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zombeco Das schwarze Nashorn war das dümmste Säugetier auf der Erde. Es war mit allen Waffen ausgestattet, passiv wie aktiv – einem ganz ordentlichen Panzer für ein Tier des Känozoikum, prächtigen Hörnern, die ihm seinen Namen gaben, und einem wuchtigen Unterbau, der sich bei Bedarf sogar beachtlich beschleunigen ließ. Es wurde als Pflanzenfresser ausgelegt, um nicht unnötig durch bewegliche Nahrung provoziert zu werden. Es war unangefochten.

Dennoch war es aggressiv wie Flußsäure, hemmungslos wie eine Hafenhure und von der Gnade eines ausgehungerten Leoparden. Trotz erbarmungswürdigen Ungeschicks und anderer Handicaps wie völligem Fehlen eines Motivs konnte das Nashorn in seiner Lebenszeit stapelweise Todesopfer generieren. Es war daher über 50 Millionen Jahre ein wichtiger, nein der wichtigste Indikator für diese Form der Dummheit.

Als die Mäuse die Erde betrieben, verpassten sie das Resultat ihres eigentlichen Experiments um einige hundert Millionen Jahre. Es wurde durch eine zufällige Zeitreise noch einmal hervorgebracht, aber mutmaßlich wiederum ignoriert. Wie dem auch sei, die Geduld der Mäuse war nicht einmal gering; dennoch begannen sie das Experiment zu manipulieren. Im Endeffekt beraubten sie sich dabei – im Rahmen einer noch zu handhabenden Wahrscheinlichkeit – jeder Möglichkeit, das Experiment noch erfolgreich zu Ende zu bringen. Tatsächlich schafften sie genau damit aber eine Unwahrscheinlichkeit, die exakt dem Grade entsprach, der nötig war, um die Frage aller Fragen doch noch zu beantworten. Wie bereits bemerkt, notierten sie dies aber nicht.

Nicht zu stoppen

Mit den Jahrtausenden, vor allem dem Erscheinen der Menschen auf dem Planeten, vertieften sie sich derart in ihre Manipulationen, dass sie ihre Schwänze nicht mehr bemerkten, wenn jemand darauf trat. Immer wildere Phantasien lebten sie aus, um zu testen, was mit dieser Spezies noch ging, und sie wurden wirklich niemals enttäuscht. Dieser Phase verdanken wir unter anderem die Erfindung des Popcorns, doch das ist eine andere Geschichte.

Es kam dann zu einer Zäsur, die der Chronist hier festhalten möchte, falls den pelzigen Ingenieuren auch dieser Zusammenhang entgangen ist oder er ihrer sprichwörtlich schlampigen Dokumentation zum Opfer fallen sollte. In einem genialen Werk soziopathologischer Testverfahren injizierten die Mäuse einem hochentwickelten Menschenhabitat einen zweistufigen Wirkstoff, der die Grenzen ihrer Fähigkeit zu dissoziativer Anpassung ausloten sollte, den menschlichen Leid/Nonsens-Faktor®. Wieviel Schmerz waren diese Wesen bereit auszuhalten, ohne dass sie irgend einen Sinn darin erkannten, wieviel andererseits dazu fähig, anderen Leid zuzufügen, ohne Sinn und Zweck, freiwillig und ohne Gegenwehr?

Nachdem bereits einige hundert Jahre erstaunliche Ergebnisse mit einem System erzielt wurden, in dem Menschen ihre Interessen und Erkenntnisse vollständig einem papiernen Fetisch untergeordnet hatten, wollten die Mäuse endlich wissen, wann dieses System kollabieren würde. Sie erhöhten sämtliche Werte, begünstigten alle Faktoren, die den Menschen inmitten eines Paradieses voller Ressourcen die Hölle auf Erden bereiteten. Dabei waren sie überzeugt, binnen Monaten zum Ende zu kommen. Sie erfanden die Reaganomics.

Dreißig Jahre später kapitulierte das schwarze Nashorn, gratulierte dem uneinholbaren Sieger und verließ endgültig die Erde.

Bildquelle oben: Wikimedia Commons / Acey Duecy

 
notmygauckWas wir einen “Bundespräsidenten” zu nennen uns schämen dürfen, pendelt zwischen den Ruinen einer brachialen Rhetorik, dem Geist des Stahlhelms und den Wirrungen einer manifesten Psychose. Aus seiner aktuellen Rede zitiere ich den letzten Absatz, das geht ab wie Salzwasser:

Wir, zusammen einzigartig, schauen uns an diesem Festtag um. Wir sehen, was uns in schwierigen Zeiten gelungen ist. Und wir sind dankbar für all das, was gewachsen ist. Und eine Verheißung kann uns zur Gewissheit werden: Wir müssen glauben, was wir konnten. Dann werden wir können, woran wir glauben.

Nein, tun wir nicht. Die ersten drei Wörter sind schon eine Zumutung aus schaler Suggestion, desolater Grammatik und völkischem Dung. Das braucht kein Mensch. “Wir” sind gar nichts, und wenn ihm danach ist, für etwas Gewachsenes einen Kollektivdank zu entbieten, dann soll er zum Erntedank in seine gottverdummte Kirche gehen. Vielleicht hat er ja die Reden verwechselt.

Das “Wir” lasse ich dann einmal aus. Ich will kein “Wir” sein mit diesem widerlichen Menschen und seiner Ideologie. “Verheißung zur Gewissheit” – welch ein Pomp, welch billige Sprachbilder riefenstahlscher Dimension, und das verquirlt diese losgelassene Lallbacke mit “glauben, was wir konnten“?! Hä? Etwas, das in der Vergangenheit liegt, kann man wissen und beurteilen. Der Pfaffe aber, der Folgsamkeit und Unwissen sät, ruft stattdessen zum Glauben auf. Den an die Nation übrigens. Woher kenne ich das bloß?

Großmächtiger Einpeitscher

“Dann” wenn wir also glauben, was wir besser wissen sollten, können wir etwas? Nämlich “können, woran wir glauben“? Ist da irgendwo eine Logik, die das “wenn” mit dem “dann” verbindet, die Basiskonstellation aller Logik? Ja wie denn? Fehlanzeige. Dafür ist er nämlich da, der “Glaube”. Der hat übrigens gar nichts am Zettel mit wenn-dann oder Können, er steht ganz im Schatten der völkisch-nationalen “Verheißung”, einer Sprechblase, die mystischen Mumpitz an die Stelle kritischer Reflexion setzt.

Dies ist nur ein Absatz aus einer Rede, in deren Atmosphäre sich wie geölt “Engagement” und “Verantwortung” sagen lässt, wo jeweils “Krieg” gemeint ist. Seinen Neusprech hat der Einpeitscher wie immer großzügig über die Zeilen verteilt.

In den Kommentaren sagte ich heute: Der oberste Pfaffe als polternder Demagoge, genau so habe ich mir das vorgestellt. Als ich mich über die Köhler-Rede geärgert habe, dachte ich nicht, dass der Mann gleich zurücktritt. Als Wulff auf den Sessel gehievt wurde, schickte sich ein gemütlicher, vergleichsweise ungefährlicher Spießer an, den Grüßaugust zu geben. Dann kamen die Grünen mit ihren NATO-Christen und haben uns diese aggressive deutschnationale Variante beschert. Einen schneidigen Pfaffen als Einpeitscher für Großmachtsambitionen – im Rahmen marktkonformer Demokratie, versteht sich.

 
spartac

Es muss eine Geschichte erzählt werden, der die Menschen sich anschließen können. Sie muss keine neue Geschichte sein; im Gegenteil ist sie eine sehr alte. Sie ist die Geschichte der Befreiung der Menschheit aus Herrschaft und Zwang. Dies schließt alle Menschen ein, gleich welcher Herkunft, welchen Standes und welcher Eigenschaften, die irgendwer ihnen zuschreiben kann. Keine Herren, keine Sklaven – das war schon immer das Ziel der Befreiungsbewegungen und der ihr folgenden Versuche, eine neue Gesellschaft zu gründen. Ob in den Sklavenrevolten der Antike, der bürgerlichen Revolution oder den kommunistischen, das Versprechen war stets dies, sich aus der Knechtschaft zu befreien und Selbstbestimmung zu erlangen. Dieses Versprechen ist noch immer nicht eingelöst, es gehört daher als Forderung auf die Agenda.

Kein Mensch gehört einem anderen. Niemand darf anderen vorschreiben, wo sie zu leben, was sie zu arbeiten und wem sie die Früchte ihrer Produktivität zu überlassen haben. Letzteres war einmal die völlig selbstverständliche Basis der demokratischen Bewegungen. Die Bürgerlichen des 18. Jahrhunderts hatten vielleicht nicht die Idee, Arbeiter und Bauern zu befreien, aber aus ihrer Sicht war es völlig klar, dass sie sich nicht vom Adel permanent enteignen ließen. Daher besteht bis heute die Verbindung von Freiheit und Eigentum: Es war da nie die Idee, unbegrenzt Eigentum anzuhäufen, im Gegenteil, aber es sollte überhaupt Eigentum fürs Volk geben, und zwar auch solches, das Früchte trägt.

Die notwendige Korrektur nach den ersten furchtbaren Krisen des so entstehenden Kapitalismus nahmen die sozialistischen und kommunistischen Bewegungen vor. Nicht nur waren die zunächst ignorierten Arbeiter und Bauern in eine neue Sklaverei geraten, es zeigte sich auch, dass das Eigentum an Produktionsmitteln mehr Probleme geschaffen als gelöst hatte. Tatsächlich gab es nach Marx und Lenin erstmals eine Gesellschaft, in der Arbeiter und Bauern an die Macht kommen konnten. Was sie dabei übersahen, war das Problem der Macht selbst. Es gab wieder Herren und wieder Sklaven, Entmündigte, menschliche Manövriermasse. Die neuen Herren waren immer noch welche und immer noch so despotisch wie die alten.

I meet the new Boss …

Der reife Kapitalismus setzte sich davon ab, indem die Herren den Abhängigen mehr Freiheit einräumten. Die konnten mit Glück ein wenig Land, ein Häuschen, Autos und andere Spielzeuge erwerben. Sie hatten sogar die theoretische Möglichkeit, selbst zu Herren aufzusteigen. Einige von ihnen schafften das und wurden anderen zum Vorbild. Nie aber sprachen die Abhängigen den Herren der Produktionsmittel und ihren Funktionsträgern das Recht zu herrschen ab. Nie war es Konsens, dass es keine Sklaven mehr geben solle – und keine Herren.

Inzwischen löst sich die Zivilgesellschaft auf, während sich das Machtgefüge verdichtet. Immer mehr Abhängige fürchten um ihre Lebensgrundlage, immer mehr verlieren sie tatsächlich, immer mehr werden zu Arbeiten gezwungen, von denen immer weniger leben können – oder sie werden gezwungen, zu verelenden, weil für sie nichts mehr übrig gelassen wird: Keine Arbeit, kein Lohn, keine Teilhabe, und am Ende nicht einmal mehr etwas zu essen.

Das alles inmitten in einer bizarren Welt, die technische Möglichkeiten bietet für ein Paradies auf Erden. Kein Hunger, keine Kälte, keine Obdachlosigkeit, das ist schon morgen möglich. Wenn sich Prinzipien durchsetzen, die soziale Ziele haben. Wenn die Menschen endlich die Möglichkeit haben, über sich selbst zu bestimmen. Wenn sie nicht dem Kaiser dienen, dem Führer, den Reichen, dem Taler oder dem Gott “Wachstum”. Wenn wir uns darauf einigen, dass wir keine Sklaverei mehr akzeptieren und deshalb auch keine Herren. Das wäre ein Anfang der Geschichte.

 
Neulich begann ich eine Geschichte zu erzählen, wie ich einer Frau erklärte, ich könne auch ein Schnitzel schreiben. Die Story blieb in ihrem falschen Hals stecken, als es ein Missverständnis gab bezüglich des Begriffs “Fingerübungen”. Was ich damit sagen will, ist dass Fleisch und Körperteile gefährliche Metaphern zu bilden tendieren, man sollte sie als solche daher besser meiden.

Ich werde nachher in einem organisierten Anfall spießiger Gemütlichkeit Fleisch verbrennen, kaufte dazu solches in geringen Mengen aus biologischem Rinderanbau, ohne dass es mir deshalb gelingt, ein fröhliches kastriertes Wesen selig zum großen Taurus aufsteigen zu sehen, das quasi freiwillig dem Prädator seine Lende zum Vermächtnis hinterließ.

Vermutlich hat das Tier gelitten und ist viel zu früh abgeschlachtet worden, nur damit ich meinen derzeit erhöhten Eiweißbedarf einmal mit der schalen Lust eines selbst gezähmten Möchtegernjägers decken und die Zähne eben in blutige Muskeln schlagen kann. Habe ich früher täglich gemacht, ohne dass es mich hin- und hergerissen hat. Mal sehen, wie oft ich den Quatsch noch mache und ob am Ende Großhirn gegen Rückenmark obsiegt.

Heute nichts Gutes

Apropos Menschliches, hatte ich heute noch diesen anderen Anfall. Ich bin nicht krank und gehöre auch nicht zu diesen ewig offensiv leidenden Heuschnupfensprayern, die jede Pflanzengattung anhand der Farbe ihres Schnodders erkennen können. (Sollten sich Allergiker hiermit beleidigt fühlen, so muss ich eingestehen, dass das meine vollste Absicht ist. Ich habe noch nie Allergiker beleidigt. Gibt es eigentlich Allergikerwitze? Diese Menschen leiden wirklich furchtbar. Tja, Pech gehabt, heute ist der Tag, an dem de Moral hier Pause hat. Seid froh, dass man euch nicht die Eier abschneidet und euch im Vorschulalter den Hals aufschlitzt, um eure Kadaver zu rösten.)

Also, heute morgen ist mir quasi der Kopf explodiert. Beim ersten mal hält man sich noch die Hand vor die Schleimluke, was ja herzlich sinnlos ist, aber immerhin seine ganz eigene Ästhetik hat. Spreizt man anschließend die Finger, erinnert das an Aquarius – die Jüngeren vielleicht noch eher an Spiderman, jedenfalls Superhelden mit Spezialhaut an den Händen. Euch natürlich nicht, phantasielose Etepetetchen, euch ist das sicher nur “eklig” mit Ausrufungszeichen, was?

Das war dann aber erst der Anfang, und als ich nach dem fünften Ausbruch des Sekretvulkans fast ohne Kraftaufwand den Weg durch die Küche gleitend zurücklegen konnte, fiel mir ein, dass man das vielleicht technisch nutzen sollte. Der feine Sprühregen, der sich in Millisekunden überall verbreitet und Decke, Wände, Boden flächendeckend beaufschlagt, müsste doch irgendwie eingefärbt werden können. Ich muss hier eh bald streichen. Dann könnte ich ein paar Allergiker einladen, die endlich zu etwas nütze wären. Das müsste eigentlich auch für die Jobcenter ein höchstinteressanter Ansatz sein.

 
Wie ein Wackeldackel habe ich heute den bemerkenswerten Artikel von Claudius Seidl in der FAZ gelesen. Es macht keinen Spaß mehr. Es ist unerträglich, und die Konservativen oder die sich in ihrem medialen Umfeld tummeln, dürfen das auch so feststellen. Warum das so ist, dass eher die Konservativen die ganze Veranstaltung abledern, die sich “Politik” schimpft und schon lange das Niveau von Provinztheater nicht mehr erreicht, darüber kann man spekulieren. Vielleicht, weil sie noch ins Theater gehen. Vielleicht auch, weil sie mit zweckfreier Bildung befleckt sind und aus der Ruhe eines Elternhauses sprechen, das noch den Unterschied kennt zwischen Lernen und Streben. Die wissen, dass Ehrgeiz die letzte Zuflucht der Versager ist.

Nicht zufällig steht mit Gerhard Schröder symbolhaft einer für den Niedergang der politischen Klasse, der als Emporkömmling abhob und als Büttel der Reichen und Mächtigen landete. Mit ihm kam passend zur Endphase des Kapitalismus eine Horde niveaufreier Lügner ans Ruder, die sprichwörtlich verkaufte, wofür sie einst stand, und zwar alles. Die Grünen Pazifisten und Ökos wurden zu Kumpanen der Stromwirtschaft und Bellizisten im Club der Atlantiker. Die “Sozen” wurden zu Genossen der Bosse, Finanzmarktschreiern und Feinden der Unterschicht, die sich für ihre Karrieren krummgebuckelt hatte. Nicht nötig zu bemerken, dass ihre Wahlversprechen sich allesamt als groteske Lügen entpuppten.

Das schwarze Loch

Dann kam Merkel, das schwarze Loch. In ihr verschwanden alle Konkurrenten, durch Nichtstun, Nichtssagen und das AAL-Prinzip: Andere arbeiten lassen, wobei die “Arbeit” in erfolgreichen Intrigen bestand. Was da noch steht, kann gar nichts mehr, nicht einmal reden, lügen oder verwalten. “Meinungsfreiheit” besteht darin, dass sie keine mehr haben. Doof lächeln und “gemeinsame Lösungen” finden lassen muss reichen. Die “Lösungen” geben die mystischen Märkte vor, zum Ausdruck kommen sie bei Springers und in den Vorständen von (Medien-)Konzernen. Es herrscht Einigkeit, dass alles kommen muss, wie es kommt. Niemand erwartet inzwischen noch, dass von diesen Dilettanten auch nur die Gefahr einer Idee ausgeht.

Prototypisch für dieses Fiasko stehen die wichtigsten Minister, nehmen wir mal die für Verteidigung und Inneres. Was da zuletzt von der Resterampe gekullert ist, lässt bestenfalls noch Worthülsen ab, verfällt aber gerade dann in beredtes Schweigen, wenn man gefälligst etwas zu hören wünscht. Ein Thomas de Maizière verbockt alles, was er anfasst, flieht vor seinen Skandalen stets nach oben und hat noch nie in seiner Karriere irgendeine Entscheidung getroffen, die man bei Anwendung selbst des bescheidensten Verstandes noch nachvollziehen könnte.

Was soll das?

Hans-Peter Friedrich war mir jahrelang durch seine intellektuell und rhetorisch anorektischen Vorträge aufgefallen, ehe er als Quotenbazi den Einheizer geben sollte. Man erinnere sich an echte Scharfmacher im Ressort, von Kanther über Schily bis Schäuble. Die waren zwar widerlich, aber in dieser Kompetenz wenigstens überzeugend. Über Friedrich dürfen inzwischen sogar die Praktikanten befreundeter Verlagshäuser ihre Possen reißen.

Von der Etappe möchte ich ebenso schweigen wie von der Nützlingstruppe FDP, der es nicht einmal gelingt, einen brauchbaren Karnevalspräsidenten in ihren Vorstand zu wählen, der wenigstens seine Zoten noch glaubhaft, verständlich oder unfallfrei in ein Mikrophon aufsagen kann. Wie soll so eine Gurkentruppe noch von den unendlichen Weiten ihrer Korruptionsbereitschaft ablenken? Was soll das? Man muss ja befürchten, dass am Ausgang des Wahllokals eine feixende Menge noch nicht final Verblödeter mit Fingern auf einen zeigt, weil man so bescheuert ist, am Urnengrab des Respekts vor den Bürgern seine Zustimmung zu diesem Meuchelmord zu dokumentieren.

Ich stelle fest, dass ich diesem Treiben längst selbst völlig entrückt bin. Dazu habe ich nichts mehr zu sagen, meinen die für Politik zuständigen Synapsen meines geschundenen Hirns. Vielleicht sollte ich von den Konservativen lernen, dass ab und an der Zorn über die organisierte Geringschätzung der Menschen nach Ausdruck verlangt. Bitteschön!

 
bfgdirt

Quelle rechtes Bild: Wikimedia Commons

Aus aktuellem Anlass – kürzlich wurde in den Kommentaren über angemessene Bewaffnung in Beruf und Freizeit diskutiert – habe ich mich entschlossen, ein Vorhaben umzusetzen, dass mir ohnehin schon länger vorschwob. Periodisch werde ich hier Produkte vorstellen, zumal solche, deren Hersteller dafür bekannt sind, dass sie gut und diskret zahlen, wenn man ihnen die wohlverdiente publizistsiche Unterstützung zukommen lässt. Dem Standort® kann es überdies nur guttun. Bislang wurde mir von den Firmen der hier und jetzt vorgestellten Waren noch kein Obolus entrichtet, aber man darf ja hoffen.

Zur Linken die allseits beliebte BFG10K von IDsoft; einige Daten: Schaden pro Treffer 100; Maximum Munition: 200 Ladungen; Feuermodus: Halbautomatik; 120 Einheiten ‘Splash Damage’-Radius; 5 BFG Schüsse pro Sekunde/10 pro 3 Sekunden (300 Millisekunden Ladezeit).

Zur Rechten der Dirt Devil von Dirt Devil, aktuelles Modell (nicht im Bild) mit 15,6 Volt Motorspannung, 25,4 mm Düsenbreite, F4 HEPA Filter, Nickel-Cadmium Batterie und 1,5 kg Gesamtgewicht.

Ungleiches Rennen

Im Test liegt die BFG ganz klar vorn in den Disziplinen Plattmachen, Löchern, Fraggen, Shock and Awe, und eigentlich könnte man an dieser Stelle den Test auch gleich beenden. Hallo, das ist die BFG! Die leuchtet nicht ganz zufällig blau, auch ohne Quad Damage, da heißt es abhauen oder sterben, wobei es mit den Abhauen gemeinhin zu spät ist, wenn man wie eine Kuh vor dem Bus in ihren Mündungsrachen glotzt. Für alle Waffennarren, Kellerbewohner und Anhänger von Allmachts- oder Vernichtungsphantasien ist der Zwischenstand also wie folgt: Dirt Devil: Null, BFG: 10K!

So leicht lässt sich aber aber der süße kleine rote Schmutzteufel nicht aus der Arena ballern. Juckt es ihn denn, wenn irgendein sabbernder Ego-Shooter sich an ihm reibt? Nein! Kommen wir also zu den Stärken dieses ungemein praktischen und handlichen Gerätes für den Alltag und die besonderen Stunden: Seine Domäne ist die heiße Luft. Was andere auswerfen, zieht er sich rein, und zwar mit demselben Mittel. Egal welcher Dreck einer Schleuder entfleucht, er nimmt ihn freundlich schnurrend in sich auf und rülpst nicht einmal, wo andere längst das Kotzen kriegen.

Vor allem in Zeiten von Regierungsansprachen, Ministerinterviews und sonstigen Neusprechattacken ein unverzichtbares Accessoire auf allen Wegen. Allemal effektiver als virtuelle und sogar reale Waffen, dürfte das Aufsetzen des Saugstutzens auf die verursachende Fressluke in der Wirkung keine Wünsche offenlassen, Motto: “You suck. Me too”. Selbst fürs kleine Martyrium zwischendurch sollte er seinen Dienst hinreichend tun: Wer mit so einem Ding auf Sicherheitskräfte® jedweder Art losgeht, dürfte so sicher erschossen werden wie ein nackter Mann im Brunnen. Über Spielzeuge wie Kleinkaliberspuckwerk oder Jagdwaffeln kann er nur sanft summend kichern.

Friss das, BFG, Endstand: Dirt Devil:10k! BFG: 10k! Beides jetzt zum günstigen Heiße Luft Tarif in ihrem Terrorism Bomb and Headshot Shop.

 
weg

Wie ich bereits in den vorherigen Artikeln habe anklingen lassen, ist die Linke im Hinblick auf Machtperspektiven der Rechten nahezu hoffnungslos unterlegen. In dem von R@iner verlinkten Interview hat Rudi Dutschke das schon vor 45 Jahren auf den Punkt gebracht: “Heute können nur rechte Minderheiten siegen.”. Der Rechten, deren Programm der Machterhalt Weniger über Viele und das Aufsplitten der Bevölkerung in Gruppen unterschiedlicher Wertigkeiten und Ansprüche ist, stehen alle Mittel zur Verfügung, der Linken nur die Einsicht und die Bedürfnisse der Vielen.

Dabei sind auch die Bedürfnisse noch verschüttet, sublimiert, der Herrschaft angepasst, und die Einsicht ist durch Propaganda verhüllt. Es scheint fast aussichtslos, gegen diese strategische Übermacht jemals an einen Punkt zu kommen, an dem es keine Herren mehr gibt und keine Sklaven, jedenfalls wenn man sich nicht von vornherein korrumpieren lässt und doch wieder ‘auf Zeit’ oder ‘begrenzt’ jene Mittel einsetzen will, die einer Minderheit die Macht über die Mehrheit verleiht. Wo das endet, wissen wir.

Selbstbestimmung

Die Wirkung der Einsicht ist ebenso arg begrenzt wie die der Versprechungen einer besseren Gesellschaft. Es ist dennoch überlebenswichtig, die Analyse nicht zu vernachlässigen und diejenigen über den Stand der Dinge aufzuklären, die zur Diskussion bereit sind. Das ist etwas, was man leisten kann, und es stellen sich durchaus stabile Erkenntnisse heraus, die sich von aller Propaganda nicht zersetzen lassen, weil sie eben wahr sind. Dass sie nicht wirksam werden, ist ein anderes Problem.

Es bleibt ebenfalls so, dass die Widersprüche des herrschenden Systems die stärkste Waffe der Veränderung sind. Wir wissen noch nicht, was die just hörbar geplatzte Lüge von der bürgerlichen Freiheit hinterlässt, aber wir haben es jetzt zu tun mit einer Erkenntnis, der man sich nur noch durch eine sehr aufwendige Form der Selbsttäuschung entziehen kann. Gleichzeitig bricht in ehemals als stabil empfundenen Staaten das Elend aus, wie man es noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte.

Man kann nicht darauf warten, dass die Menschen sich jetzt plötzlich von allem abwenden, was ihnen noch kürzlich wichtig und richtig erschien. Vielmehr ist es an der Zeit, über Prozesse nachzudenken, die schrittweise und ohne den Einsatz fataler Mittel zu einer echten Veränderung führen können. Dazu gehört vor allem der in den sogenannten Demokratien immer versprochene und grotesk vergewaltigte Anspruch einer Selbstbestimmung der Menschen. Niemand außer gesottenen Faschisten wird argumentieren können, dass die Machtballung in Kapital und Politik, die uns an diesen Scheidepunkt geführt hat, wünschenswert ist. Es bedarf also einer radikalen Begrenzung von Macht in jeder Form, also Reichtum, Verfügung über Ressourcen und militärischer Macht.

Raus aus der NATO

Nie war die Forderung so aktuell und plausibel, aus der NATO auszutreten. Diese Forderung muss wieder erhoben werden. Und wenn man dabei ist zu erkennen, dass transnationale Machtballungen nur das größte Übel sind, erkennt man auch, dass die Welt kopfsteht. Das Elend aller autoritären Herrschaft, da tun sich Plutokratie, Faschismus und Staatssozialismus gar nichts, ist die Hierarchie, die Befehlskette von oben nach unten. Eine demokratische Gesellschaft funktioniert andersherum:

Nur wenn die Menschen in ihren Regionen über sich bestimmen und die Kontrolle über alles ausüben, was überregional vereinbart wird, ist Demokratie möglich. Die Kommune muss bestimmen, was das Land darf und was der Bund darf, nicht umgekehrt. Die größte Gefahr für die Diktatur geht von Menschen aus, die sich um sich selbst kümmern und wissen, was geschieht. Sie brauchen weder Geheimdienste noch Panzer, denn sie sind unregierbar. Ein Albtraum allerdings für diejenigen, die sich als demokratische Vertreter® gerieren.

 
An dieser Stelle könnte eine witzige Begebenheit stehen oder ein Witz. Ein politischer womöglich, über die Regierung. Wem einer einfällt, der besser ist als der mit dem Hund, der ein schattiges Plätzchen suchte und einen Keks unterm Baum fand, erzähle ihn getrost. Auch wem ein noch schlechterer einfällt. Ist das lustig, wenn die Hofberichterstattung inzwischen absolut keinen Unterschied mehr aufweist zur – Hofberichterstattung?

Es interessiert mich einen Kehricht, was die Kanzlerin isst, trägt oder mit ihrem Gatten veranstaltet. Während die FAZ ja gar nicht zu Unrecht fragt, ob in Berlin überhaupt (noch) wer regiert, nimmt es doch wunder, dass sie damit Wowereit meinen. Immerhin benennt der Superfachexperten wie Hermut Mehdorn zu Verwesern dessen, was noch nicht völlig hingerichtet ist. Immerhin lässt er einen Flughafen vermurksen, absurde Wohnungspolitik anzetteln, U-Bahnen vergraben, die keiner braucht und sämtliche Straßen in Parkplätze verwandeln. Ist das nichts?

Nichts, das ist das, was die Kaiserinkönigin und Erste unter gleich inkompetenten Spreebogengurken tut. Nichts nicht zuletzt gegen die völlig hemmungslose Bedienung der FDP-Klientel durch die Minister der gleichnamigen Partei. Anwälte und Notare waren jetz an der Reihe mit dem Schampuseinlauf: Der Bundestag hat mit der schwarzgelden Mehrheit die Anhebung von Honoraren und Gebühren beschlossen: Anwälte kassieren danach zwölf Prozent mehr, Notare bis zu 20 Prozent. Das sind doch endlich mal wirksame Maßnahmen gegen die bittere Armut.

Just Kidding us

Der Kracher ist allerdings, wie aufreizend zynisch sie dieses Konjunkturprogramm komplettieren: Die eigentlich schon beschlossenen Einschränkungen bei der Prozesskostenhilfe wurden gleichzeitig (vorläufig) gestrichen. Dass diese Idee die Klassenjustiz noch einmal drastisch verschärfen würde, war kein Grund, sie zu verwerfen. Aber damit man das nicht nachgerade ins Auge gebrannt bekommt, wurden diese Maßnahmen entkoppelt, das wäre sonst womöglich zu auffällig geworden. Wenn die Kollegen dabei mehr kassieren, hat die Prozesskostenhilfe ja vielleicht sogar noch etwas Positives.

War das jetzt schon witzig genug? Auch der bescheidenste Witzemacher oder sonstwie kleinpublizistisch wirkende Politquatschmacher darf sich dieser Tage ein wenig Lametta anhängen und kundtun, dass ihn das Georg-Schramm-Syndrom erwischt hat. Wir können ja kaum zum Ausdruck bringen, wie dankbar wir für die Zeit sein können, da er uns mit grandiosem Kabarett beschenkte, ehe ihm gewahr wurde, dass er so tief nicht mehr schießen, so flach nicht pfeifen kann und so weit unten nichts mehr sieht.

Blöd, dass jetzt nur geborene oder verzweifelte Schwätzer den überdüngten Acker noch sinnfrei zerfurchen. Ich wäre ja bereit zu behaupten, mir fehlten die Worte, aber es zuckt und leuchtet immer noch hektisch in meiner Großhirnrinde in der Hoffnung, dass es sich vielleicht eines Tages doch noch zu einem Geistesblitz verdichtet. Bis dahin möge der Alkohol reichen!

Ich hole einmal zwei – leicht bearbeitete – Kommentare hier hoch, weil ich es wichtig finde, deren Hintergrund zu klären und einigermaßen überrascht bin, wie wenig das bislang angekommen ist.

allewegeDas Vertrackte am Kapital ist der Zwang zur Expansion, Kapitalismus ist ohne diese Dynamik (von Verschuldung und Profit) nicht zu haben. Ich kann also keine Marktwirtschaft haben, die sich nicht auswirkt wie Kapitalismus. Warum ist das so? Was immer gern übersehen wird, ist dass der New Deal der Ansatz zu einem ‘humanen’ Kapitalismus war und ebenso Erhards “Soziale Marktwirtschaft”. Der Knackpunkt liegt in der Analyse von deren Scheitern und dem Aufkommen des Neoliberalismus. Das war, so sehen es die Marxianer, kein Unfall, sondern die logische Folge sinkender Profitraten bzw. eines Überschusses an Kapital, was aufs Gleiche hinausläuft. Wenn Kapital durch sinnvolle Arbeit nicht mehr vermehrt werden kann bzw. nur um einen immer geringeren Anteil, dann setzen Mechanismen ein, die auf jede erdenkliche Weise ‘künstlich’ Profit erzeugen.

Put the Pin back in

Dazu gehören nicht nur (volkswirtschaftlich schädliche) Lohnsenkungen, dazu gehört auch eine gnadenlose Konkurrenz, weil der Gewinn nur noch für wenige lukrativ sein kann; dazu gehören dann eben auch Praktiken und Geschäfte, die in anderen Zeiten zu Recht als kriminell gelten. Dazu gehört ebenso, dass durch Propaganda und Korruption Grenzen durchbrochen werden, die vor allem von staatlicher Seite das Geschäft beeinträchtigen. Das ist keine Frage eines Willens oder einer Mentalität, das ist in dieser Entwicklungsphase die letzte Möglichkeit, Profit zu machen, was ja richtig ist, denn Kapitalismus beruht einzig auf Profit. Jeder will am Ende mehr Geld haben und auf keinen Fall weniger. Jede ‘Marktwirtschaft’ ist bislang in eine solche Phase gekommen. Weil sie nicht anders kann. Steht alles schon beim Zottelbart.

Das ist der Punkt, an dem wir uns mit den Keynesisten und anderen Vertretern einer ‘marktwirtschaftlichen’ Ausrichtung nicht einigen können. Das ist auch der Punkt, an dem ich an Jens Berger nicht herankomme. Aus meiner Sicht versuchen die Jungs, kochendes Wasser auf angenehme 35° abzukühlen, lassen aber den Pott auf dem heißen Herd stehen. Nun gibt es ganz sicher Möglichkeiten, die Brühe auch unter diesen Umständen runterzukühlen, aber dabei gibt es halt zwei Probleme: Erstens wird man für solche Versuche bei vielen kein Verständnis erzielen. Den einen ist schon der Zusammenhang zwischen Herd und Hitze zu kompliziert und die anderen finden das blöde. Zweitens gibt es da die noch anderen, die wollen, dass es kocht. Das sind dann obendrein diejenigen, die mit der Knarre hinter den Köchen stehen.

Westlicher Wohlstand zwischen Staublunge und Leiharbeit

Es wird dann so getan, als sei Kapitalismus ein Segen. Er habe Wohlstand gebracht und müsse darum erhalten werden. Solche Argumente tun mir physisch weh. Kapitalismus hat nie für Wohlstand gesorgt, das ist pure Propaganda. Er hat für asymmetrische Verteilung gesorgt, die auf der einen Seite als Wohlstand empfunden wird und auf der anderen “Sklaverei” heißt. Nicht nur dass außerhalb von Europa und den USA wenig davon angekommen ist; noch die Nachkriegsgeneration ist hier an Staublunge krepiert. Die Laube und das abendliche Bier waren der “Wohlstand”, den es im Gegenzug gab. Wenn man es historisch und geographisch bemisst, gab es verdammt wenig “Wohlstand” in den Zeiten der “Marktwirtschaft”. Kriege, Faschismus und die “Dritte Welt” werden dabei ohnehin schon vollständig verdrängt.

Was davon übrig bleibt: Die Dynamik der technischen Entwicklung wurde durch die des Kapitals enorm beschleunigt. Das hat solchen Fortschritt gezeitigt. Der ist aber mehr als genug fortgeschritten; sollen wir jetzt quasi aus Dankbarkeit die letzten Ressourcen noch schneller plündern und das Kapital uns weiter in die Katastrophe führen lassen? Die Technik steht längst im Dienste der Sollbruchstelle, um höhere Umsätze zu erzeugen, mehr Material zu verpulvern und die Produktqualität immer weiter abzusenken. Der Zenit technischer Produktivität ist überschritten, wir brauchen nicht mehr und schnelleren Fortschritt, wir brauchen einen sinnvollen Einsatz der Ressourcen. Den wird es niemals geben, so lange das Spiel “Geld-Produkt-mehr Geld” heißt. Denn darin ist für Vernunft ebensowenig Platz wie für ‘Humanität’.

 

Die Bourgeoisie hat durch die Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat [...] den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen von einander.

Manifest der Kommunistischen Partei, 1848
 
Die Universalität der Menschenrechte wurde von bürgerlichen Revolutionären zunächst behauptet, ihre Durchsetzung aber nicht wirklich angestrebt. Die Bürger fochten für die Bürger; Rassismus, Klassengegensätze, Sklaverei, jede Form von Diskriminierung war damit vereinbar. Die bürgerlichen Staaten mit ihren Genfer Konventionen und nationalen Menschenrechten führten Krieg gegeneinander und schlachteten andere ab wie Ungeziefer. Stets wichtiger als die Menschen war immer die Nation, “das Vaterland”. Über diesen Hebel wurde auch eine domestizierte sogenannte “Linke” eingebunden, die in Form der Sozialdemokratie lieber ihre Klasse verriet als das Vaterland. Der Feind stand immer links.

Dort fand sich einmal die sozialistisch-kommunistische Internationale, die sprichwörtlich das Menschenrecht zu erkämpfen anstrebte, womit sie zumindest zeigte, dass sie diese Notwendigkeit erkannt hatte. Der Staatssozialismus nahm davon ebenso Abstand wie die Sozialdemokraten, die sich eben lieber staatstragend gaben. Es setzen sich wieder diejenigen durch, die entschieden, wer dazugehörte, wer nicht, was dafür zu tun war, wer die Befehle gab und wer den Stiefel ins Genick bekam. Ausgerechnet die vorgeblich klassenlose Gesellschaft organisierte sich brutal hierarchisch und autoritär. Menschenrechte waren wieder eine Option, ebenso wie in den bürgerlichen Gesellschaften. Die späte “sozialistische Internationale” ist schließlich der Sieg der Organisation über das Programm, ein Klub zahnloser Funktionäre und eifriger Diener des Kapitals.

Das “Wir” entscheidet

Die offizielle organisierte ‘Linke’ verkam zur Vereinsmeierei, der Status “Arbeiter” – inzwischen abgelöst durch strebsame Angestellte mit Oberschichtsallüren – war das entscheidende Kriterium für die Mitgliedschaft. Um die Menschen, denen dieser Status nicht zukam, kümmerte sich niemand, und in den Gefilden, in denen die Sozialdemokraten den Anspruch erhoben, das legitime (weil legale) linke Spektrum abzudecken, waren es obendrein nur die Landsleute, deren Wohl relevant war. Ob irgendwo in der Welt Menschen dem heimischen Wohlstand zum Opfer fielen, blieb irrelevant. “Wohlstand”, “Wachstum”, “Marktwirtschaft” zählten. Im Gegensatz zum ursprünglichen Bezug auf die ganze Menschheit besorgte diese ehemalige ‘Linke’ sogar unter dem Banner einer angeblichen “Globalisierung” das gnadenlose Niederkonkurrieren anderer Nationen.

Zurück blieb eine zersplitterte irrelevante emanzipatorische Linke, welche die Ideale keiner Zugehörigkeit, keinem Amt oder Mandat und keiner angeblichen Beteiligung an sogenannter “Macht” geopfert hat. Sie ist diejenige, die “links” zu nennen noch Sinn hätte, sie vertritt aber niemanden und erscheint geradezu notwendiger Weise ohnmächtig. Der Zugang zu Ressourcen scheint zwangsläufig nach rechts zu führen, wo ohnehin die lukrativen Wege der Korruption warten. Dort empfindet man ein allzu strenges Beharren auf universale Menschenrechte längst als Radikalismus. Es geht auch mit ein bisschen Menschenrechten, die man sich ohnehin erst mal verdienen muss.

Das Beharren der – nennen wir sie ruhig so – radikalen Linken auf universale Menschenrechte wird von ihr nicht in der ganzen Tragweite erkannt. Ich kann mich an keine Diskussion erinnern, in der jemand diesen Zusammenhang hergestellt hätte: Dass aus der Perspektive der angeblich gültigen Menschenrechte sich zwangsläufig die Entscheidung ergibt zwischen deren Universalität hie und Kapitalismus dort. Dieser Grundwiderspruch der bürgerlichen Gesellschaft muss benannt werden. Es wird sich allerdings zeigen, dass er weder so einfach durchdringen wird, noch allzu wirksam ist. Während die einen für die Menschenrechte kämpfen, nutzen die anderen Diskriminierung als Waffe. Sie erhalten dafür obendrein mehr Zuspruch.

Wird fortgesetzt.

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