haben Sie sich einmal mit der Regelung der Staatsangehörigkeit hierzulande befasst? Da machen wir gar keinen Hehl draus: Man darf sich hier integrieren, aber im Grunde gilt: Deutscher wird man nicht, als solcher wird man geboren. Weil man das hier so schlecht erkennen kann – zum Beispiel binden sich unsere Frauen kein Kopftuch um wie die Gattin des Herrn Özkök – berufen wir uns eben auf innere Werte wie Kant, Schiller, Schweinsteiger, Sauberkeit und Disziplin. “Dichter und Denker” ist phonetisch ganz nah dran an der Wahrheit und klingt einfach gut. Wie sollen wir uns denn sonst darstellen? Als bornierte Dummköpfe? Zerstörer Europas? Geborene Befehlsempfänger? Warten Sie, das kommt schon noch. Aber das wird die Dinge keineswegs schöner machen.

 

Ist ja wohl das Letzte, miese Datenkrake!1!!

[Return to daMax]

 
Da ich heute weitgehend mit meiner feuchten alten Sackmatratze zu einer muffig-infektiösen Einheit verschmelze, im folgenden eine weitere Zweitverwertung aus 2008. Dabei hätte ich sogar das eine oder andere zu sagen, aber der Planet, auf den es mich verschlagen hat, saugt mich fest. Lasst mich einfach hier liegen. Seht zu, dass ihr durchkommt!

Nach einer an Zwillingen durchgeführten Forschung über dies und das hat die Wissenschaft festgestellt:

“35 Prozent der Unterschiede zwischen männlichen Homo- und Heterosexuellen sind demnach genetisch bedingt“.

Außerdem bestätigen die Betroffenen 22% mehr Spannkraft und 34,8% weniger Lachfältchen. Die “Zeit” langweilt ihre Leser mit unsortiertem Blabla zu einer weiteren überflüssigen Studie aus der Zwillingsforschung. Wenn man solche Artikel liest, darf man keine Fragen haben. Man muß in die Gemütlichkeit des Boulevards ganz eintauchen und entspannt in den Bauch atmen. Wenn die Dümpelbläschen dann mit einem leisen “Plitsch” an der Schädeldecke zerplatzen, entweicht die Erkenntnis ganz von selbst. Sex? Schwul? Gen! 35%. Alles wird gut. Haben nicht auch SPD und CDU bei der letzten Wahl 35% geholt? Alles ist Gen. Alles ist 35%. Alles ist Sex.

Der Q-Journalist belässt es aber nicht lange beim Vorbehalt der Komplexität, der unsere wohlige Erkenntnisgewinnung stören könnte. Es ist doch alles ganz einfach:

Zwillinge haben sich in dieser Studie einmal mehr als besonders wertvolle Probanden für die Forschung erwiesen. Eineiige Zwillinge haben dasselbe Erbgut, zweieiige Zwillinge dagegen stammen aus zwei verschiedenen befruchteten Eizellen. Durch den Vergleich beider Gruppen ist es möglich festzustellen, welchen Einfluss die Gene und welchen die Umwelt haben“.

Umwelt oder Gen, was nicht Umwelt ist, ist Gen. Sonst nichts. Schöne alte Welt.
Zum Beispiel Homosexualität: Nehmen wir einmal lesbische Zwillinge, die seit der Geburt getrennt sind. (Hier kann die Zeit noch lernen: “lesbische Zwillinge” kommt viel geiler als “Schwulsein”) Da weder (Pflege-)Vater, noch (Pflege-)Mutter lesbisch sind oder die Kinder zu lesbischem Sex animieren, stellt sich also Frage: Wo hat das Kind das von?

Richtig, auch das ist Gen. 35%. Wenn nämlich beide Zwillinge lesbisch sind, sind es 100%. Ist es nur eine, sind es 50%. Keine von beiden: 0%. Macht im Schnitt, bei Berücksichtigung von Ausgleichs- und Überhangmandaten roh und rund 35%.
Die kleine Spitze im wissenschaftlichen Bericht der “Zeit” ist auch einer Würdigung wert: Zwillinge “einmal mehr als besonders wertvolle Probanden” – ein wunderbar zubereitetes Häppchen zur Geschichte der Zwillingsforschung!

p.s.: „Lesbische Zwillinge“, wie nicht anders zu erwarten war, ist eine der am häufigsten eingegebenen Suchanfragen, die hierherführen. „Andrea Nahles Titten“ – die ich hier zum zweiten Mal zitiere, also zum dritten Mal erwähne, sind allerdings noch erfolgreicher. Höre ich da Laute des Missvergnügens?

 
Lölölöö … das ist doch mal ein Anfang, oder? “Lölölöö”! Fresst das, Systemmedien, das bringt ihr nicht! Was ihr bringt? “George Clooney in Goslar” bringt ihr. Ja leck mich fett, Hein Blöd in Braunlage, das machen wir ganz dick auf. Drauf gedüngt. Im hinteren Blätterwald, im Unterholz, im unteren Hinterwald quasi, lesen wir dann so etwas wie dass Saudi-Arabien die angeblichen Killermassenmonstermörder gekannt und das Amiland vor denen gewarnt hatte. Also hört mal, wer petzt denn sowas? Haben wir noch nicht oft genug “Sind die so doof, fördern sie das, faken sie das oder machen sie es gleich selbst?” gespielt? “Hey, da kommt ‘ne Warnung vor ein paar Irren, die bei uns Dschihad spielen wollen!” “Cool, die rufen wir mal an, ob die beim Boston Marathon mitmachen” – so ungefähr? Wo zur Hölle ist eigentlich George Clooney, wenn man ihn braucht?

Yo, als Nächstes sticht dann ins Auge: Ein gewisser Konzern, der es geschafft hat, seine Kunden derart gehirnzuwaschen, dass sie alles cool und hip finden, was der Vorstand ausscheidet, tat Seltsames: Er nahm einen Milliardenkredit auf, um seine Teilhaber zu befriedigen. Also normal zahlt eine AG den Gewinnanteil an die Aktionäre ja vom Gewinn aus. Nicht so “Apple”, die leihen sich dafür Geld. Weil das billiger ist. Weil sie dabei Steuern sparen wie bei Hoeneß unterm Sofa, diese Cleverles. Nun kann man die Volks- und Schankwirtschaftler fragen, ob das nicht über Inflation, Deflation, kontenbereinigte Quadrierung der Maximalsollstufenrendite vor Wien und peergenerierte Einmaleffekte wieder diejenigen abzahlen dürfen, die eh nix haben, aber das lassen wir künftig einfach und stellen fest: Steuern sparen ist asozial! Etwas Ähnliches meinte übrigens auch der Präsident der neoliberalen Einheitspartei, woraufhin ich mich fragte: Der Gauckler wird doch nicht auch?! Hat die Bleierne ihm etwa schon das Vertrauen ausgesprochen?

Lohnarbeit ist Fronarbeit

Die Nacht vor dem heißen Mai, der Tanz in ebendiesen, das jährliche Ritual mit Reifenlichtspielen und urbanen Jagdszenen sollte dieses Jahr anlässlich der eifrigen Beteiligung von Faschodumpfbacken besonders grell ausfallen. Ist es dann allerdings – ausgefallen nämlich. Auf nix ist mehr Verlass, nicht mal auf die Prognosen des Verfassungsschutzes. Ha. Haha. Hahahahaha. Kleiner Scherz. Apropos erster Mai und von wegen “Tag der Arbeit”; da muss ich dem persönlich sehr geschätzten Herrn Wecker leider eine Vier minus anheften. Der meint nämlich:

Und insgeheim träume ich von einem Aufstand an diesem ersten Mai. Und dass wir uns all die Rechte zurückholen, die sie uns gestohlen haben. Das Recht auf Arbeit, das Recht auf Wasser, das Recht darauf, von der Gesellschaft versorgt zu werden, wenn man es selbst nicht mehr kann. Das Recht auf einen Mindestlohn. Das Recht auf eine Welt ohne Zeitarbeitsfirmen. Das Recht auf unser Recht.

Autsch. Was jetzt? Recht oder Arbeit? Lohnarbeit ist Fronarbeit, liebe Genossen, nehmt das endlich zur Kenntnis. Das “Recht des Arbeiters” ist die erste Blase, die geplatzt ist, lange vor denen mit den Technologieaktien, Immobilien und Staatsanleihen. “Leeres Wort, des Armen Rechte!” Was müsst ihr noch alles erleben, um das wirklich zu kapieren?

 
Zwei Minister schlagen sich gegenseitig für einen Orden vor – das “Bundesverdienstkreuz” – und wollen sich damit vom eigenen Ministerpräsidenten behängen lassen. Aus gewissen “Kreisen”, wie es heißt, also aus den Hinterstübchen irgendwelcher Kaschemmen wie dem Café Einstein, in denen korrupte Politiker und deren Gehilfen aus der Journaille sich treffen, um auszubaldowern, was “der Zuschauer nicht wissen” [Link geht zu Youtube] muss, aus solchen Kreisen also wird lanciert, das gehe so nicht – nicht “im Wahlkampf”. Sonst aber schon, oder was, ihr Arschgeigen? “Verdienstkreuz”, das heißt für euch Besserverdienstkreuz, richtig?

Diese grandiose Idee kommt dabei aus der Riege derer, die gerade ihren Fraktionsvorsitzenden abgestoßen haben, weil der für die angeblichen Dienste seiner Frau nach Berechnungen aus Feynsinn-Kreisen circa 1,5 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt hat. So verfährt man in Kreisen, die einem ständig mit Gott, Vaterland und Moral kommen, versteht sich ganz nebenbei. Kreise, die sich für “Leistungsträger” halten. Kreise, die “Kriminalität” nicht scharf genug anprangern, verfolgen und bestrafen lassen können, soweit es nicht ihre eigenen Gaunereien betrifft.

Wisst ihr was …

Man kann schauen wohin man will: Die Nomenklatura von Griechenland bis Spanien, die auf Befehl Deutschlands ihre Völker auszehrt, ist korrupt bis ins Mark und das ist auch bekannt. Dort reicht das immerhin für die eine oder andere empörte Demonstration. In der Zentrale der europäischen Sklavenverwaltung, sprich: des Kapitals und seiner Politik, ist das Ganze aber unübersichtlicher, denn hier gibt es ja keine Korruption, jedenfalls juristisch nicht, also gibt es auch keine öffentliche Empörung. Erschwerend hinzu kommt nämlich die Mentalität der hiesigen Untertanen, die noch immer nicht bemerkt haben, dass sie seit 1945 eigentlich keine mehr sein müssten. Die katzbuckeln selbst noch in ihrem Genörgel und halten es für ein Naturgesetz Gottesurteil, dass diejenigen, die sich immer schamloser die Taschen vollstopfen, fröhlich weiter über die anderen herrschen.

So kommt es, dass solche, die man hie noch immer für “Intellektuelle” hält, dort zwangsweise in einen üblen Jargon verfallen, so sie überhaupt noch willens sind sich zu äußern. Man liest dann Wörter wie “Kotzen”, “Scheiße” und “Arschgeigen” und eben all das, was der Stammtisch authentischer in die Welt zu spucken weiß. Wohin soll das also führen? Zu nichts, wenn nicht irgendwann die feuchten Träume der Linken wahr werden, der Stammtisch ebenfalls über sich hinaus wächst und endlich die Worte findet, in denen er sich seine Situation realistisch zu beschreiben vermag – und seine Schlüsse draus zieht. Darauf aber können wir lange warten, und deshalb lassen wir uns lieber weiter von Arschlöchern unterjochen und gehen uns allenthalben gegenseitig an die Gurgel, weil die nicht so hoch hängt. Ach wisst ihr was … leckt mich doch alle!

 
Ein Offizier:

Gefreiter, Sie können nicht einfach hier Geschichten erzählen über den Herrn General. Das ist Wehrkraftzersetzung, das ist üble Nachrede, das geht überhaupt nicht. Ach, Sie beharren aber darauf, weil das alles wahr ist? Wissen Sie was, wenn sie sich beschweren wollen – und das ist wohl mindestens eine Beschwerde, das ist geeignet, die Truppe in Aufruhr zu versetzen und um ganz ehrlich zu sein: ich kann mir das gar nicht vorstellen, das hätte man doch schon vorher mal gehört, wenn der Herr General Sie wissen schon – also dann gehen Sie den Weg der offiziellen Beschwerde und melden Sie das beim Major, wie sich das gehört.

Ein Adjutant:

Nein, ich kann Sie nicht einfach zum Major vorlassen, wie stellen Sie sich das vor? Sie müssen schon den Antrag ausfüllen, Ihren Beweggrund schildern, um einen Termin anhalten, dann werde ich sehen, was ich für Sie tun kann.
… Nein, ich kann Sie leider nicht vorlassen, Ihrem Antrag wurde nicht stattgegeben.

Ein Berater:

Nein, Sie können das so natürlich nicht machen. Hier steht “Angriff”, das ist äußerst missverständlich. “Demütigung” kann man so auch nicht stehen lassen. Schreiben Sie “Zurechtweisung” und “möglicherweise nicht ordnungsgemäß” und dann hier “zur Überprüfung”, dann sollte das kein Problem sein.

Ein Adjutant:

Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann …
Nein, ich kann Sie leider nicht vorlassen, Ihrem Antrag wurde nicht stattgegeben, weil die Sache belanglos ist.

Einige Kameraden:

Wir haben uns entschlossen, dich zu unterstützen. Schreib’ uns mit auf die Beschwerde, dann können die das unmöglich unter den Tisch kehren.

Ein Adjutant:

Nein, ich kann Sie leider nicht vorlassen, Ihrem Antrag wurde nicht stattgegeben, weil Sammelbeschwerden nicht zulässig sind.

Ein Offizier:

Sie wurden zum Major gerufen, begeben Sie sich unverzüglich dorthin, die Sache ist dringend.

Der Major:

Warum haben Sie das nicht vorher gesagt? Dieser Vorgang ist seit Tagen in aller Munde und zieht Kreise, das kann sich die Armee nicht leisten. Das ist geeignet, die Truppe in Aufruhr zu versetzen. Sie hätten das verhindern können, warum haben Sie nicht den nötigen Einsatz gezeigt? Das ist doch ein handfester Skandal, da werden immer üblere Details bekannt!

Auf dem Schreibtisch steht sein Namensschild: “Major C. Narrative, Leiter des Presse- und Informationszentrums“.

 
karfrei

Zwei Jahre habe ich in einer Wohnung gewohnt, die an einem wunderschönen Platz lag, zentral, aber dennoch beschaulich, Tempo-30-Zone mit benachbarter Spielstraße, Kastanienbäume, Altbauten, Kopfsteinpflaster – von der Art, die man auch problemlos mit dem Fahrrad benutzen konnte. Kein großer Autolärm, nicht vor dem Haus und auch nicht von nahegelegenen Fernstraßen. Es hätte wirklich schön sein können.

Wären da nicht diese Störenfriede gewesen, Lärmterroristen übelster Sorte, die sich auch nicht damit bescheiden konnten, einen ab und zu mal aus dem Bett zu werfen, es bei hundert Dezibel zu belassen oder vielleicht Sonntags mal Ruhe zu geben. Nein, das infernalische, unerträgliche Gedröhne musste sprichwörtlich rund um die Uhr sein. Wenn sie einmal im Schwung waren, konnte man bei offenem Fenster sein eigenes Wort auch dann nicht mehr hören, wenn man schrie. Sonntags fanden sie’s am geilsten, schon morgens früh, wenn anständige Menschen gerade mal schlafen.

Lärmterror, infernalischer

Das Beste an der ganzen Chose: Es war vollkommen legal. Hätte ich das gewusst – okay, ich hätte es wissen können, vielleicht müssen, aber ich habe mir das nicht so höllisch vorgestellt – ich hätte nie diesen Mietvertrag unterschrieben. Dass ich schon recht bald wieder ausgezogen bin, hatte zwei Gründe, von denen einer die besagte unerträgliche Lärmbelästigung war. Der Grund für die Erlaubnis, derartigen Stress zu veranstalten, derartige Menschenverachtung nachgerade genussvoll zu zelebrieren: Es handelte sich um eine Gemeinschaft solcher Typen, die an höhere Wesen glauben und okkulte Handlungen mit diesem Lärm eröffnen. Die Häuser rund um die sogenannte “Kirche”, in der abartig riesige Metallglocken schwangen, hatten einen Abstand von Luftlinie dreißig Meter.

Wozu, frage ich, muss also die sogenannte “Gemeinde” auf ihre “Messen” aufmerksam gemacht werden, die ohnehin immer um dieselbe Zeit stattfinden? Unter den genannten Bedingungen, dass also der Schall ohnehin direkt auf die Gemäuer traf, in denen er unschuldige Opfer um Schlaf und Verstand brachte? Und wozu musste Tag und Nacht jede verfickte Viertelstunde mit einem Schlag dieser Hölleninstrumente begangen werden?

Das, meine verständnisvollen Empathen, ist das eine. Das andere ist dann diese Geschichte mit dem Lattenjuppfreitag. Da darf keiner niemals nicht in einer Kneipe eine Musik hören und schon gar nicht tanzen. Begründung: Das sei ein stiller Feiertag. Stiller Feiertag! Und wetten, dass diese “Stillen” ihre akustischen Massenvernichtungswaffen wieder baumeln lassen, bis uns das Blut die Hälse herabrinnt? Wetten?!

 
salatmuell

Fefe hatte gestern gleich zwei Hinweise auf eine Spielart des Stumpfsinns, die “unternehmerisch” zu nennen schon Satire wäre. Die Weisheit, der Teufel scheiße immer auf den größten Haufen, ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber das ganze Tun des Managements darauf abzustellen, ist schlicht … zeitgemäß, wie es scheint. Zu den Sachen: Es werden Bratwurststände vor Einkaufstempeln aufgestellt, damit der Kerl sich draußen den Wanst vollschlägt und derart seine Ische nicht stört, die drinnen die Kohlen verprasst. Überhaupt wird versucht, massiv auf die Frauen zu setzen in der Shoppinggilde. Die geben das meiste Geld aus, kaufen spontaner, also werden sie umgarnt – und nur sie.

Ich habe bei der einen oder anderen Gelegenheit versucht darzulegen, was eine Investition eigentlich wäre und warum das nichts mit dem Treiben sogenannter “Unternehmer” zu tun hat. Zum Heulen rührend sind längst die Mythen von den Unternehmern, ihrer Verantwortung und ach dem großen Risiko. Das machen heute die Manager. Die geben sich vielleicht noch ‘unternehmerisch’ und fordern den Status für sich ein, weil sie die entsprechende Attitüde an den Tag legen. Sie tragen “Boss”, weil’s draufsteht und geben sich höflich. So höflich, dass sie bei der Versicherungsparty die Damen mit den weißen Bändchen siezen. Manche sprechen ihre Begleitung womöglich gar mit “Frau Koksnutte” an.

Ich schweife ab. Was sie können, ist Power Point. Power Point sagt, wir können hiier die Ausgaben senken, dann haben wir doort mehr Gewinn. Niemand geht hin und sagt: “Ich würde für diese meine Idee mal soundsoviel Bündel Scheine raushauen und gucken, ob das was wird, weil meine Idee nämlich hervorragend ist, meine Damen und Herren!“. Jedenfalls nicht die, bei denen das hinkäme, weil sie wirklich gegen den Strom etwas reißen würden, sondern höchstens jene, die sich vor der Sitzung eine zu fette Line gezogen haben.

Worauf ich hinauswill: Wie bescheuert ist das eigentlich, immer die Hälfte der Menschheit aus den Augen zu verlieren? Meist sind es ja die Mädels, auf die keiner achtet, weil die anderen Adabeis auch immer nur von hier bis zur Pissrinne denken. Beim Shoppen aber sind wir also jetzt die Deppen. Fein. Dann weiß ich wenigstens, warum immer das, was ich gerade zu brauchen glaube, nicht da ist. Das haben sie gerade irgendwelchen Weibern aufgeschwatzt, die es gar nicht haben wollten. Ich liebe Kapitalismus.

Die Älteren unter Euch kennen den Text schon, aber da ich gerade nix Besseres hab und mir neulich ein Kollege zusprach, ich sollte mich getrost wiederholen, packe ich noch mal den Text aus 2002 hier rein, der 2006 auch in diesem Blog schon erschienen ist. Mit feynem Gruß vom Zeylenschinder.

Versicherungsvertreter! Versicherungsvertreter sind in Ansätzen gute Niederrheiner: Sie haben meist von nichts eine Ahnung und auf alles eine Antwort. Fragt der Niederrheiner seine Lieblingsfragen: “Wie isset?” und “Weiße, wer toot is?”, ist der Versicherungshansel bei seinem Stichwort: Kapitallebensversicherung. Beide haben auch ein gespaltenes Verhältnis zum Tod. Sie gönnen zwar niemandem ein frühes Ableben – der Versicherungsvertreter zumindest nicht, bevor die Beiträge vollständig bezahlt sind – sind aber dennoch sehr fasziniert von dem Thema. Der Typ, der mir neulich eine Lebensversicherung andrehen wollte, malte mir derart farbenfroh die diversen Möglichkeiten aus, indiskret, unangenehm und plötzlich aus dem Leben zu scheiden, daß ich ihn sofort fragte, ob er Niederrheiner sei.

Als er dann noch in melodramatischer Weise das mögliche Schicksal meiner Töchter schilderte, standen uns beiden die Tränen in den Augen, und ich habe mich geärgert, das nicht mitgeschnitten zu haben, um es als Drehbuch zu verkaufen. Nur die Passage, wo meine Große, über und über gepierct mit Kanülen, auf den Strich geht, hat er ausgelassen. Ich sah zwar den Willen in seinen Augen, mir auch diese schreckliche Wahrheit zuzumuten, aber auf seinem Rhetorikseminar hat er gelernt, einen gewissen Level nicht zu überschreiten.

Und er hat gut aufgepaßt. Mein Versicherungsmännlein war Stifthalter. Stifthalter sind diejenigen unter den Rhetorikkursopfern, die eigentlich zu verklemmt sind, ihre Hände zu bewegen. Sie haben keine Gestik, stehen entweder mit verschränkten Armen oder wie Soldaten vor ihren Gesprächspartnern und studieren das Schuhwerk ihres Gegenübers. Im Rhetorikkurs lernen sie dann, die Nasenwurzel anzupeilen, und um ihnen die Angst zu nehmen, zwingt der Rhetorikkursleiter sie dazu, sich vorzustellen, auf der Nasenwurzel säße ein Vögelchen oder eine nackte Frau oder sonstwas Reizendes.
Achten Sie einmal darauf! Ich traue niemandem, bei dem ich nicht weiß, in welches Auge er mir gerade schaut. Von einem Freak, der mir nackte Frauen auf die Nasenwurzel setzt, lasse ich mir jedenfalls nichts verkaufen.

Sobald also die Frau oder das Vögelchen es sich bequem gemacht hat, ziehen sie, wie sie es gelernt haben, den Kuli aus der Tasche, um damit ungelenk Löcher in ihren Odolatem zu stechen. Dabei, und das machen sie wiederum sehr geschickt, umkreisen sie ihre Krawattennadel oder eine bestimmte Stelle im Muster ihrer Krawatte. Folgen Sie niemals mit den Augen dieser Bewegung! Entweder die Hypnose funktioniert und Sie unterschreiben alles, einschließlich des Termins Ihres Todestages, oder die Sache funktioniert nicht, und in Ihre Netzhaut brennt sich ein Anblick ein, der das nackte Entsetzen auslöst.

Über Krawattennadeln will ich mich gar nicht auslassen, wer so etwas trägt, richtet sich selbst. Was aber einstmals nackt zur Welt gekommene Geschöpfe, zur Krawatte gezwungen, sich um den Hals Knoten, verrät genau die Todessehnsucht, die sich in den Kapitallebensversicherungen wieder Bahn bricht.
“Geld oder Leben”, so lautet ihr Motto, und sie haben sich insgeheim fürs Geld entschieden. So kriechen sie als gebügelte Monster von Klinke zu Klinke und infizieren ihre Opfer mit ihrer Schicksalsfrage.

Womit sie nicht rechnen, wofür sie auch nicht trainiert werden, ist der Fall, daß ihr potentielles Opfer das alles weiß. Ich habe mir neulich dies Wissen schamlos zunutze gemacht und quasi experimentell überprüft, ob diese meine Mußtmaßungen über Herrn Kaiser und seine Schergen zuträfen. Zunächst ließ ich ihn in meine Wohnung und ließ ihn seinen Standardvortrag halten. Während er also dozierte und fröhlich den Kugelschreiber schwang, fixierte ich seinen Blick, der nicht, wie man es von anständigen Menschen erwartet, zwischen meinen Augen hin- und herwanderte, sondern starr meine Nasenwurzel anvisierte. Alles lief also nach Plan.

Ich hatte mir wohlweißlich einen Notizblock zurechtgelegt, aber keinen Stift, so daß ich mir unter einem Vorwand seinen Kuli leihen mußte. Er war fortan dazu verdammt, seine Hände auf meinen Tisch zu pressen, als seien sie dort angeleimt. Sein Blick wanderte jetzt endlich, und zwar zwischen seinem Kuli und meiner Nasenwurzel. Mir fiel sofort ein Zitat von Büchner ein: “Woyzeck, er sieht gehetzt aus!” Aber Herr Kaiser war noch nicht geschlagen. Ich konnte nicht ewig Notizen simulieren, und in der Hundertstelsekunde, in der die Mine das Papier verließ, bat er mich schwitzend und zitternd, aber höflich, ihm doch bitte seinen Stift zurückzugeben.

Einen Augenblick ließ ich ihn noch schmoren, dann durfte er den Strohhalm ergreifen, der sein Schicksal noch einmal wendete. Aber nicht für lange! Allmählich kehrte die Farbe in sein Gesicht zurück, und ich ließ ihm diese Verschnaufpause wie die Katze der Maus. Dann nützte ich einen Augenblick, in dem er in seine Unterlage schaute, dazu, mir ein haarfeines Fadenkreuz auf die Nasenwurzel zu stempeln. Noch ehe er wieder hochblickte, stellte ich ihm die Masterfrage:

“Sagen Sie, wenn ich dann also meine Beiträge so weit geleistet habe, wann werde ich dann hingerichtet? Ich würde mich übrigens gern erschießen lassen, das hat so etwas von militärischer Würde. Oder kann man sich nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Frist auch selbst töten? Ich habe hier eine alte Dienstpistole, das wäre mir natürlich noch lieber”. Das war offenbar so übertrieben, daß er es als Scherz erkannte und kurz auflachte. Für den Verlauf meines Experimentes war das optimal, und noch war er schließlich nicht derjenige, der zuletzt lachte.

Es blieb ihm auch schnell stecken. Als er sich nämlich wieder an meiner Nasenwurzel festkrallen wollte und versuchte, das Fadenkreuz zu fokussieren, verschluckte er sich. Als höflicher Gastgeber bot ich ihm ein Glas Wasser an, das ich schon vorbereitet hatte, klaute ihm aber mit einem lässigen “Ich darf doch noch mal?” wieder seinen Kuli. Ich machte mir eine kurze Notiz, steckte den Kuli in die Hemdtasche und stand auf, als er sein entsetztes Fischmaul öffnete, um etwas zu stammeln, das ich natürlich überhaupt nicht verstehen konnte.

Ich schlurfte zur Anrichte, öffnete die Schublade und holte Opas Pistole hervor, mit der er sich dereinst, aber das ist eine andere Geschichte. Polternd ließ ich sie auf den Tisch fallen und fragte gleichzeitig, ob meine Kinder als Begünstigte gegebenenfalls dem Henker assistieren dürften, sie hätten auch schon Erfahrung mit jungen Katzen. Das Kreuz auf meiner Nasenwurzel hatte ich derweil mit einem roten Edding nachgezogen.

Herr Kaiser japste ob dieses Anblicks etwas von “meinen Sie nicht ernst”, was ich mit der freundlichen, aber bestimmten Aufforderung korrigierte “Nana, wir wollen doch nicht unhöflich werden”. Er solle mir doch jetzt bitte meine Fragen beantworten. Als er dann ansetzte, die letzte Bastion seiner Versicherungsvertreterrhetorik hervorwürgend, nämlich den Namen des Kunden, also meinen, versetzte ich ihm den Todesstoß…

- Ist Ihnen das eigentlich schon aufgefallen? Das ist das Erste, was man den Hanseln eintrichtert: Pausenlos den Namen des Kunden herunterzuleiern, am besten mit Lametta: “Hören Sie, Herr Dr. Flatter, sehen Sie, Herr Dr. Flatter, da haben Sie recht, Herr Dr. Flatter”. Es ist grauenhaft.
“Müller”, antwortete ich also, “ich heiße Müller!” Hansel lächelte, als hätte ich einen Witz gemacht. “Ja, sehen Sie doch in die Unterlagen”, sagte ich verständnislos und reichte ihm die von mir manipulierten Verträge, “da steht es doch: Meier!”

Er glotzte in die Papiere, und ich setzte mir schnell mit geübter Hand die Katzenaugen-Kontaktlinsen ein. Er sah mich an. Das Entsetzen in seinem Blick wich gnädigem Wahnsinn.
Der Rest ist schnell erzählt, ich habe ihm einige Waschmaschinen, den Polo von meinem Cousin und eine Pauschalreise angedreht und ihn vor die Tür gesetzt. Das Schlimmste an diesen Typen ist ja, daß sie solche Weicheier sind. Ich hasse schwache Gegner.

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