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Als ich zuletzt für ein ordinäres Brötchen 30 Cent zu zahlen hatte, stutzte ich doch gewaltig. Es ist offenbar nicht nur ein gefühlter Anstieg bei den Preisen für Lebensmittel; im letzten Jahr sind die Kosten für alkoholfreie Getränke und Lebensmittel um 4,1 Prozent gestiegen. Wir werden das im Auge behalten müssen. Was als Begründung unter anderem in der Frankfurter Rundschau angeboten wird, ist der übliche neusprechliche Sermon der ökumenischen Vereinigung deutscher Marktanbeter, hier aus der Abteilung klassische Schizophrenie für Grobgehobelte:

neben den steigenden Kosten auch harter Wettbewerb“, heißt es dort.

Wie kommt schon wieder diese verdammte Axt in meinen Schädel? Es wird teurer wegen steigender Kosten, aha. Ich hätte gern den zuständigen Experten gesprochen, sofort!
Und “harter Wettbewerb” führt also zu – höheren Preisen?! Der Wettbewerb®, der eigentlich im Dienste der Erlösungslehre für alle gut ist und sonst immer niedrige Preise bewirkt, weil viel Wettbewerb® viel Angebot bedeutet und das eben viel billig? How comes? Das kommt wohl von daher, wo für dieselbe Industrie “stabile Umsätze” und eine “angespannte Ertragslage” Arm in Arm übder die intellektuellen Stoppelfelder hoppeln ohne sich dabei die Extremitäten aufs schmerzhafteste zu verrenken.

Wettbewerb, Werbewett, Wertbewebb

Suchen wir ein wenig Sinn im Unsinn: Tatsächlich steigen die Preise lokal, während mehr exportiert wird, weil sich im Ausland noch höhere Profite erzielen lassen – trotz zusätzlicher Transportkosten. Woanders ist es also noch teurer, und womöglich steigen die Preise anderswo noch schneller an. Nun sorgt die soziale Marktwirtschaft®, von Ketzern auch nach wie vor verdammter Kapitalismus genannt, dafür dass dort investiert und abgesetzt wird, wo der Profit am höchsten ist und vor allem so gehandelt, dass es den Profiten dient. Wenn das dann mit künstlicher Verknappung einhergeht, dann ist das eben so.

Nun treffen da drei äußerst unansehnliche Schwestern aufeinander, nämlich die neue Attraktivität des Lebensmittelmarktes® und die mangelnde Profitaussicht in anderen Branchen, auf die allseits gut gelaunt schon die magersüchtige Lohnentwicklung wartet.
Meine Kristallkugel sagt, das sei ein ganz böses Omen, eines von der Art, die man besser verschweigt, wenn man das Menetekel entziffert hat. Vielleicht ist das alles ja doch nur ein Irrtum.

Ich hole einmal zwei – leicht bearbeitete – Kommentare hier hoch, weil ich es wichtig finde, deren Hintergrund zu klären und einigermaßen überrascht bin, wie wenig das bislang angekommen ist.

allewegeDas Vertrackte am Kapital ist der Zwang zur Expansion, Kapitalismus ist ohne diese Dynamik (von Verschuldung und Profit) nicht zu haben. Ich kann also keine Marktwirtschaft haben, die sich nicht auswirkt wie Kapitalismus. Warum ist das so? Was immer gern übersehen wird, ist dass der New Deal der Ansatz zu einem ‘humanen’ Kapitalismus war und ebenso Erhards “Soziale Marktwirtschaft”. Der Knackpunkt liegt in der Analyse von deren Scheitern und dem Aufkommen des Neoliberalismus. Das war, so sehen es die Marxianer, kein Unfall, sondern die logische Folge sinkender Profitraten bzw. eines Überschusses an Kapital, was aufs Gleiche hinausläuft. Wenn Kapital durch sinnvolle Arbeit nicht mehr vermehrt werden kann bzw. nur um einen immer geringeren Anteil, dann setzen Mechanismen ein, die auf jede erdenkliche Weise ‘künstlich’ Profit erzeugen.

Put the Pin back in

Dazu gehören nicht nur (volkswirtschaftlich schädliche) Lohnsenkungen, dazu gehört auch eine gnadenlose Konkurrenz, weil der Gewinn nur noch für wenige lukrativ sein kann; dazu gehören dann eben auch Praktiken und Geschäfte, die in anderen Zeiten zu Recht als kriminell gelten. Dazu gehört ebenso, dass durch Propaganda und Korruption Grenzen durchbrochen werden, die vor allem von staatlicher Seite das Geschäft beeinträchtigen. Das ist keine Frage eines Willens oder einer Mentalität, das ist in dieser Entwicklungsphase die letzte Möglichkeit, Profit zu machen, was ja richtig ist, denn Kapitalismus beruht einzig auf Profit. Jeder will am Ende mehr Geld haben und auf keinen Fall weniger. Jede ‘Marktwirtschaft’ ist bislang in eine solche Phase gekommen. Weil sie nicht anders kann. Steht alles schon beim Zottelbart.

Das ist der Punkt, an dem wir uns mit den Keynesisten und anderen Vertretern einer ‘marktwirtschaftlichen’ Ausrichtung nicht einigen können. Das ist auch der Punkt, an dem ich an Jens Berger nicht herankomme. Aus meiner Sicht versuchen die Jungs, kochendes Wasser auf angenehme 35° abzukühlen, lassen aber den Pott auf dem heißen Herd stehen. Nun gibt es ganz sicher Möglichkeiten, die Brühe auch unter diesen Umständen runterzukühlen, aber dabei gibt es halt zwei Probleme: Erstens wird man für solche Versuche bei vielen kein Verständnis erzielen. Den einen ist schon der Zusammenhang zwischen Herd und Hitze zu kompliziert und die anderen finden das blöde. Zweitens gibt es da die noch anderen, die wollen, dass es kocht. Das sind dann obendrein diejenigen, die mit der Knarre hinter den Köchen stehen.

Westlicher Wohlstand zwischen Staublunge und Leiharbeit

Es wird dann so getan, als sei Kapitalismus ein Segen. Er habe Wohlstand gebracht und müsse darum erhalten werden. Solche Argumente tun mir physisch weh. Kapitalismus hat nie für Wohlstand gesorgt, das ist pure Propaganda. Er hat für asymmetrische Verteilung gesorgt, die auf der einen Seite als Wohlstand empfunden wird und auf der anderen “Sklaverei” heißt. Nicht nur dass außerhalb von Europa und den USA wenig davon angekommen ist; noch die Nachkriegsgeneration ist hier an Staublunge krepiert. Die Laube und das abendliche Bier waren der “Wohlstand”, den es im Gegenzug gab. Wenn man es historisch und geographisch bemisst, gab es verdammt wenig “Wohlstand” in den Zeiten der “Marktwirtschaft”. Kriege, Faschismus und die “Dritte Welt” werden dabei ohnehin schon vollständig verdrängt.

Was davon übrig bleibt: Die Dynamik der technischen Entwicklung wurde durch die des Kapitals enorm beschleunigt. Das hat solchen Fortschritt gezeitigt. Der ist aber mehr als genug fortgeschritten; sollen wir jetzt quasi aus Dankbarkeit die letzten Ressourcen noch schneller plündern und das Kapital uns weiter in die Katastrophe führen lassen? Die Technik steht längst im Dienste der Sollbruchstelle, um höhere Umsätze zu erzeugen, mehr Material zu verpulvern und die Produktqualität immer weiter abzusenken. Der Zenit technischer Produktivität ist überschritten, wir brauchen nicht mehr und schnelleren Fortschritt, wir brauchen einen sinnvollen Einsatz der Ressourcen. Den wird es niemals geben, so lange das Spiel “Geld-Produkt-mehr Geld” heißt. Denn darin ist für Vernunft ebensowenig Platz wie für ‘Humanität’.

 
Dass Kapitalismus, vor allem in seiner neoliberalen Ausprägung, religiöse Züge trägt, ist nichts Neues. Damit verbunden ist aber etwas noch Wichtigeres, nämlich die Erzählung, die dahinter steht. Es gibt einen schönen Begriff, der für wissenschaftsferne Menschen vielleicht abschreckend klingt, den man sich aber einprägen sollte: Das “Narrativ”, was eigentlich nichts anderes bedeutet als “Erzählung”. Es handelt sich dabei um die herrschende, die gängige Erzählung von den Dingen und wie sie angeblich seien. Wer zu weit davon abweicht, dringt nicht durch.

Als Jesus einmal schwer betrunken und bekifft aus dem Bordell kam, war er so high, dass er auf der Straße einen Penner zusammentrat. Zwar entschuldigte er sich am nächsten Tag, warnte aber seine Jünger davor, sich im Rotlichtviertel auf die Straße zu legen. Das sei einfach dämlich. Dann bestieg er ein Taxi.

Stimmt ja gar nicht

Der Passus geht nicht in die Bibel, und selbst wenn irgendwer auf eine Quelle stieße, die diese Geschichte bestätigte, sie würde niemals in die Erzählung der christlichen Religion aufgenommen. Jedenfalls so lange nicht, wie die Kirchen noch einen Einfluss auf die Verwaltung der Geschichte ihres Gesalbten haben. Im Gegenteil gelingt es ihnen seit Jahrtausenden, ihren ausdrücklich als Schäfchen titulierten Anhängern weiszumachen, die (später heilige) Hure (“Sünderin”) Maria Magdalena habe vor Jesus gekniet, um ihm die Füße zu waschen. In jedem anderen Kontext taugt diese Darstellung nur zum Witz.

Kapitalismus als Narrativ hat die Beziehungen rund um Ware und Profit in eine Erzählstruktur eingewoben, die das, was Marx noch als “Fetisch” bezeichnet hat, längst als Naturgesetz erscheinen lässt. Der Klassiker: “Arbeitgeber” geben “”Arbeitnehmern” die Arbeit; letztere müssten also dankbar sein, weil die guten Eigentümer ihrem Leben einen Sinn geben. Dieses muss man sich schließlich “verdienen”, genau wie das Geld, das die “Arbeitgeber” ihrerseits für ihre “Verantwortung” bekommen und ihr “Risiko”. Ganz gleich welchen dieser Erzählstränge man analysiert, es kommt in der Wirklichkeit stets das Gegenteil dessen heraus, was das Narrativ behauptet. Allein: Es fehlen schon die Worte dazu. Ein “Arbeitgeber” nimmt doch nichts und sein “Arbeitnehmer” kann ihm nichts geben, per definitionem eben.

Das Narrativ steht natürlich in enger Beziehung zur Propaganda, aber es ist nicht dasselbe. Schon die oben genannten Beispiele zeigen, dass sich in der großen Erzählung die Darstellungen eingeschliffen haben – es sind ja die “Arbeitnehmer” selbst, die sich mit ihrer Rolle identifizieren, die vom “verdienen” reden und inmitten einer organisierten Enteignung der Massen so tun, als sei Eigentum das Resultat von Arbeit. Es sind die Arbeiter, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, als Aufrührer, “Kommunisten”, “Sozialisten”, “Marxisten” oder Schlimmeres zu gelten, die niemals “destruktiv” sein wollen, egal mit welcher Brutalität ihresgleichen behandelt wird.

Risse im Kitt

Andauernde Propaganda gestaltet das Narrativ, hat längst dafür gesorgt, dass Begriffe wie “Kapitalisten”, “Profite” und “Ausbeutung” tabuisiert wurden. Es werden “Gewinne” gemacht von “Unternehmern”, und das ist natürlich “sozial”. Es werden absurde Erzählstränge aufgebaut wie zum Beispiel das “Trickle down”, also die Behauptung, wenn die Reichen reicher würden, fiele für alle etwas davon ab. Dieser Akt der Propaganda verfängt freilich bislang nur bei den Idioten der “Tea-Party” in den USA. Interessanterweise führt aber ausgerechnet die Propaganda wieder die Fäden zusammen, die sie eigentlich getrennt haben will, weil sie sich nicht in ein Narrativ einpassen lassen:

So ist es der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM) zu verdanken, dass die Trennung von “Kapitalismus” und “Marktwirtschaft” wieder aufgehoben wird und hinter der Fassade der wahre Kern zum Vorschein kommt. Während eifrige Verfechter einer sogenannten “Marktwirtschaft” (nicht zuletzt Sozialdemokraten) versuchen, Kapitalismus einen hübschen Anstrich zu geben und sie gegen die bösartige Verlaufsform “Neoliberalismus” abzugrenzen, gehen ausgerechnet die knallharten Neolibs hin und nennen ihre Konzepte trotzig “soziale Marktwirtschaft”. Es sind diese Risse durch Narrativ und Propaganda, in die man Wasser gießen kann, um die Fassade aufzubrechen. Dazu muss man sich traurigerweise allerdings zuerst mit denen anlegen, die sich für die Freunde der “Arbeitnehmer” halten.

 
Ungefähr das:

Raubmordkopiert via Missis Mop. Warnung: Ist auf die englische Sprache drauf und auch nur Geschwätz mit Bilder.

 
salatmuell

Fefe hatte gestern gleich zwei Hinweise auf eine Spielart des Stumpfsinns, die “unternehmerisch” zu nennen schon Satire wäre. Die Weisheit, der Teufel scheiße immer auf den größten Haufen, ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber das ganze Tun des Managements darauf abzustellen, ist schlicht … zeitgemäß, wie es scheint. Zu den Sachen: Es werden Bratwurststände vor Einkaufstempeln aufgestellt, damit der Kerl sich draußen den Wanst vollschlägt und derart seine Ische nicht stört, die drinnen die Kohlen verprasst. Überhaupt wird versucht, massiv auf die Frauen zu setzen in der Shoppinggilde. Die geben das meiste Geld aus, kaufen spontaner, also werden sie umgarnt – und nur sie.

Ich habe bei der einen oder anderen Gelegenheit versucht darzulegen, was eine Investition eigentlich wäre und warum das nichts mit dem Treiben sogenannter “Unternehmer” zu tun hat. Zum Heulen rührend sind längst die Mythen von den Unternehmern, ihrer Verantwortung und ach dem großen Risiko. Das machen heute die Manager. Die geben sich vielleicht noch ‘unternehmerisch’ und fordern den Status für sich ein, weil sie die entsprechende Attitüde an den Tag legen. Sie tragen “Boss”, weil’s draufsteht und geben sich höflich. So höflich, dass sie bei der Versicherungsparty die Damen mit den weißen Bändchen siezen. Manche sprechen ihre Begleitung womöglich gar mit “Frau Koksnutte” an.

Ich schweife ab. Was sie können, ist Power Point. Power Point sagt, wir können hiier die Ausgaben senken, dann haben wir doort mehr Gewinn. Niemand geht hin und sagt: “Ich würde für diese meine Idee mal soundsoviel Bündel Scheine raushauen und gucken, ob das was wird, weil meine Idee nämlich hervorragend ist, meine Damen und Herren!“. Jedenfalls nicht die, bei denen das hinkäme, weil sie wirklich gegen den Strom etwas reißen würden, sondern höchstens jene, die sich vor der Sitzung eine zu fette Line gezogen haben.

Worauf ich hinauswill: Wie bescheuert ist das eigentlich, immer die Hälfte der Menschheit aus den Augen zu verlieren? Meist sind es ja die Mädels, auf die keiner achtet, weil die anderen Adabeis auch immer nur von hier bis zur Pissrinne denken. Beim Shoppen aber sind wir also jetzt die Deppen. Fein. Dann weiß ich wenigstens, warum immer das, was ich gerade zu brauchen glaube, nicht da ist. Das haben sie gerade irgendwelchen Weibern aufgeschwatzt, die es gar nicht haben wollten. Ich liebe Kapitalismus.

 
labyrEin unangefochtenes Totschlagargument ist jenes, die Alternative zum Kapitalismus sei “Planwirtschaft”. Diese muss nur genannt werden, sie gilt als das Grauen schlechthin, eine Art Terror der permanenten Fehlfunktion, der nur durch den Ritter “Marktwirtschaft” in die Flucht zu schlagen wäre. Wie so vieles, was die Priester der Alternativlosigkeit predigen, ist es gelogen, in diesem Fall sogar doppelt. Vor allem deshalb, weil der Kapitalismus ohne Planung nicht denkbar ist und diese in der Realität längst alle Züge der historischen pseudosozialistischen Staatswirtschaft angenommen hat.

Für viele ist es ohnehin wie eine Erzählung aus dem Mittelalter, wenn sie “sozialistische Planwirtschaft” hören, ein Spuk, von dessen Wirklichkeit sie nichts wissen. Tatsächlich war es so, dass die Bürokratie der Ostblockstaaten den Bedarf der Bevölkerung vorausplante und damit in vielen Bereichen vollkommen danebenlag. Das lag auch daran, dass es kein realistisches Feedback gab, für das ja im Kapitalismus angeblich schon der Umsatz sorgt. Bricht der ein, muss sich der Betrieb ändern. Ich kenne aus der Sowjetunion die Geschichte von dem Autowerk, das die Erfüllung des Plansolls dem Parteifunktionär bewies, indem die ‘vielen’ Autos an ihm vorbei paradierten, die dort hergestellt worden waren. Er bemerkte nicht, dass es immer dieselben Karren waren, die vorn aus der Halle heraus und hinten wieder hinein fuhren.

Sie haben Ihr Ziel nicht erreicht

Im Kapitalismus passiert so etwas nicht. Hier funktioniert Verknappung anders, der Vorgang ist komplexer. Vor allem aber wird in den Firmen und Konzernen geplant, und zwar haarsträubend falsch, nur in dem Sinne ‘erfolgreich’, als dass das Spiel auf Kosten der Mitarbeiter geht und die Shareholder genau wie früher die Bonzen nichts davon wissen wollen. Das geht so: Im unteren und mittleren Management ist ein Teil des Gehalts – der ganz erheblich sein kann – meist als Bonus vorgesehen. Diese Boni sind dabei von der Erreichung der Zielvorgaben abhängig. Diese Zielvorgaben wiederum werden in vielen Konzernen immer illusorischer. Sie haben keinerlei Bezug zur Entwicklung der Vorjahre oder einer realistischen Einschätzung der Marktentwicklung. Es ist das schiere Wünschdirwas, ausgelöst durch die Gewinnerwartungen, die bei den Aktionären erzeugt wurden.

Der Druck geht von den brutalsten “Marktteilnehmern” aus, die ihre dominierende Rolle dazu ausnutzen, optimistische, aber erreichbare Ziele vorzugeben, um damit Kapital anzulocken. Bleibt die Konkurrenz hinter diesen Versprechungen zurück, kann sie gleich einpacken, also verspricht sie das Blaue vom Himmel herunter. Unterhalb der Ebene derjenigen, die wissentlich solche Luftschlösser bauen, müssen aber alle ernst nehmen, was dort beschlossen wird. Dabei kommt es zu einer gnadenlosen Ausbeutung der Arbeitskräfte, aber zu keiner auch nur halbwegs zukunftsweisenden wirtschaftlichen Planung. Am Ende überleben nur die Stärksten dieses Spiel, es bilden sich Monopole.

Der Misserfolg der auch so genannten Planwirtschaft hat nichts damit zu tun, dass sie auf Planung beruht und “Marktwirtschaft” ist nicht effizienter, weil sie nicht plante. Beide Systeme zerbrechen unter anderem daran, dass sie sich gegen Feedback abschotten. Die Herren wissen nicht oder ignorieren, wie die Wirklichkeit der Massen aussieht. Geht man davon aus, dass auch eine Gesellschaft, die nicht in Herren und Diener unterteilt ist, auf Planung angewiesen bleibt, so bleibt die wichtige Erkenntnis, dass systemübergreifend das Gelingen des Feedbacks an die Planung notwendig ist. Dazu müssen die Informationen sowohl eine möglichst breite Basis haben als auch möglichst unverfälscht ankommen. Das Filtern der Informationen über Bedarf und Erfolg ist daher der Schlüssel zu einer guten Planung. Parteibürokratie war dazu ebenso wenig in der Lage wie der ‘Markt’ es ist. Was also dann?

Warren Buffett kauft also Heinz. Nachvollziehbar. Immobilien sind seit Jahren aufgeblasen, wenn auch immer noch beliebt. Wasser ist noch nicht so leicht zugänglich, Energie gehört schon den Monopolen. Also Lebensmittel.
Flieht, ihr Narren!

 
ausbeuWir kommen vom Begriff der Arbeit nicht los, also will ich mich dem auch nicht entziehen und einen weiteren Versuch wagen, ihn zu denken, und zwar von seinen Extremen her. Diese sind aus meiner Sicht: Arbeit als Vernichtungsprozess, Arbeit als Teil einer kapitalistischen Religion, insbesondere im Neoliberalismus, und drittens Arbeit an der Grenze zur bloßen Tätigkeit, wo der Begriff vielleicht überflüssig wird. Das Motiv, das solche Bemühungen trägt, ist immer noch die Frage, inwieweit eine andere Organisation von Arbeit möglich ist, was daraus folgt und wie man dorthin gelangen kann.

Arbeit als Vernichtungsprozess aufzufassen, erscheint extremistisch und klingt in der Erläuterung zunächst kompliziert. Der Gedanke lässt sich aber leicht illustrieren. Zunächst der komplizierte Einstieg:
Aus der “Dialektik der Aufklärung” und deren Gedanken der “Mimesis ans Tote” lässt sich ‘Arbeit’ als Motor des Todes beschreiben. Ist die “Mimesis” die Anpassungsleistung des Menschen und seiner Gesellschaft an die Kunstwelt der Produktion, so ist Arbeit darin dasjenige, was lebendige Natur in totes Material verwandelt. Alles wird umgewandelt, verwertet und in Stückzahlen erfasst. Daher der Gedanke, dass “Arbeit macht frei” die Menschheit in Stückgut und Arbeiter teilte, zwei Seiten desselben Prozesses.

Arbeit vernichtet zwangsläufig Natur, auch wo sie die Grenze zum kapitalistischen Kannibalismus nicht überschreitet. Nicht bloß die Fleischproduktion ist ein selbsterklärendes Beispiel dafür; vor der Arbeit waren die Natur und ihre Ressourcen, danach die Produkte und ihr Verbrauch. Nichtkapitalistische Arbeit kann sich davon unterscheiden, indem sie das Produkt nicht auch noch zur Ware macht, die nämlich gar nicht des Nutzens wegen geschaffen wird, sondern um eines jenseitigen Nutzens willen – dem des Profits.

Arbeit vernichtet

In der aktuellen Ideologie des Kapitalismus, der neoliberalen Religion, ist der Arbeitsbegriff losgelöst von jedem Inhalt, jedem historischen Kontext und der Wirklichkeit zum Dogma geworden, einem durch Wiederholung eingebläuten Glaubensinhalt. Er setzt dabei auf dem lutherschen Begriff der Arbeit auf, der den Grundstein für die Religiosität der Arbeit legte.

Der Begriff bedeutete seinem Ursprung nach Plage, Mühe, die Not eines Entwurzelten, sich durch Tätigkeit am Leben zu erhalten, kurzum: das nackte Sklavendasein. Dem entgegen stand der Begriff des Werkes, auch des Werkens, was die Erstellung eine Gegenstandes (Flechtwerk) durch Handanlegen meinte. Luther fokussierte auf die tätige Mühe als asketische gottgefällige Art zu leben. Dieser Ansatz war in der Tat alternativlos, denn wo immer Profiteure auf den Plan treten, haben sie ein Interesse an dieser unterwürfigen Grundhaltung. Wo “Gott” stand, fand sich alsbald ein Manufakturbesitzer, Fabrikant, “Arbeitgeber”. Die Kooperation zwischen Privateigentum und Religion funktioniert auf dieser Basis perfekt, sie ist das Resultat schierer Evolution.

Der Bezug auf das Werk hingegen musste fallen. Im Werk wird deutlich, dass es ein von Einzelnen oder Gruppen Geschaffenes ist. Es käme die Frage auf, wieso das dann “Eigentum” eines anderen ist. Der Begriff “Werktätige” war daher von der sozialistischen Ideologie klug gewählt.
Ist erst vom Werk nicht mehr die Rede, kann es gern noch abstrakter werden. “Arbeit” ist selbst Ware, übertragbar und mit einem Wert behaftet. Wenn man die Arbeiter also endgültig enteignen will, was ist dann das Ziel? Man nimmt ihnen das Verdienst um das Produzieren und macht ihr Werken zum Abfallprodukt einer fremden Macht.

Kapitalistische Religionslehre

Daher rührt schon der Begriff “Arbeitgeber”. Es gäbe die Arbeit nicht ohne diesen, wird suggeriert. Er “macht” sie, die anderen führen sie nur aus. Das Arbeiten selbst hat überhaupt keinen Wert. Nehmen wir an, Arbeit sei grundsätzlich sozial (was schon nicht der Fall ist), wie kommt dann einer darauf zu behaupten: “Sozial ist, was Arbeit schafft“? Er hat sich an die Stelle des (göttlichen) Schöpfers gesetzt. Alles Gute kommt eben von oben. Der Arbeiter muss nur eines wissen von seiner Arbeit: Sie definiert ihn. Er ist einer, weil er sich unterwirft und die Mühe auf sich nimmt. Der Ratschluss der höheren Macht ist dabei nicht in Zweifel zu ziehen, das wäre Blasphemie. Die Pfaffen dieser Religion sind die PR-Experten und die ihnen zuarbeitenden “Journalisten”.

Wer also die Arbeit verändern will, legt sich mit der Kirche an und gerät zwangsläufig in die Mühlen der Inquisition. Wenn er Glück hat, wird er dabei lediglich dem öffentlichen Diskurs entzogen; hat er Pech, wird er hingerichtet.

Die Konzepte alternativer Gesellschaften müssen sich aufs Werken wie auf die Arbeit beziehen. Sie kommen nicht umhin, auch “Arbeit” einzubeziehen, die aus lebendiger Natur Gebrauchsgegenstände macht und muss Grenzen ziehen, um nicht in der modernen Barbarei zu enden. Sie wird auf der anderen Seite auch nicht umhin kommen, sich vom Arbeitsbegriff abzugrenzen, wie er sich in den vergangenen Jahrhunderten eingeprägt hat. Nach wie vor wird es aber keine Option sein, sich unreflektiert als “Arbeiter” zu gerieren und zu glauben, derart wäre es auch nur möglich, sich von der kapitalistischen Produktion frei zu machen. Wenn das Denken sich schon so verstricken lässt, wird das Handeln nämlich nichts Gutes bewirken.

… werden die Konzerne mit der “Ökostromabgabe” machen, jene Konzerne, denen wir für nen Appel und ein Ei unsere Infrastruktur verhökert haben? Wenn ich mir die Erpressungsbriefe vulgo “Stromrechnungen” der letzten 15 Jahre anschaue, wird mir übel. Alles wegen der erneuerbaren Energien, ja? Die fetten und nebenbei garantierten Gewinne der nämlichen Zeit auch? Was die INSM, der Springer Verlag und die anderen üblichen Verdächtigen derzeit an Propaganda raushauen, lässt eigentlich nur eine Konsequenz zu: Die Energiekonzerne wieder zu enteignen. Die können eh nicht mit Geld umgehen, sonst würden sie uns nicht jährlich derart dreist die Energieabgaben erhöhen.

 
drift

Wer will sie noch hören, die Experten von der Murmelakademie, Facherbsenzähler, Hüter der einzig wirklichen Wahrheit, Bewahrer der Wertschöpfung? Hans Werner Sinn etwa macht sich derzeit nach Kräften lächerlich, indem er tapfer versucht, den einzigen Fall herbeizuführen, in dem seine “Targetgefahr” real werden könnte. Wer den letzten Satz nach Erkennen des Namens weitergelesen hat, sei für seine Tapferkeit belobigt. Im allgemeinen steige ich an der Stelle schon aus.

In seinem kürzlich verlinkten Vortrag sagt Heinz-Josef Bontrup, dass niemand im Fachbereich Volkswirtschaftslehre befürchten muss, zu Marx geprüft zu werden. Wohl kaum, weil dessen Theorie so dumm oder unzutreffend ist, sondern weil sie der geltenden Ideologie widerspricht. Ich kann mir vorstellen, dass selbst die Seminare zur “politischen Ökonomie” weniger intolerant gegenüber ‘bürgerlichen’ Theorien waren, die man vielleicht kennen durfte, um sie widerlegen zu können. Aber wir sind ja auch nicht die Deutsche Demokratische Republik. Wir sind die Guten von der sozialen Marktwirtschaft®.

Priester und Tempel

Wissenschaft als Mythologie funktioniert, weil die Priester und die Tempel dafür eingerichtet sind. Wer die Mittel und Wege der “Aufklärung” festlegt, legt die Wahrheit fest. Es wird nicht geforscht, sondern bestätigt. Es wird nicht gelehrt, sondern verkündet. Es wird nicht gelernt, sondern nachgeeifert. Das ist übrigens kein Problem der Ökonomie allein, sondern das von “Wissenschaften”, die autoritär und hierarchisch strukturiert sind.

Ein Musterbeispiel dieser Wissenschaft ist die Geschichte der Kontinentaldrift und ihres unglücklichen Vertreters Alfred Wegener. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts präsentierte er eine Theorie, die an Plausibilität kaum zu überbieten war, nämlich dass die Kontinente einmal eine gemeinsame Landmasse bildeten und dann auseinander drifteten. Die Indizien dafür waren und sind erdrückend, aber Wegener wurde dafür verlacht und gemobbt – wohlgemerkt: nicht im finsteren Mittelalter, sondern im 20. Jahrhundert. Die Leugner der offensichtlichen Wahrheit waren erfolgreich bis Anfang der 1960er Jahre, erst dann war sie nicht mehr von der Hand zu weisen.

Nicht vor und nicht zurück

Es musste erst bewiesen werden, dass es eine Kraft gibt, welche die Kontinente in Bewegung setzt. Anstatt also das Offensichtliche zu akzeptieren und sich auf die Suche nach Belegen zu machen, mauerten die ‘Experten’ so lange, bis einer kam, der es ihnen ins Gesicht rieb. Der war dann auch ein echter Geologe und wurde daher als Eingeweihter von den anderen Geweihten gehört. Als “Plattentektonik” kam die Wahrheit doch noch zu ihrem Recht, mit 50 Jahren Verspätung.

So borniert kann ‘Wissenschaft’ sein, und wer je als kritischer Student auf einer Hochschule unterwegs war, hat die besten Chancen, ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben. Es ist nicht hilfreich, innovativ zu sein oder geistig flexibel, wenn man dazugehören will. Schon gar nicht bei den Ökonomen, die seit Jahrzehnten denselben Sermon von sich geben, keinen Schritt vorwärts gekommen sind und obendrein einen maßgeblichen Teil bereits vorhandenen Wissens ausblenden. So bestehen sie denn darauf: Alles, was nicht den gültigen Regeln kapitalistischen Wirtschaftens entspricht, darf nicht sein. Daraus folgt unmittelbar, dass diese Regeln eben gelten. Das soll ihnen erst einmal jemand widerlegen.

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