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Die Meldung des Tages, die emsig per copy & paste verbreitet wird, um als “Leistung” geschützt zu werden, ist Schäubles angekündigte Singapurreise. Knapp dahinter folgt die atemberaubend dämliche Meldung, “Europa” plane eine “dritte industrielle Revolution.”

dogma

Dass Schäuble jemanden “verfolgen” will, kann man ja mit einem gewissen Zynismus durchgehen lassen. Was einen inzwischen nur mehr dumpfen Kopfschmerz verursacht, ist die routinierte Wortwahl. Kleiden wir die semantische Tretmine ins Gewand einer Umfrage, die wir uns durchaus wörtlich so vorstellen dürfen:
Was finden Sie schlimmer?
- Steuersünder, die vor der Enteignung fliehen
oder
- Sozialschmarotzer, die sich als Hartz IV-Betrüger leistungslosen Wohlstand erschleichen?

Schäuble, so heißt es nämlich. wolle “Steuersünder bis Singapur verfolgen“. Wo ist bitte der Punkt, an der Steuerhinterzieher, die sich einer schweren Form des Betrugs schuldig machen, auch so genannt werden? Wenn schon ein Finanzminister, der sich intensiv um die Amnestierung von Steuerbetrügern bemüht hat und die Mittel der Fahnder gern beschränken möchte, von denen spricht, die er dann noch dingfest machen will, dann sind das sicher keine armen Sünderlein, sondern die kriminellsten Steuerbetrüger, die frei herumlaufen. Ich weiß, das ist hoffnungslos, aber ich mag den Lohnschreibern ihren Neusprech immer noch nicht unwidersprochen durchgehen lassen.

Vergangenheit ist Zukunft

Eine Intelligenzleistung der besonderen Art ist aber die Meldung des Wirtschaftsboulevards von “Welt” bis “Spiegel”. Chat Atkins merkt bereits an, dass “geplante Revolutionen” ein merkwürdig Dingen sind, dem ich hinzufüge, dass eine solche, die zentralistisch und von oben geplant ist, sicher die besten Aussichten hat. Der Geistesblitz der Planer: Es sollen wieder “mehr Fabriken” gebaut werden. Wie nennt man diese Form der Marktwirtschaft dann? Sozialkapitalistische Planmehrwertmarktwirtschaft vielleicht?

Dumm genug, aber das ist ja erst der Anfang. Wie kriegt man so viel Gaga in einen Schädel: Gegen eine veritable Produktivitätskrise bauen wir also “Fabriken”? Wohlgemerkt: Gegen eine zu hohe Produktivität! Wir könnten mit den bestehenden Kapazitäten jedem Eichhörnchen zwei PKWs vor den Baum stellen. Weil die aber nicht genug Nüsse haben, von denen die Angestellten leben könnten, werden massenhaft “Stellen abgebaut”. Absatzeinbruch bis zu 40% dieses Jahr, und es kann noch schlimmer kommen. So. Und jetzt bauen wir Fabriken? Was produzieren die denn so Revolutionäres? Solvente Kunden sicher. Argh!

So viel Marx haben diese Genies also inzwischen verstanden, dass “Dienstleistungen” die Produktion nur sehr bedingt ersetzen können. Sie haben gar erkannt, dass das überhaupt nicht funktioniert hat. Mit den Ursachen mögen sie sich aber nicht befassen, das wäre dann sicher Sozialismus. Wenn das Kapital sich künstliche Badeparadiese schafft, weil es keine natürlichen Räume mehr findet, in denen es sich ausbreiten kann, dann ist es nicht die Lösung, das ganze Wasser wieder auf die überschwemmten Felder umzuleiten.

Neoliberaler Vulgärmarxismus

Die “Revolution” ist obendrein die schiere Reaktion, die zerebral entkernten Propagandisten preisen ernsthaft den Marsch in die Vergangenheit als glorreiche Zukunft an. Eine Industriegesellschaft kann nur – und nur für eine kurze Zeit – durch Arbeitssklaven restauriert werden. Das geht eine Weile auch ohne höheren Absatz, bis die Herren dann merken, dass überhaupt niemand mehr den ganzen Schund kauft, der doch so kostengünstig hergestellt wird.

Immerhin dürften solche Glanzleistungen den Absatz von Schmerzmitteln ankurbeln. Das dürfte aber bereits eingepreist sein, denn der Berufsstand scheint sich das inzwischen zur vornehmsten Aufgabe zu machen.

 
Wenn ich dieser Tage lese, Steinbrück wolle die Banken zerschlagen, möchte ich den billigen Mietmäulern, die so einen Stuss zu schreiben sich nicht in Grund und Boden schämen, gern persönlich die Prügel verabreichen, um die sie da bitten. Der Liikanen-Plan ist nicht auf Steinbrücks Mist gewachsen. Der hängt sich jetzt nur hinten dran, um ihn kräftig zu verwässern und nachher die Reste als seine grandiose Leistung zu verkaufen. Das hat bislang ja auch prima funktioniert.

   linksruck

In der Causa zeigt sich aufs Erbärmlichste, wie eine öffentliche Meinung produziert wird, wenn es keine unabhängige Presse gibt. Qualität und Quantität der Informationen sind äußerst mager, dafür wird aus allen Rohren der PR gefeuert. Nicht nur dass eben Fehlinformationen gestreut werden, es wird auch ungehemmt geworben. Von “bester Mann” und “beste Wahl” ist da die Rede, von “Wunder” gar, das nur der bislang als desaströser Verlierer in Erscheinung Getretene bewirken könne. Man kann lügen oder lügen, aber die Verkehrung der Wahrheit ist inzwischen Standard in den Meinungsschmieden. Am Ende haben sie dann noch die Stirn, sich da eine “Trennung von Bericht und Kommentar” zu bescheinigen, wo längst jedes einzelne Wort tendenziös ist.

Nur passende ‘Informationen’

Die TAZ lässt Jens Berger wenigstens ein wenig dagegen halten. Wenn es sonstwo ‘Kritik’ gibt, dann eine à la Augstein, ein wirrer Bürgersohn mit Linksblinkerattitüde. Er hat bei SpOn zwar den Scheinriesen Steinbrück auf sein Bürokratenmaß zurechtgestutzt, kann sich aber auch den Unsinn nicht verkneifen, der habe selbst einen Plan vorgelegt, anstatt auf die Urheber desselben zu verweisen. Ackermann habe den Plan gelobt, was “nicht sehr beruhigend” sei. Holla, da traut sich wer was!

Wie wir wissen, gibt es aber beim Rohrkrepierer des Elitenfunks Ausgleich von Broder bis Fleischhauer, damit solch gelegentliches Eiern über sozialdemokratische Nebenstraßen nicht zum gefährlichen Linksruck® führt. Das hält der Q-Journalismus derzeit für politische Berichterstattung, Hintergrundinformation womöglich, die glorreiche Gatekeeperfunktion der unbestechlichen vierten Gewalt. Wer jetzt noch lacht, ist herzlich in den Garten eingeladen.

Rien ne vas plus

Tröstlich nur, dass das ganze Spiel völlig irrelevant ist. Von den inkompetenten Lohnschreibern der anzeigenfinanzierten und profitorientierten Verlage erwarte ich ja gar keine Kenntnisse über den Gegenstand ihrer Arbeit. Sie wissen stets, was sie schreiben sollen, da kommt es eben nicht mehr drauf an, worüber. Die Meinung muss passen, das geht halt auf Kosten des Inhalts. Traurig aber, dass nicht wenigstens von außen irgendwer noch hineinruft und wenigstens Bescheid sagt, wenn der Baum brennt.

Denn ganz ohne Wirtschaft kann auch das tollste Finanzinstitut nicht überleben, und jene geht gerade saftig vor die Hunde. Mal sehen, was vom Exportweltmeister bald noch übrig bleibt angesichts solcher Konsumdaten. Oder gilt Spanien der deutschen Heuschrecke schon als abgegrast? Jetzt muss ganz fix der Steinbrück ran, damit niemand die “Krise herbeiredet”?

Es ist egal. Vergesst Steinbrück, vergesst Griechenland, vergesst Bankenkrisen und Rettungsfonds. Macht es euch gemütlich, kauft reichlich Popcorn und freut euch auf den Thriller “Endzeit in Europa”. Von hier aus hat man eine sehr gute Aussicht. Nur die Aussichten könnten miserabler kaum sein.

 
psychdol

Eine Frage, der die meisten meiner Kollegen, die wie auch immer als “linksliberal” eingestuft werden, gern ausweichen, ist die oben genannte. Die Hauptrichtung ist aus meiner Sicht die, in der die ‘Marktwirtschaft’ als solche nicht zur Disposition gestellt wird. Vielmehr wird hier Keynes beschworen, da gegenversteuert und dort gar die finale Eurorettung besprochen, nach der alles wieder gut sei. Wie ich aus vielen Kommentaren – nicht zuletzt aus anderen Blogs – erfahre, haben es vor allem linke ‘Kritiker’ noch nicht bemerkt, aber ich selbst gebe dem Kapitalismus, auch im Ballettkleidchen “Soziale Marktwirtschaft” schon lange keine Chance mehr.

Insofern halte ich mich für den Linksextremisten unter den Etikettliberalen, worin ich auch sehr bestärkt werde von jenen, die Marx für einen Sowjetgeneral halten und Sozialismus für eine Art Teufelsanbetung. Nicht nur um weiter zu verwirren, denn das hält wach, wage ich also den Versuch, den Kapitalismus doch noch zu retten. Alles, was ich dazu kann und muss, ist die entsprechende Frage zu stellen. Okay, ich werde sie auch erläutern.

Wer bleibt, der schreibt

Der Kapitalismus birgt offenbar drei Probleme: Erstens, er funktioniert nicht. Zweitens, das liegt an seinem Konstruktionsfehler und ist schon theoretisch nicht zu widerlegen. Drittens hat er das immer wieder empirisch belegt.
Leider ist es aber so, dass erfolgreich das Gegenteil behauptet wird. Dies wiederum hat teils nachvollziehbare Gründe. Vor allem ist da der zu nennen, dass die Überlebenden die Geschichte schreiben, in diesem Fall vor allem die USA – der ein echter Reset bisher erspart blieb als Sieger aus den zwei Weltkriegen.

Ansonsten lässt sich diagnostizieren und empirisch belegen, dass Marxens Analyse stimmt: Die Profitraten sinken periodisch, dagegen gibt es kein Mittel. Die Illusion, dass es anders sei, ist nur sekundär durch technische Umwälzungen und primär durch die Eroberung fremder Märkte aufrecht zu erhalten. Letzteres aber gelingt eben nur den wenigsten. Die meisten gehen dabei erst recht unter. Die einzige Chance, dass es irgendwann weitergeht, liegt im Zusammenbruch. Danach kann man bei Null anfangen und sich wieder so lange über ‘Wachstum’ freuen, bis wieder zu viel Kapital auf zu wenig Absatz trifft. Eine Situation, die wir in historisch einmaligen Dimensionen derzeit weltweit erleben.

Vom Ende zum Ende zum Ende

So stellt sich also die Frage, wie die Zukunft des Kapitalismus aussehen soll. Eine Variante, die man ernst nehmen könnte, die aber ausgerechnet die Fürsprecher der (alternativlosen) ‘Marktwirtschaft’ nicht anbieten, ist die der geplanten Resets. Der periodische Zusammenbruch müsste demnach so vorgesehen sein und der holde ‘Wettbewerb’ an einem Punkt x|y beendet werden, um alles wieder auf “Los” zu schicken. Wer das will, sollte das bitte sagen und sich mit den Folgen befassen. Dazu sei angemerkt, dass auf dem Niveau an Produktivität, das bereits erreicht ist, dieser Punkt sehr schnell wieder erreicht werden wird.

Wer das nicht will und glaubt es sei möglich, Kapitalismus so zu stabilisieren, dass die periodischen Krisen samt Zusammenbruch vermeidbar wären, soll mir bitte erklären wie. Bislang ist mir keine Theorie bekannt, die das auch nur annähernd zu leisten imstande ist. Am peinlichsten aber ist, dass der politisch-ökonomische Komplex sich diese Frage nicht einmal stellt. Meine linksliberalen Kollegen übrigens auch nicht. Sie müssten sich bei der Gelegenheit vielleicht klar machen, dass ein bisschen “Sozialismus” (die Art, vor der die FDP immer warnt) in der Marktwirtschaft zwar nicht das Schlechteste wäre, den Prozess aber auch bestenfalls verlangsamt. Oder kennen die einen Trick, der mir entgangen ist?

 
hatz

Es wurde im vorigen Monat kritisiert, dass ich den obigen Chart gepostet habe, weil er suggeriere, die Entwicklung würde sich nach 2007 fortsetzen. Es hieß da: “Die Jahre 2008 und 2009 haben fast den ‘Normalzustand’ wiederhergestellt.“, ich antwortete darauf: “Nö, da haben wir vor allem den Effekt der Bankenkrise. Der Anstieg bleibt effektiv nicht nur signifikant, sondern dramatisch.”.
Das sieht dann nämlich so aus:

reallohn

Obwohl sich Europa nach wie vor in einer tiefen Krise befindet, haben die Kapitaleinkünfte (in Deutschland) sich so schnell erholt wie sie gesunken sind und halten seitdem ein Niveau, an das die Löhne und Einkommen nie mehr herankommen werden. Während die Löhne seit 20 Jahren nicht gestiegen sind und sogar noch unter dem Niveau von 2000 liegen, halten sich die Prämien auf Vermögen und Privateigentum in luftigen Höhen.

Interessant wäre allerdings eine weitere Differenzierung in Einkommen aus produzierenden Unternehmen und solchen aus (anderen) Finanzprodukten bzw. Vermögen. Dadurch würde ersichtlich, in welchem Zusammenhang Kapitaleinkünfte und echte Investitionen stehen. Ich werde darauf zurückkommen.

 
wiwa

Es ist schon erstaunlich: Für die FAZ frotzelt Patrick Bernau über “vier Ökonomen” mit “fünf Meinungen”, um dann festzustellen, sie seien sich doch einig, übersieht aber das Wichtigste: Die verbotene sechste Meinung. Das äußert sich schon in seinem Fazit, als er es fertigbringt, die selbst aufgeworfene Frage zu ignorieren: Wie kann man das Geld “einsammeln”, von dem es “zu viel” gibt? Eine Frage, für die man nichts studiert haben muss und die auch noch keinen Marxismus auf den Plan ruft. Man muss es eigentlich nur lesen: “Geld einsammeln”. Seit der Antike kennt man diesen Vorgang als “Steuern erheben”. Der Neoliberaal darf aber das nasse Zeugs, das im Winter gefriert, nicht “Wasser” nennen. Putzig.

Natürlich hätten wir’s gern auch einmal tiefgründiger und täten wissen wollen – Steuern hin oder her, wieso überhaupt hie die Wirtschaft nichts zu tun hat und dort die Kohle Halden bildet. Wieso obendrein bei einer Arbeitslosigkeit in Europa, die auf die 20% zugeht und längst die kommende Generation abgehängt hat, von “Vollbeschäftigung” geschwafelt wird und die Ursache der Arbeitslosigkeit bei den Arbeitslosen gesucht.

Immer mehr Faulheit

Kurzum: Es wäre dann vielleicht doch an der Zeit, über den tendenziellen Fall der Profitrate im Kapitalismus zu sprechen? Die ihren empirischen Nachweis findet, wohin man auch schaut? Darf man also diskutieren, was zu tun ist, wenn das Kapital sich unter sinnvollen und zweckdienlichen Bedingungen nicht mehr vermehren kann und was dann passiert? Was macht also der Privateigentümer, wenn all sein Geld in der Produktion und den Dienstleistungen keine Rendite mehr abwirft? Wenn die Löhne zu Boden gedrückt, die Produktivität nicht mehr zu überbieten ist und schon alles, was einmal der Allgemeinheit gehörte, an die Privatiers verscherbelt wurde?

Er hält an seinem Glauben an “Wachstum” fest, wo es längst keines mehr geben kann. Er erfindet Geschäfte, die es gar nicht gibt, schließt Wetten auf alles und jedes ab und sieht zu, dass er am Ende die lebensnotwendigen Ressourcen an sich bringt: Immobilien, Energie, Nahrung, Wasser. Dann wird der Rest aus dieser Welt rausgequetscht. Danach wird er versuchen, das Universum zu verkaufen: Sonne, Mond, Sterne, die Wörter der Sprache und die Luft zum Atmen. Ähnlichkeiten mit der tatsächlichen Entwicklung sollen bereits erkennbar sein.

Dabei wird er stets behaupten, das alles sei notwendig, um Arbeit zu schaffen. Arbeit, die trotz aller Produktion für die Tonne und der skurrilsten Geschäfte nicht mehr entsteht.
Der leider nicht mehr ganz profitabel produzierte Zeitgeist hat auch dafür eine Erklärung: Weil es immer mehr faule Leute gibt. Die muss man nur bestrafen und im Elend allein lassen, dann hat es eine Eigenverantwortung und alles wird besser. Und der Mond ist aus grünem Käse, das Kilo jetzt für unerhört günstige zwölf Euro neunundneunzig.

francDas wäre doch mal eine Nachricht außerhalb der Tretmühle. Anlass für den Gedanken sind die aktuellen Arbeitsmarktstatistiken. Deutschland und seine neoliberalen Wanderprediger fühlen sich sich ja bestätigt, ganz gleich, wie die Zahlen ausfallen, die dennoch gern geschönt werden. Steigt die Arbeitslosigkeit, muss privatisiert werden, die Löhne knapp gehalten und “gespart”. Sinkt die Arbeitslosigkeit, muss privatisiert werden, die Löhne knapp gehalten und “gespart”, denn das sichert Wachstum® und Aufschwung®. Immer.

Wie immer würde umgekehrt ein Schuh draus, zumindest wenn man sich einmal im Euroraum umschaut. Denn gerade wenn die Exportüberschüsse Deutschlands der Jobmotor sind, folgt daraus unmittelbar, dass die anderen Staaten Europas dafür bluten müssen. Sie sind die ersten, die in den Abgrund konkurriert werden und gleichzeitig den Wert des Euro zugunsten Deutschlands niedrig halten. Wie kann man also eine Politik richtig finden, die Europa eine Rekordarbeitslosigkeit beschert? Indem man halt der nationalen Wirtschaft Vorrang vor Vernunft und Solidarität gibt. Indem man seine “Partner” rücksichtslos ausnützt.

Nach der Krise ist vor der Krise

Die sogenannte “Eurokrise” beruht auf dieser Asymmetrie und wurde beschleunigt ausgelöst durch die vorhergehende Finanzmarktkrise, die wiederum durch Deregulierungen ausgelöst wurde. Der Werdegang einer “sozialen Marktwirtschaft”, die auch nur ein Kapitalismus ist und daher irgendwann die abstrusen Lösungen sucht, um sinkende Profitraten auszugleichen. Die Lösung des Problems liegt also – ich weiß, ich wiederhole mich – in der Ablösung des Kapitalismus durch etwas Intelligenteres.

Auf dem Weg dorthin mag es dem einen oder anderen nicht möglich erscheinen, Lösungen außerhalb des Systems zu suchen. Daher raten Keynesianer oder Flassbecks zum Beispiel zu höheren Löhnen und antizyklischem Verhalten. Sie unterscheiden sich dadurch von ihren Kontrahenten, den Neocons, Neoliberalen oder Jüngern Hayeks, vor allem durch das Tempo, in denen ihr Kapitalismus vor die Wand fährt. Bei den Flassbecks geht das so langsam, dass der Eindruck entstehen könnte, Kapitalismus sei beherrschbar, bei den anderen eben so flott, dass sie schon durch die Wand sind, bevor sie eine sehen.

Dem entsprechend toben auch viele der religiösen Eiferer eines völlig entmenschlichten Kapitalismus einem Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone entgegen. Das würde das Feuer zwar auch nur noch anfachen, aber das ist ihnen ja schon immer egal.

Kein Weg zurück?

Andere Planspielchen, wie das Chaos gelichtet werden könnte, werden leider gar nicht erst diskutiert. Wenn zum Beispiel Frankreich aus dem Euro ausschiede, dessen Wirtschaft eigentlich allen Zielen gerecht wurde und das wohl auch nicht kollabieren würde, was dann? Oder meinetwegen Finnland oder Österreich? Wenn also ein Staat beschlösse, den Quatsch nicht mehr mitzumachen, ohne dass jemand den Untergang befürchten müsste, wäre das nicht ausgesprochen vernünftig? Würde dass ggf. belegen, dass ein Rückbau ohne Armageddon möglich ist? Und könnte man dann auf diesem Weg weitergehen und dasselbe langfristig mit dem Kapitalismus selbst tun? Theoretisch?

Das wäre doch zumindest eine intelligente Art antizyklischer Strategie: Aufhören, wenn’s am schönsten ist. Deutschland kann bei den Exportweltmeisterschaften ja weiterhin versuchen, die ersten drei Plätze allein zu belegen.

So, die Herren Ökonomen, dann mal den Taschenrechner qualmen lassen!

 
mint

Nachdem ich schon einige Jahre Kanotix auf einigen Rechnern laufen habe, kam ich damit bei meinem Laptop, das ich im Frühjahr erworben habe, an die Grenzen. Vorab muss ich zu meinem Bedauern feststellen, dass es kaum mehr Hardware zu kaufen gibt, auf der ein Linux installiert ist. Das war eine Zeitlang besser. So kam es, dass ich ein Notebook kaufen musste, auf dem Windows7 installiert ist, was ich nie nicht haben wollte. Nun, da ich das nun mal auf der Platte hatte, habe ich es in ein kleines Eckchen geschoben, wo ich es aufrufen kann, wenn ich mal meine Kamerasoftware brauche oder irgend einen Schnickschnack, der glaubt, die Welt endete an den Toren von Redmond.

Den Rest der Platte stellte ich also gewohnheitsmäßig Kanotix zur Verfügung, was auch ganz gut lief, bis auf das lästige Problem mit den Flash-Videos. Nun fragen einige hier: Wozu braucht man Flash-Videos? Naja, schaut mal in die Kommentare, dann ahnt ihr wozu. Bei mir liefen die alle ohne Ton. Nachdem ich dann bei einem Update vermutlich den Treiber meiner ATI-Grafikchips gehimmelt hatte, erinnerte ich mich an den Tip aus dem letzten Artikel zu Linux und habe mir Mint gesaugt, mit der grafischen Oberfläche KDE 4.8.3. Ich stehe auf dunkle Designs, selbstverständlich kann man das auch völlig anders gestalten.

Die Tore von Redmond

Das Schönste an den Linux-Installationen ist, dass man sie eigentlich täglich nebenbei machen könnte – sofern man mit einer Schnellformatierung auskommt. Das Ganze geht in Minuten und ist nachher weitgehend gebrauchsfertig.
Mint ist für meine Belange die ideale “Distri”, wie ich feststellen durfte: Alles funktioniert, auch Flash, und es sind sogar schon fast sämtliche Pakete dabei, die ich brauche, ob vlc, LibreOffice, gimp oder Firefox. Das einzige, was ich nachinstalliert habe, ist Thunderbird.

Über die Softwareinstallation stehen hunderte weiterer Anwendungen zur Verfügung, und wer’s lieber mag, kann das natürlich auch über die Konsole via apt-get besorgen. Für Ahnungslose beschreibe ich das mal so: Stellt euch vor, ihr hättet gern ein Programm auf eurem Rechner. Dann geht ihr hin, öffnet ein Fenster, tippt “apt-get install” ein und den Namen des gewünschten Programms, und in aller Regel wird das dann installiert. Probiert das mal mit Windows!

Der Vorteil von Windows ist nach wie die Marktmacht. Diese führt dazu, dass vor allem Spiele und grafisch aufwendige Software auf Windows (und Apple) zugeschnitten sind. Dass nicht jede Linux-Distribution auf jeder Hardware läuft, ist zwar nach wie vor der Fall, andererseits habe ich hier auch einen Rechner laufen, der unter XP ständig Bluescreens produziert hat und mit Kanotix problemlos läuft.

Ceterum censeo: Wenn ihr etwas Platz auf der Platte habt, lasst euch mal zeigen, wie man ein Linux zusätzlich draufpackt. In ein paar Jahren werdet ihr euch dann fragen, wieso ihr für den proprietären Scheiß überhaupt jemals Geld ausgegeben habt.

p.s.: Bonmot am Rande: Der Firefox wird immer mieser, und mit der neuesten Version spackt jetzt der Flashplayer unter Windows.

 
5sinn
Ich nehme den Artikel von Stephan bei ‘wiesaussieht’ zum Anlass eines Versuchs, die ökonomische Sicht ein wenig zu erden. “Vom Kopf auf die Füße stellen” maße ich mir nicht an, es ist auch komplizierter als das. Zunächst in direkter Antwort eine Spitze des Spaßes wegen: Nein Stephan, Heiner Flassbeck ist nicht deiner Meinung. Ich nehme an, er wird sie nicht einmal zur Kenntnis genommen haben. Dann aber das Wichtige: Ist es wirklich die Ansicht eines “Sozialisten(schweins)“, die Frage nach Sinn und Unsinn des Euro in den Fokus der Betrachtung zu stellen – um dann eine Lösung in dessen Abschaffung zu sehen?

Ich meide nach wie vor die Selbtskategorisierung als “links”, “sozialistisch” oder dergleichen und provoziere lieber weiterhin mit der Attitüde “sozialliberal”, weil das mitten hinein weist in die Widersprüche, die der Kapitalismus ums sprichwörtliche Verrecken nicht zu kitten vermag. Ich mag auch kein Marxist sein, weil der Mann aus Trier die Wahrheit nicht erfunden, sondern nur gefunden hat, und das kann jeder täglich aktuell. Zum Beispiel die der Krise des Kapitalismus und wie sie sich äußert.

Die Krise bleibt

Der Euro ist dabei nur ein Symptom und keine Ursache. Seine Abschaffung löst kein Problem wie seine Einführung schon nicht, obwohl diese immerhin im Spiel auf Zeit eine originelle Idee war. Die dadurch steigende ‘Kreditwürdigkeit’ der Netto-Importeure gab ihnen nämlich einen Schub und gleichzeitig den Netto-Exportweltmeistern, deren Währung nicht durch die Decke ging und derart ein wundervolles künstliches “Wachstum” ermöglichte. Solche Tricks aber verschaffen dem System bestenfalls Zeit. Schlimmstenfalls beschleunigen sie den Zusammenbruch.

Wenn nun das Kapital die ‘Märkte’ abgegrast hat und die Profite sinken, muss neues Land geraubt werden, egal in welcher realen oder virtuellen Region. Kreditblasen aller Art, abenteuerliche börsentechnische Konstruktionen und bizarrer Hokuspokus mussten dafür herhalten, und es ist schon fast ein Wunder, dass jetzt erst der Euro und seine Staaten selbst zum Opfer der Profiteure werden. Jadoch, er ist auch eine Fehlkonstruktion, aber siehe oben: Diese war selbst schon ein Rettungsversuch.

Wahr ist, da haben Stephan und Heiner Flassbeck recht: Das Gewese um den Euro zerstört gemeinsames Kulturgut, facht einen vergessen geglaubten Hass an und fordert Opfer, die keine Währung der Welt Wert ist. Falsch ist, dass das Ende des Euro daran etwas ändern könnte. Die Krise nämlich bliebe. Wäre ich Sozialist, ich forderte die Abschaffung des Kapitalismus. Jedenfalls solange ich nicht das Patentrezept in der Tasche hätte, wie der seine Profite ewig steigern könnte. Das freilich hieße nicht nur Marx zu widerlegen, sondern alle Erfahrung.

 
fon

Was sagt wohl der Lobo dazu? Hätte er das kommen sehen müssen? Oder sollte er am Ende auch nicht besser beraten können als die gelackten Jungs mit dem Strick um den Hals?
Beim Gesichtsbuch gab es also einen Kotorkan, nachdem jemand sich bei Vodafone öffentlich über miese Behandlung beschwert hatte. Aber Halt! Service aus der untersten Schublade? Abzocke womöglich? Bei einem Telefonanbieter? In Deutschland? Das kann nicht sein, das gibt es doch gar nicht!

Wer könnte nicht Romane erzählen von solchen Erfahrungen? Ich selbst hatte sogar bei zwei Anbietern mit Früchten zu tun, die so hohl waren, dass sie mir noch vor Vertragsabschluss sämtliche Folterinstrumente ihrer unfähigen Company gezeigt haben. Ein Unternehmensberater, der noch Kleinunternehmern in die Augen schaut, sagte mir einmal: “Sie können genau erkennen, wer von McBerger oder Roland Kinsey beraten wurde: Da geht niemand mehr ans Telefon.”

Telefonterrorzentrale

Ausgerechnet die Telefongesellschaften haben nämlich den neoliberalen Terror kultiviert, unterbezahlte biersaure “Agenten” in die Legebatterien sogenannter “Callcenter” zu pferchen, um ihren Kunden bei jeder Gelegenheit zu demonstrieren, dass Telefonieren ein einziges sinnloses Ärgernis ist. Selbst sportliche junge Menschen treiben sie damit in Windeseile an den Rand eines Schlaganfalls. Für die Zahlenakrobaten des Managements und ihre kondebilen Berater sind ihre Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen Menschenmaterial, das nur einem Zweck dient, nämlich dem beschleunigten Schaufeln von Kohle auf die Halden der sogenannten “Investoren”.

Dies ist das Musterbeispiel für die widerwärtige Philosophie des “Shareholder Value” und belegt anschaulich, warum jeder diesen Begriff kennt, während niemand weiß, was ein Stakeholder Value sein soll. Dabei ist der nicht einmal böser Kommunismus, sondern bloß ein kapitalistischer Ansatz, der erkennt, dass es suboptimal sein könnte, wenn alle Beteiligten ausgequetscht werden wie die Zitronen, damit die Teilhaber fetter werden.

Tagesbefehl: Spaß für alle!

Im Schlepptau solcher Menschenfreunde kriechen Horden von Paragraphenzombies übers Land und stürzen sich auf alles, was nicht bei drei gezahlt hat oder öffentliche “Tatsachenbehauptungen” äußert, welche jene Tatsachen behaupten. Die sind nämlich völlig unerwünscht, da muss man sich ja nur einmal die PR-Gülle anschauen, mit der sich die Konzerne von willigen Drogenopfern ihre Felder fluten lassen.

Die bunte heile Welt voller sympathischer Menschen, wo der Chef sich persönlich um seine Kunden kümmert und ihnen den Anschluss legt. Wer jemals mit den Originaldilettanten solcher Firmen zu tun hatte, kann nur mühsam die spontane Gewaltneigung unterdrücken, die ihn angesichts dieser Lügen überkommt. Auch wenn man Sascha Lobo nicht eh schon immer mal den Pornobalken rot färben wollte.

Kurzum: Das habt ihr euch verdient, und ihr werdet wie immer nichts daraus lernen. Wie auch? Was sind eure Alternativen? Ehrlichkeit? Wäre ruinös. Mehr Kundenfreundlichkeit? Habt ihr gar nicht drauf, machen eure Aktionäre und ihre nadelgestreiften Edelsklaven auch nicht mit. Qualifizierte, gut bezahlte und motivierte Mitarbeiter? Siehe oben. So ist das halt am Markt®. Da haben 99% keinen Bock mehr, und das müssen sie sich dann auch noch als ganz großen Spaß verkaufen lassen.

 
Auf deutschem Boden darf nie wieder ein unfähiger Ausbeuter Konkurs anmelden – jedenfalls nicht ehe sämtliche Mitarbeiter zu den Truppen der ‘Working Poor’ konvertiert sind, alle Reserven aufgebraucht und auf ihre Altersversorgung verzichtet haben. Eine Zeitung rund um Frankfurt berichtet: Diesmal ist es die “Praktiker”-Kette, die mithilfe der Bücklinge ihrer Gewerkschaft noch ein paar Jährchen zucken und den Eigentümern Renditen einbringen soll. “Einsparungen” in Form drastischer Lohnsenkungen sind einmal mehr die Lösung, um weitere Rabattschlachten zu ermöglichen, mit denen die Konkurrenz ausgestochen werden kann.

Ob sie wissen, was sie tun, ist nicht immer sicher. Norbert Hansen war einer, der wusste, was er tat. Als Chef der Gewerkschaft Transnet hat er sich gegen die Forderungen der Kollegen von der ‘Gewerkschaft der Lokführer’ gestellt und war ein Jahr später Arbeitsdirektor im Vorstand der Bahn. So nachvollziehbar ist das Handeln der meisten anderen Gewerkschaftsfunktionäre nicht. Immerhin hat ihr Handeln dieselben Konsequenzen: Sie drücken die Löhne in der gesamten Branche. Können andere Baumärkte nämlich – um zum Anlass zurückzukommen – durch besseres Management höhere Qualität im gleichen Preisniveau bieten, stehen sie künftig in Konkurrenz zu einem, der die Kosten gnadenlos herunterfährt.

Selbst ist der Ausbeuter

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die erfolgreiche Ausbeutung bei “Praktiker” fruchtet. Dann muss die Konkurrenz irgendwann nachziehen und hat gegenüber der Gewerkschaft die allerbeste Begründung dafür. Ein Preiskampf, den die sogenannten “Arbeitnehmervertreter” selbst ausgelöst haben.
Oder aber das nützt alles nichts, der Laden geht trotzdem pleite, und die Arbeiter haben noch kräftige Einbußen, ehe sie endgültig arbeitslos werden – bei dann niedrigerem Arbeitslosengeld.

Die bodenlose Dummheit, “Arbeitsplätze erhalten” zu wollen, die unter tragbaren Bedingungen gar nicht zu halten sind, führt immer wieder zur Plünderung der Mitarbeiterschaft, organisiert durch deren eigene “Vertretung”. Wer solche Gewerkschaften hat, braucht keine anderen Feinde mehr.

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